Digitaler Betrug

12.000 Anzeigen wegen IT-Kriminalität

12.000 Anzeigen wegen IT-Kriminalität

12.000 Anzeigen wegen IT-Kriminalität

Ritzau/Gwyn Nissen/Malick Volkmann
Kopenhagen/Nordschleswig
Zuletzt aktualisiert um:
Wie schützt man sich am besten gegen digitale Kriminalität? Wir geben einige Tipps. Foto: Pawel Kopcynski, Reuters/Scanpix

Neue Einheit der dänischen Polizei hat schon viele Anzeigen erhalten – und feiert die ersten Erfolge. Wir zeigen die besten Wege, sich vor digitalem Betrug zu schützen.

Seit Dezember 2018 hat die dänische Polizei eine Einheit für IT-Kriminalität – das Landsdækkende center for it-relateret økonomisk kriminalitet (LCIK) – und hier strömen die Anzeigen derzeit rein. Im ersten halben Jahr haben die Beamten 12.161 Anzeigen erhalten – können aber auch die ersten Erfolge präsentieren.

Die Einheit erleichtert die Aufklärungsarbeit, indem Anzeigen aus den zwölf Polizeikreisen koordiniert werden. In Nordjütland wurde ein Mann wegen Betrugs verurteilt, nachdem ihm 197 Betrugsfälle nachgewiesen werden konnten. Er schaltete Verkaufsanzeigen und erhielt Geld für die angebotene Ware, die aber nie bei den Käufern ankam.

LCIK hat auch bei der Aufklärung eines Betrugsfalls in Kopenhagen geholfen. Dort wurden vergangene Woche acht Personen in Untersuchungshaft genommen, weil sie sich als Vertreter von Nets und anderen finanziellen Unternehmen präsentierten und bei den Anrufern – vor allem älteren Frauen – Nem-ID und andere persönliche Daten und Passwörter herauslockten. Damit konnten sie dann unter anderem Konten anzapfen.

„Wir haben einen guten Überblick darüber, welche Art von digitaler Kriminalität begangen wird, und wir wissen auch, welche Gruppen davon betroffen sind. Das bedeutet, dass wir auch vorbeugende Maßnahmen, darunter zielgerichtete Kampagnen, treffen können", sagt die Chefin der Einheit, Trine Møller.

Hier einige Tipps, wie man verhindern kann, in die digitale Falle zu tappen.

Auf Rechtschreibung und Grammatik achten

Ulla Malling, Projektchefin für digitalen Selbstschutz beim Dänischen Verbraucherrat, weiß, worauf zu achten ist, um nicht in die Betrugs-Falle zu tappen. „Zuerst sollte der Kunde auf den Auftritt der Seite achten. Gibt es Rechtschreibfehler? Wie steht es um die Grammatik? Wenn das nicht ordentlich gemacht ist, kann es ein klares Anzeichen für Betrug sein“, sagt Malling. Oft übersetzten dann Softwares die Inhalte des Shops aus anderen Sprachen, wobei die Grammatik und die Rechtschreibung auf der Strecke bleiben.

Preise beachten

Ein ähnliches Anzeichen ist die Preisbildung: „Wenn es unrunde, komische Summen sind, dann ist es oft so, dass der Preis aus einer anderen Sprache mit einer anderen Währung übersetzt wurde. Wenn die Preise also komisch sind und es dann noch Fehler in der Rechtschreibung und Grammatik gibt, sollte man dort nicht einkaufen“, erklärt Malling.

Auch ein anderer Indikator hat mit den Preisen zu tun. Wenn diese überdurchschnittlich niedrig sind, sei Vorsicht geboten: „Wenn die Preise so niedrig sind, dass es eigentlich zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es leider oft nicht wahr“, so die Expertin.

Impressum vorhanden?

Wenn die erwähnten Punkte ordentlich erscheinen sollten, dann gibt es noch andere Aspekte, auf die man schauen kann, um einem möglichen Betrug vorzubeugen: „In Dänemark herrscht Impressumspflicht. Das bedeutet, dass in jedem Online-Shop eine Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse und, ganz wichtig, eine korrekte postalische Anschrift vorhanden sein müssen“, berichtet Malling.

Außerdem gebe die oft vorhandene Rubrik „Über uns“ Aufschluss über den Betreiber der Seite. Je umfassender und detaillierter die „Über uns“-Seite gestaltet ist, desto mehr könne man damit rechnen, dass es sich um einen seriösen Shop handele.

Ähnliche Sicherheitsvorkehrungen können Verbraucher bei dubiosen E-Mails treffen, die einem den Lottogewinn versprechen oder eine Rechnung von etwas unterjubeln wollen, das man niemals gekauft hat. „Wenn man den Absender nicht zu einem seriösen Unternehmen zurückverfolgen kann, dann sollte man skeptisch werden“, so Malling.

Am besten lösche man solche Mails und noch ein anderer Tipp kann Verbraucher vor möglichen Viren oder Fake-Angeboten schützen: „Klicke niemals auf Links, die in solchen E-Mails stehen. Dann kommt man erst gar nicht auf möglicherweise gefährliche Internetseiten“, so Malling.

Auch wird oft mit angeblichen Lieferungen geschwindelt: „Dein Paket ist da" oder „Dein Paket ist auf dem Weg" – obwohl man gar nichts bestellt hat. Hat man etwas bestellt und erwartet wirklich ein Paket, dann sollte man nur der offiziellen Mail beim kauf trauen. Darüber oder über die Webseite des Lieferservice kann man sein Paket verfolgen (tracking).

Zertifikat verspricht Schutz

Außerdem gibt es ein Zertifikat, das zeigt, ob ein Online-Shop auf Seriosität geprüft wurde. Das sogenannte e-mærket versichert dem Verbraucher, dass der betroffene Online-Shop vernünftig handelt.

Als anderer Indikator gilt die CVR-Nummer. Das ist eine individuelle und einmalige Nummer, die jedem Online-Handel zugeordnet ist. Die CVR-Nummer wird auch Unternehmensidentifikationsnummer genannt. Sie ist quasi die CPR-Nummer für Firmen.

Im Betrugsfall: Bank kontaktieren

Aber was macht man, wenn es für all diese Maßnahmen zu spät ist? Was unternehmen Opfer von Betrugsmaschen, die Geld überwiesen haben, aber nicht die bestellte Ware erhalten?

Auch hier weiß Ulla Malling Rat: „Sobald ich bemerke, dass etwas mit dem Handel nicht in Ordnung ist, kann ich meine Bank kontaktieren, die dann weitere Maßnahmen einleitet“, so die Expertin. Ganz wichtig sei es, dass die Bank sofort benachrichtigt wird und nicht erst einige Zeit später.

Keine Angst vor Mahnungen

Laut des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland müssen Betrugs-Opfer auch vor Inkassoschreiben und Mahnungen keine Angst haben, wenn sie sich innerhalb einer bestimmten Frist an die Bank wenden.

„Wenn kein kostenpflichtiger Vertrag geschlossen wurde, kann bei Kreditkartenzahlung ein ‚Chargeback‘ durchgeführt werden“, heißt es in einer Pressemitteilung. Das bedeutet, dass der Käufer das Geld problemlos zurückbekommt.

Mehr lesen