Bildungspolitik

Tausende ohne Volksschulabschluss

Jan Peters
Jan Peters Hauptredaktion
Apenrade/Kopenhagen
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Fast sechs Prozent der Volksschüler machen die Abschlussprüfungen nicht. An DSSV-Schulen jedoch kein Problem.

Fast sechs Prozent der Volksschüler verlassen die Schule, ohne einen Abschluss in der Tasche zu haben. Das wurde bei einer Untersuchung des nationalen Forschungs- und Analysecenter für Wohlfahrt (VIVE) im Auftrag von TV2 festgestellt. An den deutschen Schulen Nordschleswigs gibt es solche Fälle nicht.
Sechs Prozent sei eine relativ hohe Anzahl und die Tendenz sei steigend, meint Andreas Rasch-Christensen, Forschungs- und Entwicklungsleiter der pädagogischen Abteilung am VIA University College. „Jeder einzelne Fall hat eine persönliche, aber auch gesellschaftliche Bedeutung“, erklärt er.

Im Jahr 2007 lag die Zahl der Schüler, die die Schule ohne den Abschluss gemacht zu haben, bei 3,6 Prozent, im vergangenen Jahr schon bei 5,5 Prozent.
„Solche Fälle sind an unseren Schulen kein generelles Problem und mir ist kein solcher Fall bekannt“, erklärt Claus Diedrichsen, Schulrat des Deutschen Schul- und Sprachvereins, unter dessen Dach alle deutschen Schulen in Nordschleswig stehen. Auf Nachfrage bei den fünf DSSV-Schulen, die bis zur neunten Klassenstufe gehen, bestätigt sich die Aussage. In den vergangenen Jahren gab es dort keinen Schüler, der die Abschlussprüfungen nicht absolviert hätte.
Es sind besonders Kinder von Menschen ohne Ausbildung und Schüler mit einem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) oder einer ähnlichen Diagnose, die aus dem Raster fallen.

Claus Hjortdal, Vorsitzender des Schulleitervereins (Skolelederforenigen), fällt es schwer, den Zahlen zu trauen. „Schüler und Schulen tun alles, um die Prüfungen zu machen und eine Ausbildung beginnen zu können. (...) Es muss daran liegen, dass die Zahlen auf andere Weise zustande kommen. Ansonsten kann ich mir eine Verdopplung nicht erklären“, sagt er gegenüber der Nachrichtenagentur Ritzau.

Die Vorsitzende des Dachverbands Schule und Eltern pflichtet Hjortdal bei und ergänzt: „Drei bis vier Prozent eines Jahrgangs haben eine Diagnose, die besondere Maßnahmen erfordern und viele von ihnen machen die Prüfungen nicht.“ Sie gibt den lokalen Schulvorständen den Rat, „erst auf die eigenen Zahlen zu schauen, bevor Paniklösungen gesucht werden, sodass sichergestellt wird, dass ein Problem vorliegt, bevor eine Lösung gesucht wird“.

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