Landwirtschaft

LHN-Vorsitzender: „Wichtig, dass man sich vorab einig ist“

LHN-Vorsitzender: „Wichtig, dass man sich vorab einig ist“

LHN-Vorsitzender: „Wichtig, dass man sich vorab einig ist“

Nordschleswig
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„Wenn man als ausländischer Praktikant ein Problem hat, dann ist 3F eine gute Alternative, aber persönlich möchte ich nicht, dass es da endet. Ich möchte, dass man sich vorher einig wird“, meint der LHN-Vorsitzende Christian Kock. (Archivfoto) Foto: Paul Sehstedt

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Die Gewerkschaft 3F möchte die rechtliche Stellung ausländischer Praktikanten in der Landwirtschaft verbessern. Im Interview bezieht der LHN-Vorsitzende Christian Kock Stellung dazu, was aus seiner Sicht wichtig ist, damit Pflichtversäumnisse gegenüber ausländischen Praktikanten erst gar nicht entstehen.

Der Landwirtschaftliche Hauptverein für Nordschleswig, LHN, vertritt Landwirte in Nordschleswig. „Der Nordschleswiger“ hat mit dem Vorsitzenden Christian Kock über die Frage gesprochen, wie der LHN sich zu der Forderung der Gewerkschaft 3F positioniert, ausländischen Praktikantinnen und Praktikanten bessere rechtliche Rahmenbedingungen zu geben.

Ausländische Praktikanten können sich nicht an die Schlichtungsstelle wenden und eventuelle Beschwerden gegen ihre Arbeitgeber in Dänemark behandeln lassen. Die Gewerkschaft 3F möchte die Regeln so ändern, dass dies möglich wird. Wie steht der LHN dazu?

Natürlich muss man seine Angestellten ordentlich behandeln. Entscheidend ist, dass man sich beim Anstellungsgespräch genau einigt, wie viel Lohn man bekommt, wie es mit Mehrarbeit aussieht und aus welchen Aufgaben die Arbeit eigentlich besteht. Ich denke, dass hier ein Problem bestehen kann, wenn man beispielsweise Leute aus der Ukraine oder Russland anstellt. Die werden einem oft über eine externe Agentur vermittelt. Damit sind es nicht die Landwirte, die sie anstellen, sondern eine externe Firma, die Arbeitskräfte für die Landwirte findet. Und manchmal erzählen die Agenturen nicht die ganze Wahrheit.

Wie könnte es besser laufen?

Wenn ich jemanden anstelle, dann habe ich ein Bewerbungsgespräch auf meinem Hof. Das ist natürlich schwierig, wenn die Bewerberinnen und Bewerber noch in ihren Heimatländern sind und erst noch nach Dänemark kommen müssen. Aber wenn sie von außerhalb der EU kommen, können sie erst dann in die EU einreisen, wenn sie auch einen Arbeitsvertrag haben.

Die Problematik, dass ausländische Praktikanten von Rechten ausgeschlossen sind, existiert seit etwa 40 Jahren. Benötigen sie die Möglichkeit eines Klageweges?

Ich bin in der Kristelig Arbejdsgiverforening (KA) organisiert. Mit denen habe ich einen Tarifvertrag gemacht für meine Angestellten, und dann gehen wir alles durch, wie zum Beispiel den Mindestlohn und die Arbeitsaufgaben.

Manchmal habe ich Fälle, bei denen ich und meine Angestellten uns nicht einig sind, aber das betrifft vor allem die, die zum ersten Mal kommen. Die dänische Landwirtschaft kann manchmal ein Kulturschock sein für Leute, die nicht so gut über Landwirtschaft Bescheid wissen oder von außerhalb der EU kommen. Wenn man Kühe hat, ist man von morgens um 4 Uhr an im Gange, und dann melken wir auch noch mal abends um 19 Uhr, und das jeden Tag, auch am Wochenende. Du kannst Leuten zwar erzählen, wie es ist, aber wenn sie kommen, dann wird ihnen erst klar, wie es eigentlich ist. Aber das Wichtigste ist ja, dass alle Landwirte ihre Angestellten ordentlich behandeln. So kriegt man die besten Angestellten.

Selbst wenn es formale Rechte gibt, können diese in der Praxis nicht immer ausgeschöpft werden. Gibt es Nachbesserungsbedarf, sodass sich ausländische Praktikanten besser Gehör verschaffen können, und wie sollte das gegebenenfalls aussehen?

So wie es derzeit ist, ist es gut. Wenn sich alle an die Regeln halten. Das Problem ist immer, wenn da ein schwarzes Schaf ist, das glaubt, die Angestellten betrügen zu können. Das ist aber nicht ein Problem für die Landwirtschaft, das ist einer von Tausend, der ein Problem damit hat.

Es ist aber auch so, dass, wenn man jemanden beispielsweise aus der Ukraine oder Russland hat, dann kommen die, um zu arbeiten und nicht, um zu lernen und Landwirtschaft zu studieren. Man kann die nicht richtig vergleichen mit den dänischen Angestellten, die eine Ausbildung machen. Wichtig ist, dass man alle ordentlich behandelt, aber es gibt immer welche, die es nicht tun.

Gibt es denn einen Bedarf für eine rechtliche Änderung?

Es geht eher darum, dass man sich einig darüber ist, wie das Arbeitsverhältnis aussieht, bevor sie hierherkommen, dass sie alles wissen. Die dänischen Steuern sind hoch, und es ist teuer, hier zu leben. Die meisten wissen das, bevor sie kommen. Man muss mit offenen Karten spielen. Wenn man eine ordentliche Absprache hat, dann ist das auch kein großes Problem.

Manchmal ist das auch ein Problem mit den dänischen Angestellten. Die sehen nur den Trecker, sie sollen aber im Stall arbeiten. Das ist manchmal die Herausforderung, dass man genau erklärt, was Leute machen sollen. Landwirtschaft kann auch schwierig sein.

Heute kommen viele nicht mehr von einem Landwirtschaftsbetrieb, sondern weil sie Interesse daran haben, aber dann müssen sie bei null anfangen. Die Landwirte haben manchmal sehr hohe Erwartungen, aber das ist natürlich schwierig, wenn die Praktikanten noch nie eine Kuh gesehen haben. Aber so wird es in der Zukunft sein. Die Nachfrage nach guten Leuten steigt überall, nicht nur in der Landwirtschaft. Im LHN haben wir viel darüber geredet.

Besteht eine Möglichkeit vielleicht darin, bei den Vermittlungsagenturen anzusetzen und dafür zu sorgen, dass dort für eine bessere Klärung der Erwartungen gesorgt wird?

Vielleicht kann man in der Landwirtschaft mal zusammen reden, welche Agenturen eigentlich okay sind. Es gibt schwarze Schafe unter den Landwirten, aber auch bei den Agenturen. Mich schreiben manchmal auch Agenturen an oder rufen mich an, aber die brauche ich nicht. Ich mag es nicht, wenn man mir eine Kartei mit 20 Namen schickt, und dann kannst du auswählen, wen du haben willst, das finde ich nicht in Ordnung.

Wenn man als ausländischer Praktikant ein Problem hat, dann ist 3F eine gute Alternative, aber persönlich möchte ich nicht, dass es da endet. Ich möchte, dass man sich vorher einig wird.

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