Grenzland

Minister zum Wildschweinzaun: „Kein hundertprozentiger Schutz“

Minister zum Wildschweinzaun: „Kein hundertprozentiger Schutz“

Minister zum Wildschweinzaun: „Kein hundertprozentiger Schutz“

Kopenhagen/Apenrade
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Wildschweine nehmen nicht immer den Landweg. Foto: imago/Volker Lautenbach/shz.de

Der geplante Schutzzaun sei zwar kein hundertprozentiger Schutz, aber eine starke und dringend nötige Unterstützung im Einsatz gegen die Ausrottung der Wildschweine im Land: Minister Esben Lunde Larsen (Venstre) hat am Montag kritische Fragen zum geplanten Grenzzaun beantwortet.

Gibt es eingebaute Pforten? Was tun mit schwimmfreudigen Wildschweinen? Warum keinen Zaun am Nordostsee-Kanal zusammen mit deutschen Behörden bauen und was kostet die Instandhaltung des Zaunes pro Jahr? Umwelt- und Lebensmittelminister Esben Lunde Larsen (Venstre) hat am Montag mehrere Fragen zum geplanten Wildschweinzaun beantwortet. Die Fragen hatte die Einheitslisten-Politikerin Maria Reumert Gjerding gestellt.

Die Antworten des Ministers machen deutlich: Der Zaun wird keinen hundertprozentigen Schutz vor Wildschweinen und somit der Afrikanischen Schweinepest bieten. Vielmehr soll er einen größtmöglichen Anteil an Tieren abhalten und den Jägern helfen, Tiere besser abschießen zu können.

„Der Zaun begrenzt aber die Anzahl an Wildschweinen“

So antwortet der Minister auf die Frage, wie man die Wildschweine an den zumeist unbewachten Straßenübergängen entlang der Grenze abhalten will: „Es kann nicht sichergestellt werden, dass keine Wildschweine die deutsch-dänische Grenze an jenen Stellen passieren, die ohne Zaun verbleiben. Der Zaun begrenzt aber die Anzahl an Wildschweinen, die von Süden her nach Dänemark kommen und es wird daher einfacher, die Wildschweine in Dänemark auszurotten. Dieser Einsatz zur Ausrottung geschieht in enger Zusammenarbeit mit Jägern und der Naturbehörde“, so Esben Lunde Larsen.

Und wie verhält sich der Minister zur Tatsache, dass Wildschweine ausgezeichnete Schwimmer sind und die Flensburger Förde als Transitstrecke nutzen können? Er habe diese Frage der Lebensmittelbehörde vorgelegt und folgende Informationen dazu erhalten, so der Minister. „Es gibt keine Pläne, an der Flensburger Förde eine Wildschwein-Absperrung zu installieren. Die Einschätzung ist, dass nur eine geringe Anzahl an Wildschweinen herüberschwimmen werden.“

Esben Lunde Larsen
Esben Lunde Larsen Foto: Sarah Christine Nørgaard/Ritzau Scanpix

Antwort an Popp: Lilleholt will gesamteuropäischen Einsatz – aber nationalen Zaun

In einer ihrer Fragen bezieht sich Politikerin Reumert Gjerding direkt auf Aussagen des Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN), Jørgen Popp Petersen. Der Minister möge die Aussagen von Popp Petersen kommentieren, der es für weitaus sinnvoller hält, durch eine Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden eine Bekämpfung der Wildschweine am Nordostsee-Kanal in die Wege zu leiten, als einen Zaun an der Grenze zu bauen.

Der Minister geht auf den Vorschlag nicht konkret ein, verteidigt den nationalen Einsatz und ruft die internationale Gemeinschaft zum gemeinsamen Handeln auf. „Der nationale Einsatz kann nicht alleine stehen. Ich wünsche mit ebenfalls, den gesamteuropäischen Einsatz zur Ausrottung der Afrikanischen Schweinepest zu stärken“, so der Minister.

Er habe auf einem Ratstreffen Mitte April vorgeschlagen, eine internationale Expertengruppe einzuberufen, die einen langfristigen Plan zur Bekämpfung der Seuche innerhalb der EU erarbeitet. Zudem müsste den bereits von der Schweinepest befallenen Mitgliedsstaaten der EU finanziell geholfen werden, um die Krankheit zu bekämpfen.

Der Schutz der eigenen Bestände im Land bleibe aber bis auf weiteres zunächst einmal eine nationale Angelegenheit, so Lunde Larsen. „Wenn wir in Dänemark die Afrikanische Schweinepest kriegen, wird der Export in alle Länder außerhalb der EU eingestellt. Dieses Risiko wollen wir in Dänemark nicht eingehen und daher haben Regierung und Dänische Volkspartei die Absprache getroffen, um das zu verhindern.“

Jedes Jahr kommen Millionenkosten auf den Steuerzahler zu

Die Instandhaltungskosten des Zauns betragen pro Jahr mehrere Millionen Kronen. „2019 werden erwartungsgemäß 3,5 Millionen Kronen für Wartung und Instandhaltung abgesetzt und anschließend 4,5 Millionen Kronen jährlich“, so der Minister. Die Verantwortung für regelmäßige Inspektionen trage die Naturbehörde.

Aus den Antworten des Ministers geht des Weiteren hervor, dass der Zaun „nicht konsequent direkt entlang des Grenzverlaufes“ aufgestellt werde. Bei der Festlegung der Linienführung seien eine Reihe von lokalen Gegebenheiten und Herausforderungen zu berücksichtigen. „Das kann bedeuten, dass die schlussendliche Linienführung von der der Grenze abweichen kann“. Das gelte beispielsweise bei bebauten Stellen, querlaufenden Wegen, Wasserläufen, Windkraftanlagen, Bahnschienen oder sumpfigen Bereichen.

Menschen kommen weiter vielerorts über die Grenze

Trotz des Zaunes soll es für Personen weiterhin möglich sein, die grüne Grenze zu überschreiten, der Zaun werde weder mit Stacheldraht noch mit Strom ausgestattet. Zudem würden Pforten und Übertritte an jenen Pfaden eingebaut, die über die Grenze führen. Eine genaue Platzierung dieser Übertritte stünde ebenso wie die endgültige Streckenführung des Zaunes noch nicht fest, so Lunde Larsen.

Jørgen Popp Petersen
Jørgen Popp Petersen Foto: Karin Riggelsen

Popp: Über den Verlauf des Zaunes offenbar klüger geworden

Der Vorsitzende des LHN hat sich die Antworten des Ministers am Montag durchgelesen. „Was den Verlauf des Zaunes angeht, da ist man doch offensichtlich ein Bisschen klüger geworden“, so Jørgen Popp Petersen mit Blick auf jenes Infotreffen mit dem Minister Anfang April in Tondern, als man über die Platzierung des Zaunes direkt auf dem Grenzverlauf diskutiert und Bedenken geäußert hatte.

Dass der Minister eine europaweite Initiative gegen die Afrikanische Schweinepest initiiert, sei nicht nur begrüßenswert sondern längst überfällig. Schließlich wüte die Krankheit seit Jahren, während die EU Handlungspläne weiter schuldig bleibe. „Ja, es dauert lange, bis auf europäischer Ebene tatsächlich etwas passiert. Aber man muss doch anfangen, jeder Tag zählt. Daher ist es gut, wenn Lunde Larsen das anschiebt“, so Jørgen Popp Petersen.

Zeitpunkt noch nicht gekommen, meint der LHN-Chef

Der LHN-Vorsitzende befürwortet weiterhin, dass man Pläne für einen Zaun ausarbeitet. Mit der tatsächlichen Umsetzung, sprich dem Bau, sollte man aber noch warten, bis es tatsächlich zu einem Fall von Schweinepest in Deutschland kommt. „Wenn wir den Zaun bauen, solange wir auf der niedrigsten Alarm-Stufe stehen, so wie es jetzt der Fall ist, dann stellt sich doch die Frage, was wir tun, wenn die Schweinepest dann tatsächlich in Deutschland ausbricht“, so Petersen mit Blick auf die Signalwirkung, die der Zaunbau auf Exportkunden außerhalb der EU hätte.

Zudem stelle sich ihm weiterhin die Frage, wann der Zaun denn wieder entsorgt wird. „Wenn wir den Zaun bauen, solange wir auf dieser niedrigsten Warnstufe stehen, wann bauen wir ihn denn dann wieder ab?“ so Petersen. „Dann hätte es diesen Zaun ja eigentlich schon seit elf Jahren geben müssen, denn seitdem verbreitet sich die Krankheit in Osteuropa.“

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