Hygge-Runde

Tradition 2.0: Klöppeln mit Klönschnack

Gesche Picolin
Gesche Picolin Journalistin
Apenrade/Aabenraa
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Bei dem richtigen Verdrehen, Verkreuzen, Verknüpfen und Verschlingen entstehen an dem Klöppelbrett filigrane Muster. Foto: Karin Riggelsen

Feinste Spitze aus Seidengarn, goldene Weihnachtsdekoration und Avantgarde aus Leinen: Bei der Klöppel-Gruppe in Apenrade wird sich gegenseitig bewundert und vor allem viel gehyggt.

Tove Lildholdt und ihre Klöppelschwestern – neun Damen im Alter von 52 bis 82 – treffen sich mittwochs von 9 bis 12 Uhr im Kirsebærhaven in Apenrade zum Klöppeln.

Doch ist das wirklich die ganze Wahrheit? Wird sich hier nur konzentriert, um die teilweise bis zu 286 Klöppel auseinanderzuhalten? Bei Weitem nicht. In der Klöppelgruppe wird gelacht, gelauscht und gelernt.

Es wird gegenseitig bewundert, vor allem aber wird gehyggt. „Wir können aber auch still sein“, sagt Mette Johannsen unschuldig, und dann lacht sie herzlich.

Was bis vor etwa 20 Jahren noch streng weiße Spitze war, kommt heute in allerlei Farben daher: So hat „Anfängerin“ Alice Nielsen etwa ein avantgardistisch anmutendes, in rotem Leinengarn geklöppeltes Bild einer Häuserschlucht herumgezeigt. Das Naturtalent hat tatsächlich erst vor zwei Jahren dieses Hobby für sich entdeckt.

Weihnachtsdekoration

Einige der Frauen arbeiten an Weihnachtsdekorationen, etwa den typisch geflochtenen Papierherzen – in Klöppelspitze. Denn Klöppeln dauert. So hat Tove Christiansen schon zu Jahresbeginn angefangen, ihrer Familie Weihnachtsdecken zu klöppeln. Hierbei flicht sie pro Läufer einen andersfarbigen Faden ein. „Der erste Läufer ist mit Sternen, da habe ich einen goldenen Faden benutzt. Der Zweite enthielt Weihnachtsbäume, da laufen dann grüne Fäden mit“, erläutert die fleißige Klöpplerin. Derzeit sitzt sie an der dritten Arbeit, die enthält Sterne.

„Klöppeln ist entspannend“, so Lildholdt. Sie ließ sich 1984 zur Kursleiterin ausbilden. Und sie erklärt: „Die Damen, die längere Arbeiten klöppeln, benutzen die Walze.“ Man arbeitet an einem kleinen Stück, wenn es so weit ist, wird weitergerollt.

Tove Lildholdt mit einer geklöppelten Stola. Foto: K. Riggelsen

„Man soll auch Sachen machen, in denen man nicht so gut ist.“

So etwa Birgitte Løye, sie arbeitet an einer Spitze, deren Anfang bereits aufgerollt auf dem Tisch liegt. „Ich möchte die Spitze an einer alten Handarbeit durch diese ersetzen“, so Løye, und sie fährt fort: „Ich kann das hier nicht besonders gut. Aber man soll auch Sachen machen, in denen man nicht so gut ist.“ Das habe sie von Peter Lund Madsen, dem aus dem Fernsehen bekannten Hirnforscher. Der Satz spende ihr immer wieder Trost.

Julie Toft, die vor 18 Jahren das Klöppeln anfing, sitzt an einer Spitze für ein feines Taschentuch. „Zur Konfirmation meiner Enkeltochter“, erklärt sie. Sie habe selbst eines zur Konfirmation bekommen. „Das schickte mir meine Tante mit einem Brief. Ich konnte nichts damit anfangen, aber ich habe mich immer daran erinnert.“ Denn eine so feine Handarbeit zu verschenken, wie sie es vorhat, das ist etwas Besonderes.

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