Gesundheitswesen

Die Praxis mit dem Profit: Region setzt auf Private

Jan Peters
Jan Peters Hauptredaktion
Nordschleswig
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Symbolbild Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Patientenverband beobachtet die Entwicklung mit Sorge, sagt aber auch: Ein privater Arzt ist besser als keiner.

Nicht genügend Ärzte, die Praxen übernehmen wollen: In Nordschleswig gibt es inzwischen mehrere Arztpraxen, die von privaten Unternehmen und Aktiengesellschaften übernommen wurden. Am Montag wurde eine solche Praxis in Tondern eröffnet. Die Situation wird sich in den kommenden Jahren nicht verbessern, denn ein großer Teil der Hausärzte ist über 55 Jahre alt.

Die Patientenorganisation Danske Patienter sieht diese Entwicklung aufgrund der Profitorientierung mit Sorge. Allerdings, wägt Organisationsdirektor Morten Freil ab, stünden die Patienten ohne Arzt da, wenn es diese privaten Lösungen nicht gebe.
„Wir müssen ganz klar sagen, dass die Regionen solche Möglichkeiten nur dann in Anspruch nehmen, wenn sich kein Mediziner finden lässt, der die Praxis übernehmen möchte“, erklärt er auf Anfrage des Nordschleswigers. Da sich beispielsweise in Tondern kein Käufer finden ließ, hatte die Region die Praxen ausgeschrieben – so, wie es die Gesetzgebung vorsieht.

Den Zuschlag für eine der beiden zu besetzenden Praxen an der Westküste bekam das Unternehmen „Alles Lægehus A/S,“ eine Tochtergesellschaft von Falck. Die stellt nun bis zu vier Ärzte ein, um die Patienten zu behandeln. Vorerst werden zwei Ärzte dort für mindestens zwei Jahre arbeiten. Weitere solcher privat geführter Hausarztpraxen gibt es in Apenrade und Loit. Der Arztmangel, vor allem in den abgelegeneren Kommunen, sei für die Patienten ein sehr ernstzunehmendes Problem, sagt Freil.

Dass große Unternehmen Praxen kaufen und diese dann mit angestellten Ärzten besetzen, mache das nicht besser. Vor allem dass in den Praxen nicht nur ein Arzt, sondern meist mehrere Ärzte sitzen, sei für viele Patienten nicht optimal. Die Ursache für den Ärztemangel sieht Freil bei den Politikern. „Es müssten mehr Ärzte ausgebildet werden, um dem Mangel zu begegnen. Und das wurde und wird noch nicht in ausreichendem Maße gemacht“, meint der Danske-Patienter-Direktor.

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