Geschichte

Nordschleswigs Museumslandschaft baute 1920 auf Basis aus deutscher Zeit

Nordschleswigs Museen 1920 auf Basis aus deutscher Zeit

Nordschleswigs Museen 1920 auf Basis aus deutscher Zeit

Apenrade/Aabenraa
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Der Mitbegründer des Museums in Sonderburg, Jens Raben (1880-1960), hat diesen Sonderburger Notgeldschein im November 1919 gestaltet. Der vielseitig begabte Raben sorgte maßgeblich dafür, dass das historische Bauwerk, das damals leer stand und dem Augustenburger Herzog Ernst Günther gehörte, kurze Zeit später Sitz des Sonderburger Museums wurde. Foto: Museum Sønderjylland

Die historische Zeitschrift „Sønderjysk Månedsskrift“ stellt die Entwicklung der Museen in Nordschleswig seit der Angliederung des Landesteils an Dänemark vor. Der seit 1905 zunächst ehrenamtliche Leiter des Museums Hadersleben, Christian Lund, schlug bereits 1920 eine „Arbeitsteilung“ der Museen in den vier größeren Städten vor.

Die Vereinigung, „Genforeningen“, Nordschleswigs mit Dänemark nach der Volksabstimmung 1920 brachte auch einschneidende Veränderungen für die Museumslandschaft im Landesteil. Aufbauen konnte man auf eine Reihe von Museen, die bereits während der Zeit Nordschleswigs als Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein (1867-1920) gegründet worden sind.

Einblick in Museumsgeschichte

Lennart Madsen, leitender Mitarbeiter des Museumsverbundes Museum Sønderjylland, liefert in der jüngsten Ausgabe der historischen Zeitschrift „Sønderjysk Månedsskrift, des historischen Vereins, „Historisk Samfund for Sønderjylland“, einen interessanten Einblick in die Museumspolitik seit dem Übergang Nordschleswigs in das dänische Staatswesen.

Geschichte Teil des nationalen Ringens

Er erinnert daran, dass bereits in der Zeit nach dem Ersten Schleswigschen Krieg, dessen Ausgang den Verbleib Schleswigs und Holsteins bei Dänemark zunächst sicherte, seit 1852 eine Art Filiale des dänischen Nationalmuseums unter Leitung Conrad Engelhardts als Gegengewicht zum 1835 errichteten „Museum für Vaterländische Alterthümer“ in Kiel eingerichtet wurde, das in den nachfolgenden Jahren unter Einfluss der auf Autonomie Schleswig-Holsteins drängenden Kreise geraten war. Madsen deutet damit an, dass die Museumswelt mit der Art der dort ausgestellten Gegenstände und der Ausrichtung auch eine wichtige Rolle im nationalen Ringen im einstigen Herzogtum Schleswig spielte. Lennart Madsen berichtet in seinem Beitrag, dass das „Nationalmuseum bereit war, ‘Sønderjylland‘ in das dänische Museumswesen zu integrieren, von dem Augenblick an, an dem die ‘Genforening‘ Realität war.

Nordschleswiger leitete Nationalmuseum in Kopenhagen

Madsen erinnert in diesem Zusammenhang an das Wirken des Historikers Mouritz Mackeprang (1859-1959), der geboren in Kiding bei Gravenstein, seit 1910 die Abteilung Mittelalter im Nationalmuseum in Kopenhagen leitete und von 1922 bis 1938 Direktor des Nationalmuseums war.

Im Jahre 1915 wurde bereits das Haderslebener Museum eröffnet. Das Foto zeigt das Gebäude in diesem jahr kurz vor der Eröffnung. Foto: Museum Sønderjylland

Mackeprang leitete lange Zeit die Herausgabe der historischen Jahresschrift „Sønderjyske Årbøger“ und zählte zu den Mitbegründern der „Historisk Samfund for Sønderjylland“. Er hatte maßgeblichen Anteil an dem Ausbau und der Neueröffnug der Museen, die heute noch wichtige Einrichtungen sind, um die Geschichte und Kultur Nordschleswigs zu vermitteln. Dazu zählt die Einrichtung des Sonderburger Schlosses zum Museum und die Einrichtung der Museen in Tondern und Apenrade.

Madsen weist darauf hin, dass die Museumslandschaft Nordschleswig bereits vor dem Ersten Weltkrieg wichtige Impulse erhielt. Wie in Dänemark hatte in Deutschland in der Zeit der immer stärkeren Industrialisierung und Modernisierung der Gesellschaften das Interesse an der Bewahrung historischer Gegenstände zugenommen.

In Schleswig-Holstein war dieser Trend mit der Heimatschutzbewegung verknüpft. Bereits 1887 wurden Museen in Hadersleben und Apenrade gegründet. Das 1876 in Flensburg gegründete Kunstgewerbemuseum war auch für das heutige Nordschleswig zuständig. Es wird berichtet, dass deutsche und dänische Bürger die Museumsgründungen förderten. In Hadersleben war man bemüht, archäologische Funde am Ort zu behalten.

Museumsleiter amtierten über 1920 hinaus

Interessant ist, dass die bereits seit deutscher Zeit amtierenden Museumsleiter wie Christian Madsen Lund (1869-1941) oder der Jens Raben (1880-1960) nach 1920 weiter wirken konnten. Raben war u. a. als Mitarbeiter der „Sonderburger Zeitung“ tätig gewesen. Man erfährt auch, dass der Haderslebener Tierarzt J. P. Schmidt eine Sammlung von archäologischen Fundstücken an das Nationalmuseum in Kopenhagen verkaufte. In den folgenden Jahren aber eine neue Sammlung anlegte, die im örtlichen Museum Aufnahme fand. Der Artikel ist mit vielen interessanten Fotos illustriert und liefert viele Passagen, die zeigen, dass sich auch in der heutigen Museumslandschaft in Nordschleswig die historischen Ereignisse von 1920 widerspiegeln. Das Heft kann bei Historisk Samfund for Sønderjylland hssdj@hssdj.dk oder unter Tel. 74624683 bezogen werden.

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