Leitartikel

„Ein Leck in unserer Gesellschaft“

Ein Leck in unserer Gesellschaft

Ein Leck in unserer Gesellschaft

Kopenhagen/Nordschleswig
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Spätestens nach der Attacke auf die beiden Gas-Pipelines in der Ostsee müssen wir uns Gedanken über unsere Infrastruktur machen. Denn es kann noch viel schlimmer kommen, meint Chefredakteur Gwyn Nissen.

Wer hätte sich vor einem Jahr gedacht, dass wir im September 2022 zu der Nachricht aufwachen, dass zwei Gas-Pipelines in der Ostsee gesprengt worden sind? Nun, der dänische Militäranalytiker Jens Wenzel Kristoffersen schrieb bereits vor einem halben Jahr in einer Chronik im politischen Online-Medium „Altinget“, dass Dänemark auf Angriffe auf die kritische Infrastruktur schlecht vorbereitet sei.

„Es ist schwierig, sich eine dänische Gesellschaft vorzustellen ohne Gas, Strom, Öl und Wasser“, schrieb Kristoffersen am 28. Februar – vier Tage nach der russischen Invasion.

Heute wissen wir, dass alles möglich ist, was wir uns vorstellen können – aber nicht wollen. Diesmal sind zwei Gasleitungen aus dem Verkehr genommen worden – zwar lief (noch) kein Gas für Verbraucherinnen und Verbraucher durch die Leitungen, doch wer auf dem Meeresboden Löcher in eine Pipeline sprengen kann, wird keine Mühe haben, auch andere kritische Infrastruktur lahmzulegen.

Genau das ist Dänemarks Problem – und sicherlich auch das anderer Länder: Zum ist lebensnotwendige Infrastruktur kaum geschützt, und zum anderen sind wir darauf kaum vorbereitet.

Kein Gas für die Heizung? Kein Strom für den Haushalt, für Unternehmen oder die Industrie? Kein Internet, um zu arbeiten, kommunizieren oder zu bezahlen?

Man mag kaum darüber nachdenken, aber in einer digitalisierten modernen Gesellschaft wie der dänischen wäre der Verlust an kritischer Infrastruktur fatal. Unsere Gesellschaft wäre binnen weniger Tage am Rande eines Zusammenbruchs.

Ein Schreckensszenario? Gewiss, aber seit dieser Woche eine Realität, auf die wir uns einstellen müssen: Staat, Krankenhausregionen und Gemeinden müssen für alle Fälle einen Plan haben, was sie ganz sicherlich nicht haben – sonst wäre auch die Corona-Pandemie anders verlaufen.

Aber auch in den privaten Haushalten müssen wir uns Gedanken darüber machen, ob wir auf jede Situation vorbereitet sind. Ob wir wollen oder nicht.

Bisher war dies nicht nötig, aber es schadet nicht, dass wir uns einige Gedanken darüber machen, was passiert, wenn es ein Leck in der Gesellschaft gibt, und gegebenenfalls danach zu handeln. Nicht aus Panik, nicht aus Angst – aber weil nichts in unserer heilen Welt gerade sicher ist. Darauf sollten wir vorbereitet sein.

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