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Politiker: Rückgang von Deutsch ist ein ernstes Problem

Politiker: Rückgang von Deutsch ist ein ernstes Problem

Politiker: Rückgang von Deutsch ist ein ernstes Problem

Nordschleswig/Kopenhagen
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Immer weniger lernen Deutsch. Foto: DPA

Abgeordnete von rechts bis links bedauern, dass immer weniger Jugendliche Deutsch lernen. Sie schlagen eine Reihe von Maßnahmen vor.

Immer weniger Jugendliche in Dänemark beherrschen Deutsch. Eine Analyse des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) zeigt, dass der Anteil der Schüler, die im Gymnasium Deutsch wählen zwischen 2005 und 2011 deutlich gefallen ist. Seither ist er auf gleichbleibend niedrigem Niveau. Auch an den weiterführenden Bildungsanstalten entscheiden sich immer weniger für Deutsch.

„Das ist ein ernstes Problem. Deutschland ist unser größter Wirtschaftspartner. Auch der kulturelle Austausch ist wichtig. Wir sollten mit unseren Nachbarn sprechen können“, meint Christian Juhl (EL), der sowohl im Südschleswigausschuss als auch im Kontaktausschuss zur deutschen Minderheit vertreten ist.

Auch der Konservative Niels Flemming Hansen und der Radikale Nils Sjøberg sehen die rückläufigen Deutschkenntnisse als ein ernstes Problem.

„Ich glaube, dass den Jugendlichen nicht klar ist, was ihnen da entgeht“, meint Hansen, der im Südschleswigausschuss sitzt.

Die persönliche Begegnung

Juhl meint, dass der persönliche Austausch auch das Interesse an der Sprache fördern kann.

„Aus dem Kennenlernen entstehen Freundschaften und ein Bedarf miteinander sprechen zu können“, meint der linke Abgeordnete, der selbst sowohl in der damaligen Bundesrepublik als auch in der ehemaligen DDR häufig mit dem Motorrad unterwegs gewesen ist. Nach eigener Aussage spricht er besser Deutsch als Englisch.

„Ich denke, mindestens eine Klassenfahrt in der Volksschule sollte nach Deutschland gehen und auch Austauschprogramme sollen stärker gefördert werden.“

Deutsche Krimis

Auch der Kultur und den Medien misst er große Bedeutung bei. Er schlägt vor, dass Dänemark und Deutschland, ähnlich wie die nordischen Länder, einen Austausch von TV-Sendungen vereinbaren.

„Endlich gibt es wieder eine deutsche Krimiserie im dänischen Fernsehen“, meint Juhl mit Hinweis auf die Serie „Ein Fall für Professor T.“.

„Auch wenn Untertexte darunter sind, so lernt man doch unterschwellig dabei auch Deutsch“.

Sprachkurse in Deutschland

Auch der Konservative Hansen spricht aus persönlicher Erfahrung, wenn er der persönlichen Begegnung entscheidende Bedeutung beimisst. Sein Interesse für Deutschland und Deutsch wurde geweckt, als er als 16-Jähriger auf einem dreiwöchigen Sprachkurs (Sprogskole) in München war.

„Wir sollten untersuchen, ob wir solche Sprachkurse stärker unterstützen können, damit auch Eltern mit niedrigeren Einkommen ihre Kinder in einen solchen Kurs im Ausland schicken können“, meint er und überlegt, ob auch eine Unterstützung von deutscher Seite denkbar wäre.

Grenzgenial

Der Radikale Sjøberg meint, das Unterrichtsmaterial „Grenzgenial“, dass vom BDN erarbeitet worden ist, solle im Unterricht an dänischen Schulen eine größere Rolle spielen. Er hat eine dementsprechende Frage an Unterrichtsministerin Pernille Rosenkrantz-Theil (Soz.).

Er zeigt sich enttäuscht darüber, dass Rosenkrantz-Theil in ihrer Antwort auf „Grenzgenial“ nicht direkt eingeht.

„Ich finde das ärgerlich, denn als kleines Volk müssen wir in Gesprächen mit unseren Nachbarn gut gestellt sein, und dies geschieht am besten, wenn wir die Sprache sprechen“, meint er.

Minderheiten einbinden

Juhl denkt auch, dass den Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze eine noch zentralere Rolle zukommen sollte. Denn auch Deutsche südlich der Grenze, könnten ruhig ein wenig dänisch lernen, meint er.

„Die Minderheiten sind Botschafter für die beiden Fragen. Es wäre zu überlegen ob sie nicht zum Beispiel bei Sprachkursen ein wesentlich größere Rolle spielen sollten.“

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