Grenzpendler

Infocenter: Bilanz nach 15 Jahren

Infocenter: Bilanz nach 15 Jahren

Infocenter: Bilanz nach 15 Jahren

Dirk Thöming
Pattburg/Padborg
Zuletzt aktualisiert um:
Peter Hansen
Peter Hansen Foto: region.de

Aus Sicht der Grenzpendler-Beratung in Pattburg sind geteilte Jobs eine neue Versicherungsfalle.

15 Jahre Infocenter

Die Grenzpendlerzahlen nach Dänemark stiegen in der dänischen Hochkonjunktur ab 2004 (ca. 1.900 Pendler) bis 2008 steil an, als über 19.000 Menschen über die Grenze pendelten. Danach fielen sie bis zum Tiefpunkt 2011/2012 ebenso drastisch, was aber nicht weniger Arbeit für das Regionskontor bedeutete. „In der Zeit hatten wir viel mit dem Thema Arbeitslosigkeit und Arbeitlosengeld zu tun“, so Hansen. Mittlerweile gibt es wieder etwa 13.000 Grenzpendler nach Dänemark; etwa 600 pendeln nach Deutschland.

Nach der Öffnung der Grenzen 2001 beschloss die neue Grenzregion Sønderjylland-Schleswig, auf Probe eine Beratungsstelle für Grenzpendler einzurichten. 2004 wurde diese im Regionskontor in Pattburg zunächst als EU-Interreg-Projekt eröffnet.

„Es wurde mit 1.000 Beratungen gerechnet. Doch in den drei Jahren, die das Projekt dauerte, wurden es insgesamt 8.400 Beratungen für Grenzpendler. Dies gab den Ausschlag dafür, dass aus dem EU-Projekt eine dauerhafte Einrichtung wurde“, sagt der damalige und heutige Leiter des Regionskontors, Peter Hansen.

Zum 15-jährigen Bestehen des „Infocenters“ in diesem Jahr zieht Hansen Bilanz: Während die Zahl der Grenzpendler, mit Schwankungen, im Laufe der Jahre annähernd stabil geblieben ist, ist der Beratungsbedarf stark gestiegen. Dies liege an Rahmenbedingungen, die sich verändert haben.

Umfassendere Beratungen

„Eine Beratung kann drei Minuten oder, mit Recherche, drei Stunden in Anspruch nehmen. Wir haben heute oft schwierigere und umfassendere Beratungen als früher. Dies liegt daran, dass viele Beratungssuchende bereits eine längere Geschichte als Grenzpendler hinter sich haben und sich dadurch neue Problemstellungen ergeben können, etwa zum Thema der Rente“, sagt Peter Hansen.

Neue Herausforderungen – sowohl für die Grenzpendler als auch die Berater im Infocenter – ergäben sich auch daraus, dass die Arbeitsverhältnisse eines Berufstätigen heute öfter als früher auf verschiedene Arbeitsplätze verteilt sind.

Home-Office

„Ein Home-Office neben der Festanstellung oder verschiedene Jobs gleichzeitig führen zu Änderungen beim Grenzpendler-Status. Wer in Deutschland lebt, und hier mehr als 25 Prozent seiner Tätigkeit verbringt, ist in Deutschland sozialversicherungs-pflichtig, auch wenn die Haupttätigkeit in Dänemark liegt“, so Hansen.

Dies bedeute, dass der dänische Arbeitgeber dann die Sozialabgaben in Deutschland zu entrichten habe. „Dies ist den meisten Arbeitgebern nicht bekannt. Es ist nicht nur umständlich, sondern auch eine teure Angelegenheit für die dänischen Arbeitgeber“, sagt der Leiter des Infocenters.

Viele Unannehmlichkeiten für Grenzpendler seien aber im Laufe der Jahre ausgeräumt worden. Beispielsweise seien wichtige Teile der Homepage der dänischen Steuerbehörde, Skat, mittlerweile auch auf deutsch verfügbar.
Neue Grenzpendler zu beraten, sei für die Mitarbeiter im Infocenter heute reine Routine. „Man kann ohne Probleme loslegen. Man sollte aber die Ratschläge beherzigen, die es hier gibt“, sagt Peter Hansen.

2018 gab es 13.600 Grenzpendler – wovon der größte Teil in Deutschland lebt und nach Dänemark pendelt. Nur etwa 600 Menschen mit Wohnort in Dänemark pendeln über die Grenze nach Deutschland hinein.
„Zurzeit gibt es viele Deutsche, die sich ein Haus in Dänemark kaufen. Während es in Flensburg sehr teuer ist, kann man in Dänemark schon für 100.000 Euro ein ordentliches Haus kaufen. Die Menschen, die nördlich der Grenze ein Haus kaufen, sind potenzielle neue Grenzpendler von Dänemark nach Deutschland. Dies lässt sich an unseren Zahlen aber noch nicht ablesen.“

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