Umwelt und Natur

Gegen Wildschweinezaun – aber nicht gemeinsam

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Apenrade/Kopenhagen
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So soll der Vieldiskutierte aussehen: ein beschichteter, grauer Metallgitterzaun (hier grüne Variante) bis 1,50 Meter hoch Foto: Helge Möller

WWF und Naturfredningsforening klagen mit unterschiedlichen Argumenten bei der EU gegen den Wildschweinzaun.

Zwei große Naturverbände, der WWF und Danmarks Naturfredningsforening, klagen bei der EU in Brüssel gegen den Wildschweinzaun an der deutsch-dänischen Landesgrenze. Sie tun dies aber nicht gemeinsam, denn sie haben unterschiedliche Argumente dafür, weshalb sie der EU-Kommission raten, einzugreifen und das Grenzprojekt der Folketingsmehrheit zu stoppen.

Das Webmedium Altinget schreibt, dass der WWF eine genaue Analyse dessen fordert, ob ein solcher Grenzzaun überhaupt Wirkung zeigen würde. Das sei laut des World Wildlife Fund in keinster Weise ordentlich untersucht worden. „Die Beurteilung der Behörden ist politische Bestellungsarbeit und unsachlich. Man verweist nur auf eigene Experten der Naturbehörde aber nicht auf internationale Literatur, die unser Fazit unterstützt, dass der Zaun auf Kosten geschützter Tiere und Natur errichtet wird“, so WWF-Seniorbiologe Thor Hjarsen laut Altinget.

Der Naturschutzbund DN meint dahingegen, dass die Naturbehörde gründlich untersucht hat, ob und welche Wirkung der Zaun haben wird. „Trotzdem stehen wir dem Zaun sehr kritisch gegenüber. Denn jeder mit einem zertrümmerten Glasauge kann erkennen, dass eine Barriere entlang der ganzen Grenze das Problem der afrikanischen Schweinepest nicht löst. Aber die Naturbehörde hat ihre Arbeit gemacht. Daher müssen wir andere Wege gehen im Kampf, um den Zaun zu stoppen“, Bo Håkansson, naturpolitischer Seniorberater bei DN. Der 1,5 Meter hohe Wildschweinzaun kostet 80 Millionen Kronen und soll 70 Kilometer lang werden – und in einem Jahr fertig sein. Nach einer Anhörung, wo knapp 30 Einwände kamen, hat die Umweltbehörde „Miljøstyrelsen“ das Projekt vor drei Wochen gutgeheißen.

Professor Peter Pagh, einer der führenden dänischen Experten für Umweltrecht, meint, dass die Umweltbehörde auf mangelhafter Grundlage und daher problematisch agiert habe: „Alle Argumente, die man ins Feld führt, sind schon früher von EU-Gerichtshof abgewiesen worden. Daher stimme ich mit dem WWF überein, dass man auf dieser Grundlage keine Genehmigung erteilen kann.“

Der Vizedirektor von „Miljøstyrelsen“, Lars Møller Christiansen, weist gegenüber Jyllands Posten die Kritik zurück. Man habe bei der Fertigung der Genehmigung sehr gründlich gearbeitet:
„Nach unserer Auffassung beruht sie auf einer soliden fachlichen Grundlage.“

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