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Negativzinsen: Ökonomen fürchten um finanzielles Sicherheitsnetz

Ökonomen fürchten um finanzielles Sicherheitsnetz

Ökonomen fürchten um finanzielles Sicherheitsnetz

Ritzau/nb
Kopenhagen
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Nordea und Danske Bank haben vor kurzem angekündigt, die Grenze, ab der man einen Negativzins von 0,6 Prozent auf Guthaben zahlen muss, von 250.000 auf 100.000 Kronen zu senken. Foto: Nikolaj Skydsgaard/Reuters

Die meisten Banken haben angekündigt, demnächst bereits ab einem Guthaben von 100.000 Kronen Negativzinsen zu erheben. Ein Gespräch von Wirtschaftsminister Simon Kollerup (Soz.) mit dem Branchenverband Finans Danmark endete ergebnislos. Ökonomen warnen nun vor negativen Folgen für den Sparwillen in der Bevölkerung.

Immer mehr Menschen in Dänemark werden von Negativzinsen betroffen. Diese Entwicklung kann nach Auffassung einer Reihe von Verhaltensexperten zu nachteiligen Konsequenzen führen, wie Jyllands-Posten und Finans berichten.

Die Negativzinsen können mehr und mehr Menschen dazu veranlassen, in Zukunft kein finanzielles Sicherheitsnetz in Form von Ersparnissen auf der Bank oder eines Haushaltskontos mehr zu haben.

Risiko für schwindenden Sparwillen

Kasper Meisner Nielsen, Professor an der Copenhagen Business School, sieht das Risiko eines grundsätzlich geänderten Sparwillens in der Bevölkerung, wenn die Banken weiterhin die Grenze senken, ab der Negativzinsen auf Geldeinlagen gezahlt werden müssen.

„Weshalb sollte man noch der Empfehlung der Banken Folge leisten, ein finanzielles Sicherheitsnetz in Form von Spareinlagen in einer Höhe zu haben, die drei Monatslöhnen entspricht, wenn dies lediglich zu Einnahmen auf Seiten der Bank führt?

Weshalb sollte man noch der Empfehlung der Banken Folge leisten, ein finanzielles Sicherheitsnetz in Form von Spareinlagen in einer Höhe zu haben, die drei Monatslöhnen entspricht, wenn dies lediglich zu Einnahmen auf Seiten der Bank führt?

Kasper Meisner Nielsen, Professor an der Copenhagen Business School

Furcht vor Geldflucht

Professor Steffen Andersen, der in den Finanzentscheidungen von Privathaushalten forscht, warnt davor, dass einige ihr Geld aus der Bank abziehen werden und es stattdessen zu Hause aufbewahren.

Die meisten Banken, einschließlich der Großbanken, haben die Grenze, ab der Kunden Negativzinsen zahlen müssen, auf 100.000 Kronen gesenkt.

Derzeit 33 Prozent der Menschen von Negativzinsen betroffen

Dies betrifft 33 Prozent aller Erwachsenen oder 1,47 Millionen Menschen in Dänemark, wie Berechnungen von Danmarks Statistik zeigen.

Würde die Grenze weiter gesenkt werden, beispielsweise auf 50.000 Kronen, wäre jeder zweite in Dänemark oder gut 2,2 Millionen Menschen betroffen.

Weitere Absenkung der Grenze befürchtet

Marlene Nørgaard Carolus, Direktorin von Mybanker, erwartet, dass mehr Personen von Negativzinsen betroffen werden.

„Die Banken lagern ihr Geld für Minus 0,5 Prozent bei der Nationalbank. Die Rechnung dafür schicken sie an ihre Kunden weiter, und das werden sie auch weiterhin tun. Ich kann mir gar nichts anderes vorstellen, als dass die erste Bank schon bald die Grenze auf 50.000 oder 75.000 Kronen absenken wird“, sagt Marlene Nørgaard Carolus gegenüber Jyllands-Posten.

Ich kann mir gar nichts anderes vorstellen, als dass die erste Bank schon bald die Grenze auf 50.000 oder 75.000 Kronen absenken wird.

Marlene Nørgaard Carolus, Direktorin von Mybanker

Treffen zwischen Wirtschaftsminister und Branchenorganisation ergebnislos

Wirtschaftsminister Simon Kollerup (Soz.) hatte die Branchenorganisation Finans Danmark am Donnerstag zu einem Treffen eingeladen, bei dem er die Banken aufforderte, keine Negativzinsen mehr von ihren Kunden zu verlangen.

Doch diese Forderung stieß bei Finans Danmark auf Ablehnung.

„Es liegt nicht im Interesse der Gesellschaft oder der Kunden, dass sich die Politik in die Preisgestaltung einmischt – und wir müssen unsere Ablehnung jetzt kundtun“, sagt der Direktor von Finans Danmark, Ulrik Nødgaard.

Finans Danmark hält die Einmischung vonseiten des Ministers für falsch, da dies die Robustheit des Finanzsektors beschädigen könnte.

„Es ist grundsätzlich verkehrt. Man sieht ja auch nicht, dass sich Politiker in andere große, wesentliche Preise in anderen Branchen einmischen“ sagt Ulrik Nødgaard.

Er verweist darauf, dass die Ware, also die Guthaben, unter dem Einkaufspreis verkauft werden.

Minister hält an Forderung fest

Wirtschaftsminister Simon Kollerup hält nach dem Treffen daran fest, dass die Grenze für weitere Absenkungen erreicht sei und verweist darauf, dass die Banken den Betrag, ab dem die Banken Negativzinsen auf Guthaben erheben, schrittweise von 750.000 Kronen auf jetzt 100.000 Kronen gesenkt haben.

Negativzinsen

Der Zinssatz auf Einlagen wird von der jeweiligen Bank festgelegt. Er orientiert sich jedoch am Zinssatz der Nationalbank. Dort beträgt er derzeit Minus 0,50 Prozent.

Das bedeutet, dass die Banken für ihre Geldeinlagen, die wiederum von deren Privat- und Geschäftskunden kommen, bei der Nationalbank Zinsen zahlen müssen.

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