Umwelt und Natur

Weitere staatliche Forste werden zu Urwäldern

Weitere staatliche Forste werden zu Urwäldern

Weitere staatliche Forste werden zu Urwäldern

Kopenhagen/Apenrade
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Der Bollerslebener Wald wird von der staatlichen dänischen Naturbehörde als Urwald „gepflegt“. Als früherer Bauernwald war er nur extensiv bewirtschaftet worden, weshalb dort seltene Tiere wie der Bergmolch oder auch andernorts ausgestorbene Orchideen überleben konnten. Foto: Volker Heesch

Die dänische Umweltministerin Lea Wermelin (Soz.) kündigt 20 Millionen Kronen Fördermittel für zusätzlich 8.000 Hektar unberührte Natur an. Die dänische Initiative liegt auf einer Linie mit Empfehlungen der EU-Umweltagentur.

Die EU-Umweltagentur hat Dänemark gerade bescheinigt, dass im EU-Vergleich im Königreich besonders wenig Flächen als Naturschutzgebiete im Rahmen des gemeinsamen Natura-2000-Schutzkonzeptes ausgewiesen sind. Dagegen will die neue Regierung etwas unternehmen, so Umweltministerin Lea Wermelin.

Staatliche Urwälder

Sie hat angekündigt, dass weitere staatliche Forste in Dänemark sich in Urwälder verwandeln werden. Wo abgestorbene Bäume liegen bleiben und sich die natürliche Pflanzenwelt ausbreiten kann, herrscht nach Angaben der Ministerin die größte Artenvielfalt.

20 Millionen Kronen für neues Programm

Es werden 20 Millionen Kronen zur Verfügung gestellt, um die Urwaldbildung zu fördern. „Mit dem Staatshaushalt 2020 unternehmen wir einen ersten Schritt zu mehr unberührtem Urwald“, sagte die Ministerin bei der Vorstellung der Naturschutzinitiative. „Wir geben vielen wilden Pflanzen und Tieren einen Freiraum, in dem sie sich unter natürlichen Verhältnissen entwickeln können“, fügte die Ministerin hinzu.

Wo neue Urwälder entstehen, ist nicht festgelegt

Wo künftig die Motorsäge und Forsttechnik verschwinden, steht noch nicht fest. Die 16.600 Hektar Staatswald, die landesweit als Urwald ausgewiesen worden sind, sollen um rund 8.000 Hektar erweitert werden. Auch in Nordschleswig könnte es Zuwachs geben, so war der Drawitter Wald vor Jahren schon erweitert worden. Dort entwickeln sich frühere Ackerflächen zur Wildnis. Angrenzend gibt es mit dem renaturierten Kongsmoor (Kongens Mose) eine weitere Naturperle, in der sich Kraniche angesiedelt haben.

Nordschleswig Urwaldland

In Nordschleswig sind der Drawitter Wald und der Bollerslebener und Uker Wald schon seit Jahren als Urwälder aus der Bewirtschaftung genommen.

Im Bollerslebener Wald liegt viel Totholz. Der sehr feuchte Wald ist deshalb auch attraktiv für die Vogelwelt, die sich von Insektenlarven ernähren, die in abgestorbenem Holz leben. Foto: Volker Heesch

Allerdings waren diese Wälder schon immer im naturnahen Zustand und deshalb bei Biologen schon lange als Schatzkammer seltener Pflanzen und Tiere bekannt. Die neuen Urwälder werden über 10 bis 50 Jahre „verwildern“.

Ein Sechstel der Wälder staatlich

Landesweit gibt es in Dänemark 627.000 Hektar Wald, von diesen sind 107.000 in staatlichem Besitz. Viele dänische Wälder sind relativ jung.

Viele Nadelholz-Monokulturen

Sie waren beispielsweise bei der „Kultivierung“ von Mooren und Heiden bepflanzt worden, oft als Nadelholz-Monokulturen, die rasch Ertrag abwerfen sollten. Diese haben sich in den vergangenen Jahren aber auch als gefährdet bei Stürmen gezeigt – mit viel Bruchholz. Lea Wermelin weist darauf hin, dass auch die Urwälder für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

Neben der staatlichen Naturbehörde Naturstyrelsen hat die Naturstiftung „Den Danske Naturfond“ in Nordschleswig ein Urwaldprojekt im Kollunder Wald eingeleitet. Die Urwälder sind auch in der Klimapolitik interessant, denn in ihnen wird in Form von Biomasse viel Kohlendioxid „aus dem Verkehr gezogen“.

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