Ernährung

Fleischkonsum: „Dänen streben nach Qualität“

Fleischkonsum: „Dänen streben nach Qualität“

Fleischkonsum: „Dänen streben nach Qualität“

Laure Saint-Alme
Apenrade/Aabenraa
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Fleisch gehört für viele Menschen zur täglichen Ernährung dazu. Foto: Morten Stricker / Midtjyske Medier / Ritzau Scanpix

Laut Studie essen die Bürger in Dänemark weniger Rindfleisch. In Apenrade ist dieser Trend hingegen nicht zu erkennen – und auch in Deutschland steigt der Fleischverbrauch.

Eine Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen zeigt, dass der Verkauf von Rindfleisch von Mitte Juli bis dem ersten Halbjahr 2019 um 3,8 Prozent sank. Im Gegensatz dazu stieg der Verkauf von Geflügel um fast 8 Prozent an. Die Studie basiert auf einer Untersuchung von 98 Prozent der dänischen Supermärkte.

Doch wie sieht es in Nordschleswig mit dem Fleischkonsum aus? „Der Nordschleswiger“ hat in der Region nachgefragt.
In der Fleischerei vom Supermarkt Løvbjerg in Apenrade wird hervorgehoben, dass die unpopulärste Wahl bei den Dänen das Rindfleisch ist. Warum das so ist, darauf hatte der Supermarkt keine Antwort.

Schlachter merkt keinen Unterschied

Hans Henrik Johansen, Schlachter in Apenrade, hat bei sich und seinen Kunden keinen rückläufigen Fleischkonsum bemerkt. Im Gegenteil: Im Allgemeinen erlebt er eine Zunahme des Fleischverbrauches. „Dass die Dänen weniger Fleisch essen, habe ich persönlich gar nicht bemerkt“, sagt er. Was ihm auffällt: „Die Dänen streben nach Qualität.“ Der lokale Schlachter fügt hinzu: „Alles läuft gut für uns im Moment. Leider habe ich gehört, dass das in Deutschland ganz anders für meine Arbeitskollegen ist.“

Sein Eindruck ist: Während die Dänen in den Supermärkten weniger Fleisch kaufen, kaufen sie immer mehr Fleisch beim Schlachter.

Eine Vermutung

Lektorin Helle Brønnum Carlsen von der Gewerblichen Schule in Kopenhagen, Københavns Professionshøjskole, hat eine Vermutung, warum die Dänen immer weniger Rindfleisch kaufen: Der Grund dafür sei ein stärkeres ökologisches Bewusstsein bei den Verbrauchern, sagt sie. Dass Fleischkonsum ein Thema ist, habe man bereits bei der vergangenen Parlamentswahl beobachten können. Rinderzucht gilt als Klimasünder und wird verantwortlich für den hohen CO2-Ausstoß gemacht.

Ohne Rindfleisch zu leben, scheint allerdings einfacher zu sein als komplett auf Fleisch zu verzichten: Von 2017 bis 2019 schrumpfte der Fleischverbrauch in Dänemark nur um 1,2 Prozent, meldet der Supermarktverband Coop.

Lektorin Brønnum Carlsen bleibt aber optimistisch: Sie ist davon überzeugt, dass immer mehr Dänen Schritt für Schritt ihren Fleischkonsum reduzieren. Die Lektorin kann bei dieser Einschätzung wahrscheinlich auf die Jugend zählen: Obwohl der Fleischverbrauch laut Coop in den Jahren 2007 bis 2014 einen Rekord in Dänemark erreichte, sind die unter 35-jährigen Dänen laut der Studie am ehesten bereit, weniger Fleisch zu konsumieren.

Norwegen gilt dabei als Vorbild. Dort nahm der Konsum von Fleisch in den vergangenen Jahren – insbesondere der von Rindfleisch – zum ersten Mal seit einem Jahrhundert ab.

Fleischkonsum im Nachbarland steigend

Wie handhaben die Bürger südlich der Grenze den Fleischkonsum? In Schleswig-Holstein ergibt sich teilweise ein ähnliches Bild wie in Nordschleswig: Rindfleisch essen die Deutschen eher selten. Das teilt der Deutsche Fleischer-Verband mit Hauptsitz in Frankfurt auf Anfrage des „Nordschleswigers“ mit.

Am liebsten kaufen die Deutschen Schweinefleisch. Immerhin 35 Kilogramm pro Kopf und Jahr, erklärt Klaus Hühne, Geschäftsleiter Marktbeobachtung und Statistik vom Deutschen Fleischer-Verband.

Danach, informiert der Branchenkenner, folgt Geflügel mit ungefähr 13 Kilo pro Person und Jahr. Auf dem letzten Platz landet Rindfleisch mit rund 10 Kilo.

Und wohin entwickelt sich die Gesamttendenz? Laut Hühne wächst der Fleischverbrauch aktuell in ganz Deutschland. „Der Anstieg betrifft allerdings besonders das Schweinefleisch“, so Hühne.

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