Umweltschutz

Neuer Verdacht: Grindsted-Bürger werden wieder untersucht

Neuer Verdacht: Grindsted-Bürger wieder untersucht

Neuer Verdacht: Grindsted-Bürger wieder untersucht

Grindsted/Vejle
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Die Grindsteder Å ist bereits seit Jahrzehnten aufgrund starker Verunreinigung im Blickpunkt von Bürgern und Politik. Es wird immer noch an Konzepten gearbeitet, vergiftetes Grundwasser zu reinigen, das vom Firmengelände des „Grindstedværket" in den Wasserlauf gelangt. Foto: JydskeVestkysten/Henrik Reintoft

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Mehrere Fälle einer sonst sehr seltenen Nervenkrankheit veranlassen die Region Süddänemark zu weiterer Suche nach möglichen Vergiftungen durch Altlasten des Unternehmens „Grindstedværket“. Im Mai 2020 hatte eine groß angelegte Untersuchung Entwarnung signalisiert.

Im Mai 2020 hat die für gesundheitliche Gefahren durch industrielle Altlasten zuständige Region Süddänemark einen Bericht veröffentlicht, der nach umfangreichen Untersuchungen den Verdacht entkräftete, jahrzehntelang aus Deponien und Produktionsstätten des Unternehmens „Grindstedværket“ ausgetretene Schadstoffe könnte Anwohnern gesundheitlichen Schaden zugefügt haben. Jahrelang war über Menschen aus dem Umfeld des Herstellers von Chemikalien und Arzneimitteln berichtet worden, die schwer erkrankt waren.

Neue Zweifel waren aufgetreten

Doch nachdem zunächst Erleichterung herrschte, waren bereits im vergangenen Jahr neue Zweifel aufgetreten, ob es nicht doch ungewöhnlich häufiger Erkrankungen in Grindsted gibt. Nach anfänglichem Widerstand hat der Geschäftsausschuss des Regionsrates Nordschleswig nun eine weitere Untersuchung zur Gesundheit der Menschen in Grindsted beschlossen. Es hatte sich nach Abschluss der ersten Untersuchung herausgestellt, dass mehrere Fälle der Nervenkrankheit ALS nicht berücksichtigt worden waren. Eine Akteneinsicht durch „Danmarks Radio“ hatte enthüllt, dass zwei Forscher der Universität Kopenhagen die Region schriftlich aufgefordert hatten, das Auftreten von ALS genauer unter die Lupe zu nehmen.

Region Süddänemark beruhigt die Menschen in Grindsted

„Die Gesundheitsuntersuchung, deren Ergebnisse wir im vergangenen Jahr vorgestellt haben, zeigte Resultate, die mit Verhältnissen andernorts vergleichbar waren. Darüber hinaus auch eine geringere Sterblichkeit als in vergleichbaren Orten“, so der Konzerndirektor der Region Süddänemark, Kurt Espersen. Es bestehe kein Grund, dass sich die Bevölkerung Sorgen macht. Die Altlasten stellen allerdings weiterhin ein Problem dar, weshalb in Grindsted noch Jahrzehnte Grundwasser gereinigt werden muss und verunreinigte Böden entsorgt werden müssen. Unter anderem strömen krebserregende Gifte wie Vinylchlorid in die Grindsted Å, deren Wasser über die Varde Å ins Wattenmeer fließt. Es wurden auch Schwermetalle wie Quecksilber in dem Gewässer festgestellt.

Das „Grindstedværket“ hat viele Jahre giftige Abwässer produziert. Seit einigen Jahrzehnten werden dort weniger gefährliche Stoffe verarbeitet. Foto: JydskeVestkysten

Bis 1960 waren die ungeklärten Abwässer der 1924 gegründeten Chemiefabrik direkt in die Au gelaufen. Die Sportfischer berichteten von stinkenden Fischen. 1955 wurde ein Schwimmbad geschlossen, das Wasser aus der Grindsted Å nutzte. Bereits in den 1940er und 1950er Jahren waren die Verunreinigungen durch die Fabrik Thema in der Stadt Grindsted. Erst 1972 wurden weniger Gifte in die Umwelt abgelassen.

In der Kærgaard Klitplantage verschlingt die Altlastenentsorgung Millionenbeträge. Dort waren in der Nähe des Badestrandes von Henne Strand jahrzehntelang Giftstoffe des „Grindstedværket" abgekippt worden. Foto: Region Syddanmark

Zuvor waren auch 300.000 Tonnen schwermetall- und cyanidhaltige Abfälle sowie chlorierte Kohlenwasserstoffe aus der Fabrik in den Dünen am Wald Kærgård Klitplantage südlich von Henne Strand deponiert worden.

Industrie muss Entsorgung nicht bezahlen

Unter Einsatz von vielen Millionen Kronen lässt die öffentliche Hand die Gifte dort entfernen, die auch ins Meer austreten, weshalb dort ein Badeverbot verhängt worden ist. Das Industrieunternehmen muss für die Entsorgungskosten nicht aufkommen, weil die Umweltverschmutzung im seinerzeit geltenden rechtlichen Rahmen stattgefunden hat. Das Gleiche gilt für den Bereich der Fabrikanlagen in Grindsted, wo viele Schadstoffe in Deponien im Stadtgebiet landeten.

Das „Grindstedværket“ gehörte seit 1939 zum Danisco-Konzern, der die Fabrik 2011 an den US-Konzern DuPont verkaufte. Es werden dort seit vielen Jahren keine giftigen Chemikalien mehr hergestellt, sondern Nahrungsergänzungsmittel und Stoffe für die Lebensmittelindustrie.

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