Deutsch

„Wir können das nicht nachvollziehen“

„Wir können das nicht nachvollziehen“

„Wir können das nicht nachvollziehen“

Dänemark
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Deutsch zu unterrichten, Deutsch zu lernen, ist in Dänemark nicht gerade „in". Foto: Søren Bidstrup/Ritzau Scanpix

Deutsch zu studieren ist nicht beliebt, das verwundert den Dekan der SDU und beunruhigt die Wirtschaft.

Vergangene Woche erhielten in Dänemark 65.714 junge Leute die Zusage für eine weiterführende Ausbildung. 23 Studierende haben sich an der Universität Kopenhagen für ein Germanistikstudium (Bachelor) entschieden, in Aarhus meldet die Universität 29 Studienanfänger, die Syddansk Universität kann, da die Verfahren noch laufen, noch keine genauen Zahlen liefern, es sind aber 20 Plätze vorhanden.

1999 zählte die Universität Aarhus noch 66, die Germanistik wählten. Lange Zeit blieb dort die Zahl bei 50 bis 60 Studienanfänger stabil, erst in den vergangenen Jahren ging die Zahl deutlich zurück. Als Bestandteil des Studiengangs Unternehmenskommunikation ist Deutsch in Aarhus beliebter, 40 junge Studierende wählten diesen Studiengang, berichtet die Zeitung „Flensborg Avis“.

Simon Møberg Torp, Dekan der Humanistischen Fakultät der Syddansk Universitet in Odense, sagt: „Es besteht kein Zweifel: Es könnten mehr sein, die sich an unserer Universität für Deutsch entscheiden. Wir können das auch nicht nachvollziehen, denn das Germanistikstudium und der Studiengang Unternehmenskommunikation, Fachrichtung Deutsch, sind interessant und wir haben engagierte Lehrer, die die Inhalte spannend aufbereiten. Germanistik wird trotzdem wenig nachgefragt. Doch bin ich mir sicher, dass es viele Möglichkeiten gibt, Deutsch später in einem Beruf anzuwenden. Zudem ist es bereichernd, die deutsche Geschichte und die Kultur zu kennen.“

Verlust des Weitblicks

Adeline Raahauge Muntenjon blickt als pädagogische Konsulentin für Deutsch im Lehrmittelzentrum (Center for Undervisningsmidler) am UC Syd auf das, was den jungen Leuten in Dänemark später fehlt, wenn ganz generell das Interesse an deutscher Kultur und Sprache schwindet. „Man verliert den Weitblick. Um sich zu entwickeln, muss man andere Kulturen kennenlernen.“

Sie sieht die Bestrebungen, Deutsch zu fördern. Doch ihrer Meinung nach sind diese nicht nachhaltig. Es fehle an langfristigen Projekten, die das Interesse an der deutschen Sprache und Kultur fördern. Eine Kehrtwende dauert lange, mahnt sie, dafür sei ein langfristiger Einsatz unabdingbar. Adeline Raahauge Muntenjon erinnert auch an die wirtschaftliche Notwendigkeit, junge Menschen für die deutsche Sprache zu begeistern.

Wettbewerbsentscheider Deutsch

Diese Notwendigkeit beschreibt Mette-Kathrine Kundby-Nielsen, Vizedirektorin der Dänisch-Deutschen Handelskammer, so: „Wir sehen in unserer täglichen Arbeit, dass es für unsere dänischen Unternehmen im täglichen Konkurrenzkampf von wesentlicher Bedeutung ist, dass die Mitarbeiter Deutsch können.“ Dies werde in Deutschland hoch geschätzt. Laut einer Umfrage der Dänisch-Deutschen Handelskammer unter 345 dänischen Unternehmen wird deutsche Sprachkenntnis als sehr wichtig empfunden. Auf einer Skala von 1 bis 7 (hoch) wählen die Unternehmer die Sprachkenntnis auf 5 oder 6.

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