Region Süddänemark

Strahlenbehandlung: Erneute Abfuhr in Vejle

Strahlenbehandlung: Erneute Abfuhr in Vejle

Strahlenbehandlung: Erneute Abfuhr in Vejle

Vejle
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Foto: Jens Dige/Ritzau Scanpix

Trotz 1.200 Unterschriften: Neuerliche Aussagen im Regionsrat zeigen, dass der Zug für grenzüberschreitende Krebstherapie wohl vorerst abgefahren ist. Doch die SP will weiter kämpfen.

„Ich bin enttäuscht, gerade von denen, die im Regionsrat sitzen und aus Nordschleswig kommen“, so das Fazit von Gösta Toft, nachdem am Montag im Rahmen der Fragestunde im Regionsrat in Vejle auf Fragen Tofts zur grenzüberschreitenden Strahlentherapie erneut abschlägig reagiert wurde.

Der ehemalige Spitzenkandidat der Schleswigschen Partei (SP), die es bei der vergangenen Wahl nicht in den Regionsrat schaffte, hatte von den Politikern unter anderem wissen wollen, warum die Möglichkeit der Strahlenbehandlung für Krebspatienten aus dem grenznahen Dänemark nicht wieder eingeführt wird, wo doch das „nahe Gesundheitswesen“ als Pfeiler der Politik der Region genannt wird.

Es sei unverständlich, so Toft, dass viele schwer kranke Patienten, die schnell in Flensburg wären, für die kurzen Behandlungen stundenlange Fahrten nach Vejle auf sich nehmen müssen. 1.200 Unterschriften für die Wiederaufnahme der Behandlungsmöglichkeit in Flensburg habe die SP binnen nur einer Woche bereits gesammelt, so Toft, der mit vielen weiteren Unterschriften rechnet. Doch die Politiker zeigten sich weitgehend unbeeindruckt.

„Es gibt eine Mehrheit für diesen Beschluss“, so Regionsratschefin Stephanie Lose (Venstre), die erneut auf das seit 2016 vorgebrachte Prinzip der deutsch-dänischen Gegenseitigkeit verwies und darauf, dass die deutschen Krankenkassen keinen Bedarf sähen, ihrerseits Patienten zur Behandlung nach Dänemark zu schicken.

Auslastung statt Nähe

Poul-Erik Svendsen, sozialdemokratischer Vorsitzender des Gesundheitsausschusses, argumentierte: „Wir hätten die Spezialkrankenhäuser nicht, wenn es nicht ein bestimmtes Volumen an Patienten gäbe. Wenn es freie Kapazitäten gibt, sollten wir das in unseren Krankenhäusern nutzen, anstatt die Struktur auszuhöhlen.“ Toft nimmt diese Äußerung enttäuscht zur Kenntnis – will aber nicht aufgeben.

„Die Mehrheit hat nicht verstanden, was hinter dem Prinzip der Nähe liegt“, sagt er und wundert sich, dass es am Montag nach seiner Anfrage im Regionsrat immer wieder um Dezentralisierungsmaßnahmen ging – „aber sobald es über die Grenze geht, vergessen sie das!“.

Dass dem nicht so sei, versuchte Dänemarks ehemaliger Außenminister Villy Søvndal von der Sozialistischen Volkspartei zu vermitteln, als er sagte: „Es besteht nicht der Wunsch, die Grenze zu schließen, sondern die Zusammenarbeit auszubauen.“

Doch dafür sieht Toft keinerlei Anzeichen, auch nicht in den Beispielen, die Lose mit grenzüberschreitenden Rettungswagen-Einsätzen, Hubschraubern und Übungen brachte. „Außerhalb der Rettungskräfte gibt es doch gar nichts Grenzüberschreitendes, man erkennt das Potenzial nicht“, so Toft.

Der Bevölkerung eine Wahl geben

Wie Thies Matthiasen (Dänische Volkspartei), der die Entscheidung „sehr bedauerlich“ findet, will er nun darauf hinwirken, dass die deutschen Krankenkassen sich bereiterklären, zur aus Süddänemark geforderten Gegenseitigkeit beizutragen und dass sie Angebote in Dänemark, etwa aus den Bereichen Orthopädie, Gicht und Hörklinik, auf ihre Liste setzen.

Damit wäre der Wunsch der Mehrheit der Politiker im Regionsrat erfüllt, dass auch deutsche Patienten nach Dänemark kommen. Auch wenn Toft dieses Argument kleinlich findet, will er sich nun danach richten. Denn er sieht es wie Vibeke Syppli Enrum von der Einheitsliste, die hinter dem SP-Vorhaben steht: „Für uns ist es wichtig, der Bevölkerung eine Wahl zu geben.“

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