Corona-Krise

Dänischer Christdemokrat nennt Umgang mit Nachbarland „beschämend“

Dänischer Christdemokrat nennt Umgang mit Nachbarland „beschämend“

Christdemokrat nennt Umgang mit Nachbarland „beschämend“

Süderlügum /Seth
Zuletzt aktualisiert um:
Bevor sich der dänische Christdemokrat MIchael Jensen mit der deutschen Schwesterpartei in Süderlügum traf, besuchte er die Demonstration in Seth, auf der 300 bis 400 Personen die Grenzöffnung nach Deutschland forderten. Foto: Claus Fisker/Ritzau Scanpix

Der dänische Christdemokrat Michael Jensen durfte am Sonntag die Grenze passieren, denn er hatte eine Einladung der CDU aus Süderlügum. Das Verhalten der dänischen Regierung in der Debatte um die Grenzöffnung kann er nicht nachvollziehen.

Wann öffnet die Grenze? Diese Frage hat Michael Jensen nach eigener Aussage am Sonntag am meisten zu hören bekommen. Der Vorsitzende der dänischen Christdemokraten in Süddänemark hatte zuerst die Demonstration in Seth/Sæd besucht und dort gesprochen, um sich danach mit dem Bürgermeister von Süderlügum Rainer Eggers (CDU) und Stefan Sendler (CDU) zu treffen. Jensen wollte sich die Situation in Deutschland anschauen und selbst über die Politik in Dänemark informieren. Die Einladung aus Deutschland verschaffte ihm den triftigen Grund für die Einreise ins Nachbarland. Beide Parteien, die Christdemokraten in Dänemark und die CDU in Deutschland stehen sich politisch nahe.

Umgang „beschämend“

Jensen spricht sich für eine sofortige Öffnung der Grenzen beispielsweise nach Norwegen und Deutschland aus. Die Öffnung nach Schweden hält er aufgrund des dortigen Infektionsgeschehens für noch nicht möglich. Das Risiko sei in Deutschland und Dänemark aber vergleichbar, sagt er. „Wenn Menschen in Dänemark in Scharen in Baumärkte strömen, dann muss es deutschen Familien erlaubt sein, in ein Ferienhaus an der Westküste zu fahren“, so sein Argument. Den Umgang mit den deutschen Nachbarn empfindet er als „beschämend“. Die Grenze nach Deutschland müsse sofort und ohne Einschränkungen geöffnet werden.

Jensen sieht unterschiedliche politische Kultur

Jensen sieht einen grundsätzlichen Unterschied in der Bewältigung der Corona-Krise zwischen den Christdemokraten und den Sozialdemokraten Dänemarks. Nach Jensens Auffassung haben nach zwei Monaten Epidemie die Menschen in Dänemark gelernt, mit dem Virus umzugehen. Seiner Meinung nach denken die Sozialdemokraten aber, dass der Staat, die Regierung, regeln muss, was erlaubt werden kann und was verboten bleiben muss. Diese Denkweise kritisiert er und wünscht sich, dass mehr Druck auf Mette Frederiksen ausgeübt wird, die Grenzen zu öffnen. Er will, dass die Menschen mehr Eigenverantwortung gegeben wird.

Eine Entscheidung in Sachen Grenzöffnung könne vielleicht Ende der Woche fallen, schätzt er, nach der Fragestunde zur Grenzöffnung am Mittwoch im Folketing, in der Justizminister Nick Hækkerup Rede und Antwort stehen muss.

Mehr lesen