Frauenhaus

Zufluchtsort in Apenrade: Krisecenter feiert Jubiläum

Gesche Picolin
Gesche Picolin Journalistin
Apenrade/Aabenraa
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Frauenhaus Apenrade
Das Frauenhaus ist seit 30 Jahren ein Ort der Geborgenheit für bedrohte Frauen. Möglich gemacht wird dies durch den unermüdlichen Einsatz von Freiwilligen (Foto) – es gibt etwa 75 –, die rund um die Uhr Schichten schieben. Foto: Karin Riggelsen

Aus Notwendigkeit entstanden, muss das Zentrum heute häufig Frauen abweisen – wegen zu hoher Auslastung.

Aus Notwendigkeit entstanden, muss das Zentrum heute häufig Frauen abweisen – wegen zu hoher Auslastung.

Es ist ein sonniger 2. Mai in Apenrade. Und ein windiger dazu. An der Bjerggade empfängt Leierkastenmann Paul mit Frack und Zylinder die Gäste, die zum Jubiläum ins „Krisecenter“ kommen. Das Haus ist seit 1987 Zufluchtsort für von Gewalt bedrohte Frauen.

„Paul sammelt in der Fußgängerzone Geld für die Kinder im Frauenhaus. Damit die auch mal rauskommen können und was anderes sehen“, erzählt Anne-Marie Vagnsø, Vorsitzende des Krisecenters.

Vor 30 Jahren aus einer Notwendigkeit geboren, leistet das Frauenhaus bis heute wichtige Arbeit. Es ist ein sicherer Ort. „Die Frauen, die sich an uns wenden, sind mutig. Den Schritt zu wagen, aus einer Beziehung zu fliehen, in der Gewalt vorkommt, ist sehr mutig. Speziell wenn Kinder da sind“, sagt Tove Lagoni, die Leiterin des Hauses. „Wir wollen den Frauen Hilfe zur Selbsthilfe geben. Wer immer nur hört: „Du taugst nichts, der braucht diesen Ort. Wir geben den Frauen Selbstvertrauen, wir zeigen Perspektiven auf. Das ist der beste Arbeitsplatz der Welt“, so Lagoni.
Seit 30 Jahren ist das Haus rund um die Uhr geöffnet. Ein hoher Zaun umgibt die schöne alte Kapitänsvilla. Zwei der anwesenden Frauen beim Jubiläum sind Margit und Helle. Sie leisten seit 1987 freiwillige Arbeit für die Frauen.

Die Feiwilligen haben Schweigepflicht. „Wenn hier jemand anruft und fragt, ob die Freundin da sei, die aus einer gewalttätigen Beziehung geflüchtet sei, dann sage ich: Das weiß ich nicht“, so Inger Schäfer, Freiwillige seit fünf Jahren. Wie hält sie das aus? All das Schlimme, das ihr anvertraut wird. „Wir sind immer zu zweit in einer Schicht. Da sprechen wir das alles durch. Das hilft.“

Das Apenrader Frauenhaus hat im Laufe der 30 Jahre 1.559 Frauen und 1.744 Kinder beherbergt. Im Jahr 2016 trauriger Rekord: Mehr als die Hälfte der Frauen, die sich in ihrer Not ans Frauenhaus wandten, mussten abgewiesen werden.

Es gibt keine Männer im Haus. Der Hausmeister ist der Mann einer Freiwilligen und hält allen Respekt und Abstand. Denn, so Schäfer, die Kinder, die Gewalt erlebt haben, reagieren stark, sobald die einen Mann nur sehen. Und dann ist da noch Paul, der Leierkastenmann. Der steht bei Wind und Wetter in der Fußgängerzone und spielt. Damit die Kinder für eine Weile den Alltag hinter sich lassen können.

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Leitartikel

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
„Venstre-Wellen“