Coronavirus

Vom Test zum Testergebnis

Vom Test zum Testergebnis

Vom Test zum Testergebnis

Apenrade/Aabenraa
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Dieser Corona-Probe folgen wird bis zum Testergebnis. Foto: Karin Riggelsen

Wer zum Corona-Test geht, bekommt nur einen kleinen Teil der Maschinerie zu sehen, die dazu gehört. „Der Nordschleswiger“ hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen und einen Test verfolgt - von der Probennahme bis zum Testergebnis.

Vor etwas mehr als einem Jahr gab es den ersten Shutdown, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Seither gab es ein Auf und Ab bei den Infektionszahlen und vor Weihnachten einen zweiten Shutdown.

Infektionskette mit Teststrategie brechen

Die Regierung hat auf die Situation reagiert und zusammen mit Fachleuten, Wissenschaftlern und Ärzten eine Teststrategie entwickelt, die weltweit einzigartig ist: Jeder kann sich inzwischen kostenlos auf das Virus testen lassen – so oft man möchte. Das Virus hat sich mit der Strategie bisher im Schach halten lassen können, wie die aktuellen Infektionszahlen zeigen.

Testrekorde

Viele Menschen nutzen die Möglichkeit und gehen in eines der vielen Testzentren, die landesweit entstanden sind. Für viele Bürger ist der Gang zum Test schon zur Gewohnheit geworden. So haben am Ostermontag 2.425 Menschen die Kabinen im Rothenkruger Testzentrum betreten. Das ist der bisherige Test-Rekord an einem Tag. In der Region Süddänemark waren es an dem Tag über 95.000 – ebenfalls ein Rekord.

Im Testcenter fängt die Arbeit erst an

Für die Bürger ist die Prozedur nach der Probennahme mit dem Teststäbchen beendet. Im Testzentrum beginnt die Arbeit jedoch nun erst – und dahinter steht ein großes logistisches Test-Werk.

Der Aufkleber mit meinem Datencode wird auf das Teströhrchen geklebt. Foto: Karin Riggelsen
Das Probenröhrchen wird von Poderin Maria Vinterskov gescannt und mit den Daten auf meiner Gesundheitskarte verbunden. Foto: Karin Riggelsen

Auch ich gehöre als Journalist zu den Menschen, die wegen ihres Berufes weiterhin mit anderen Menschen in Kontakt kommen und lasse mich deshalb regelmäßig auf eine Infektion hin untersuchen. Wir folgen nun einem dieser PCR-Probe-Stäbe, der mir als Testperson entnommen wurde, und werden auch das Ergebnis zu wissen bekommen, auf das ich jedes Mal mit Spannung warte.

Ich lasse mir von Patrick Bonnichsen die Probe entnehmen. Foto: Karin Riggelsen
Die Schüler werden zweimal in der Woche getestet. Foto: Archivfoto: Karin Riggelsen

In der Kabine erwarten mich nach dem Einchecken mit dem Strichcode auf der gelben Gesundheitskarte Patrick Bonnichsen und Maria Vinterskov. Die beiden sind ein eingespieltes Team.

Während Maria die Daten auf dem Teströhrchen in das Computersystem eingibt, bereitet sich Patrick auf die Entnahme meiner Probe vor. Er desinfiziert sich die Hände und zieht ein Paar Schutzhandschuhe aus Latex an – zum Schutz der Menschen, die er testet – aber auch zu seinem eigenen Schutz vor einer Infektion.

Keine Angst vor Infektion

„Wir hatten bisher nur einen Kollegen, der sich bei der Arbeit hier infiziert hat“, berichtet Simone Edvardsen. Sie ist seit dem Start des Testzentrums dabei und sorgt inzwischen für den reibungslosen Ablauf dort. Patrick Bonnichsen und auch seine Kollegin haben keine Bedenken, dort zu arbeiten. „Wir halten alle Vorsichtsmaßnahmen ein und folgen den Hygieneregeln“, erklärt Patrick Bonnichsen seine Unbedenken gegenüber dem Job.

„Poder“ mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen

Patrick Bonnichsen hat übrigens im vergangenen Jahr sein Abitur gemacht und wollte danach ein Jahr auf Reise gehen. Doch das Coronavirus hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Jetzt helfe ich hier und verdiene mir ein bisschen Geld“, erklärt der junge Mann. Kollegin Maria Vinterskov ist Volksschullehrerin und „steht derzeit zwischen zwei Jobs“, wie sie berichtet. Deshalb kam ihr das Angebot, im Testcenter arbeiten zu können, ganz gelegen. „Und ich tue etwas für die Gesellschaft“, sagt sie.

300 Menschen kann einer der „Poder“, wie sie hier genannt werden, an einem Tag schaffen, berichtet Simone Edvardsen. In Rothenkrug wurden seit dem Center-Start über 10.000 Bürger „gepodet“. Das Testteam im Rothenkruger Testzentrum besteht aus 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die wie Maria, Patrick und Simone für die Aufgabe rekrutiert werden konnten.

Patrick Bonnichsen wechselt sich mit den Kolleginnen und Kollegen bei den Arbeiten im Testzentrum ab, damit es nicht zu eintönig wird. Foto: Karin Riggelsen

Nachdem Patrick das Teststäbchen einige Male in meinem Rachen hat kreisen lassen, wird das obere Teil, mit dem meine Probe entnommen wurde, in ein zuvor mit einem Code versehene Röhrchen gesteckt und verschlossen. „Schon hier fängt der Test an, denn in dem Röhrchen ist eine Flüssigkeit, die die Probe vorbereitet“, erklärt mir später Steen Lomborg Andersen, der Leiter des Labors im Apenrader Krankenhaus (Sygehus Sønderjylland).

Simone Edvardsen (l.) nimmt meine Probe aus den Händen von Kollegin Maria Vinterskov entgegen. Foto: Karin Riggelsen

Doch bevor die Probe dort ankommt, wird sie mit vielen anderen Proben in einem sogenannten Brack gesammelt. Das Brack besteht aus schwarzem Kunststoff. In ihm werden die kleinen Proberöhrchen stehend gelagert.
Weil jedes Röhrchen mit einem eigenen Strichcode versehen ist, ist ein Vertauschen nicht möglich. Und sollte einmal ein Fehler bei der Entschlüsselung auftreten, könne der Weg der Probe genau nachverfolgt werden, erklärt Simone Edvardsen.

Sind die Bracks voll, kommen sie in den Kühlschrank, der im hinteren Bereich des Testzentrums steht. Von dort werden sie zweimal täglich abgeholt – und nach Kopenhagen gebracht, wo sie im Labor der dänischen Infektionsschutzbehörde, Statens Serum Institiut, (SSI), untersucht werden.

Das geschieht mit allen Proben, die von den Bürgern selbst über www.coronaprover.dk bestellt wurden. Wer jedoch ins Krankenhaus muss, wird ebenfalls zuvor getestet. Dann kommen die Proben in das Apenrader Labor, um dort ausgelesen zu werden.

Mein Coronatest wird im Kühlschrank im Testzentrum gelagert und später vom Fahrer, der täglich mehrmals Proben abholt, mitgenommen. Foto: Karin Riggelsen
Mein Test kommt in der Mikrobiologie des Apenrader Krankenhauses an. Foto: Karin Riggelsen

Der „Nordschleswiger“ hat die Erlaubnis bekommen, meiner Probe zu folgen, und die ist von einem Fahrer abgeholt worden, der sie ins Labor des „Sygehus Sønderjylland“ bringt.

Meine Probe kommt, im Gegensatz zu den vielen tausend anderen, die täglich gemacht werden, nicht zum SSI in Kopenhagen, weil wir der Einfachheit halber für unsere Reportage zuvor das Okay erhielten haben, den Test in Apenrade durchzuführen. Sonst hätten wir ganz in die Hauptstadt fahren müssen. Das wollten wir, um die Umwelt zu schützen, vermeiden.

„Es gibt zwischen 15 und 45 Proben am Tag, die hier bei uns untersucht werden, damit der Test auch ganz sicher dann zur Verfügung steht, wenn die Person im Krankenhaus erwartet wird“, sagt Laborleiter Steen Lomborg Andersen.

Laborleiter Steen Lomborg Andersen nimmt meine Probe entgegen. Foto: Karin Riggelsen
Analytikerin Nurcan Sahin bringt die Probe zur Untersuchung. Foto: Karin Riggelsen
Die Probe wird mit einer zusätzlichen „Reagenz“ für die Analyse vorbereitet. Foto: Karin Riggelsen

„Das Testverfahren, die Prozedur, ist jedoch in Kopenhagen und in Apenrade gleich“, so Lomborg Andersen.
Die Proben werden in der Abteilung „Mikrobiologie und Pathologie“ entgegengenommen und mit einem neuen Code versehen. Im Apenrader Labor macht das Bioanalytikerin Nurcan Sahin, die auch meine Probe untersuchen lassen wird, denn die Untersuchung selbst wird eine Maschine vornehmen. 94 Tests kann die Maschine gleichzeitig abfertigen. In das Glas kommt eine neue Flüssigkeit, eine sogenannte Reagenz, die für das Auslesen notwendig ist.

Meine Probe kommt mit anderen Tests zusammen auf ein Brack. Zuvor kam ein neuer Code darauf. Foto: Karin Riggelsen

Je nachdem wieviele Proben zu untersuchen sind, dauert das fünf bis sechs Stunden - dann steht das Ergebnis fest. Parallel zu den persönlichen Tests werden bei jedem Lauf der Maschine noch zwei Kontrolltests durchgeführt, die sichern sollen, dass die Maschine keine Fehler macht.

96 Proben kann diese Maschine gleichzeitg auswerten. Foto: Karin Riggelsen

Die ausgewerteten Tests werden von der Bioanalytikerin am Bildschirm überprüft. „Es ist immer nochmal mindestens ein menschliches Augenpaar, dass einen Blick auf die Ergebnisse wirft und schaut, ob alles stimmt und in Ordnung ist“, erklärt Laborleiter Lomborg Andersen. Und dann werden alle Ergebnisse, ob negativ oder positiv, elektronisch übermittelt, sodass der Bürger sie über die www.sundhed.dk abrufen kann.

Negativ lautet mein Testergebnis, das die Bioanalytikerin Nurcan Sahin schon nach zwei Stunden sehen konnte. Foto: Karin Riggelsen

Nurcan Sahin konnte das Ergebnis meiner Probe, die in einem besonders schnellen Gerät analysiert wurde, schon nach knapp zwei Stunden sehen: negativ, wie auch ich wenig später auf der Internetseite lesen konnte.

Tests werden noch zwei Tage gelagert

Alle Proben werden übrigens noch für 48 Stunden aufbewahrt. Es kann nämlich vorkommen, dass die Probe zwar positiv ist, doch die sogenannte Virenlast so gering ist, dass die getestete Person nicht ansteckend ist. Das SSI schreibt dann vor, den Test zu wiederholen. Erst nach Ablauf der zwei Tage werden die Proben fachgerecht entsorgt und verbrannt.

300 Kronen kostet ein Test, wenn alle Ausgaben für Material, Personal und benötigter Maschinerie einberechnet sind.

Mehrarbeit im Labor durch Corona

Im Apenrader Labor sind durch die vielen Coronatest eineinhalb neue Arbeitsplätze entstanden. 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind derzeit dort beschäftigt.

Das Apenrader Labor ist übrigens erst Anfang März vom Krankenhaus in Sonderburg (Sønderborg) in die neuen Räume in Apenrade gezogen. 35.000 Proben verschiedenster Art, inzwischen sogar Genanalysen, werden dort jeden Monat untersucht, wie der Laborleiter stolz berichtet.

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