Leitartikel

„Grüne Zukunft“

Grüne Zukunft

Grüne Zukunft

Nordschleswig/Sønderjylland
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Dänemark stellt die Ölförderung ab 2050 ein. Ein wichtiger und richtiger Schritt für eine grüne Zukunft, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

541 Milliarden Kronen. So viel Geld hat der dänische Staat in den vergangenen 50 Jahren an der Erdöl- und Gasförderung aus der Nordsee verdient. Doch nun ist bald Schluss: Eine Mehrheit im dänischen Folketing will ab 2050 keine weiteren Förderlizenzen ausstellen. Dänemarks Ära als Ölfördernation ist vorbei.

Die Entscheidung in der Nacht zum Freitag ist historisch, denn Dänemark schlägt damit eindeutig einen neuen Weg ein: Weg vom schwarzen Gold des Untergrunds zu grüneren Energieformen. Das ist mehr als nur ein Zeichen oder Symbolpolitik, das ist ein zukunftsweisender Schritt, der auch für internationale Aufmerksamkeit sorgen wird – zumal Dänemark damit auch auf weitere 13 Milliarden Kronen Einnahmen aus dem Ölgeschäft verzichtet.

Dennoch kommt die Entscheidung nicht überraschend. Bereits bei der sechsten und siebten Ausschreibungsrunde stand die Zukunft als Ölnation zur Debatte, doch erst jetzt – bei Runde acht – hatte die Politik auch den Mut, das Nötige zu tun.

Mut – oder gar Angst – führte auch 1960 dazu, dass Dänemark überhaupt eine Ölfördernation wurde. Der Krieg war noch in deutlicher Erinnerung, und Arnold Peter Møller befürchtete, die Deutschen würden in Dänemark die Förderrechte bekommen. Stattdessen erkaufte sich der dänische Geschäftsmann (später unter dem weltbekannten Firmennamen A. P. Møller Mærsk) die Rechte für 50 Jahre – ohne nur einen blassen Schimmer von Ölförderung zu haben. Der Preis? 40 Kronen.

Auch ahnte man nicht, ob es überhaupt Öl in Dänemark gab, doch Mærsk holte sich Gulf und Shell an Bord, und 1966 stach Dansk Undergrundskonsortium zur See – und wurde fündig. Der Rest ist Geschichte. 1972 floss das erste Öl – Prinz Henrik drehte am goldenen Hahn.

Zur Geschichte gehört noch, dass Dänemark dafür kritisiert wurde, blauäugig sein Öl zu verschenken – die lukrative Absprache für A. P. Møller Mærsk stand jahrelang in der Kritik. Erst ab dem Jahre 2003 stiegen die Einnahmen aus dem Ölgeschäft, doch auch bei dieser Absprache machte der Staat einen schlechten Deal und ließ sich, so Experten, 124 Milliarden Euro durch die Lappen gehen.

Die Zeit für die Energiewende war jetzt einfach reif. Hätte das Folketing diese Entscheidung vor 20 Jahren getroffen, wären zum einen massive Steuereinnahmen ausgeblieben, und zum anderen hätte man der fünftgrößten Stadt im Lande, Esbjerg, den Teppich unter den Füßen weggezogen.

Nun war Esbjerg auf die gestrige Entscheidung gut vorbereitet. Seit Jahren schon schmiedet die Wirtschaft an der Westküste an grünen Plänen statt an Ölleitungen. Mit der langfristigen Entscheidung, das Ölgeschäft erst 2050 fallen zu lassen, erhält Esbjerg weitere wichtige Jahre, um sich voll und ganz auf die grüne Energiewelle umzustellen. Daher waren die Reaktionen Freitag in der 115.000-Seelen-Kommune auch ganz ohne Panik und mit viel Optimismus verbunden: Die jüngste Stadt des Landes hat sich bereits einmal erfolgreich umgestellt, nämlich von der Fischerei zum Öl- und Gaszentrum Dänemarks. Jetzt folgt der nächste Kurswechsel – aber nicht nur für Esbjerg, sondern für ganz Dänemark.

Weitere Nationen werden es Dänemark gleichtun. Weil es ein richtiger und notwendiger Schritt für unser Klima und für die Zukunft ist.

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