Nachtfalter

Das Taubenschwänzchen fühlt sich in Nordschleswig derzeit pudelwohl

Anke Haagensen
Anke Haagensen Lokalredakteurin
Rothenkrug/Rødekro
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Da das Taubenschwänzchen mit seinen heftig schlagenden Flügeln und seinem ausgefahrenen Saugrüssel tatsächlich Ähnlichkeit mit einem Kolibri hat, wird es auch Kolibrifalter genannt. Der Falter ist etwa fünf bis sechs Zentimeter groß. Allein der Rüssel ist drei Zentimeter lang, weshalb er auch aus langkelchigen Blumen den Nektar schlürfen kann. Foto: Scanpix

Der Nachtfalter ist eigentlich im Mittelmeerraum zu Hause. In Rothenkrug schwirren die kolibriähnlichen Tiere durch die Gärten.

„Als ich das Tier neulich zum ersten Mal an meiner Fuchsie sah, hatte ich nicht die geringste Ahnung, was das für eine Schöpfung sein könnte“, gesteht Christian Bundesen aus Rothenkrug. Dass es kein Kolibri war, wusste er jedoch sofort. „Die habe ich schon oft gesehen“, sagt der Rothenkruger. Er machte schnell ein paar Fotos und fragte über die sozialen Medien: Was ist das? Schnell war Bundesen ein großes Stück klüger. „Es handelte sich um ein Taubenschwänzchen, wurde ich aufgeklärt. Es ist nicht nur ein Schmetterling sondern, ein Nachtfalter, was mich dann doch verwunderte. Denn ich sah ihn am helllichten Tag. So ein Tier hatte ich noch nie im Leben gesehen“, gesteht er.

„Aus den Antworten auf meinen Facebook-Eintrag habe ich aber sehen können, dass ich nicht der Einzige war, dem das Tier gänzlich unbekannt war, und offensichtlich ist das Taubenschwänzchen nicht nur in meinem Garten aktiv. Denn ganz viele Rothenkruger haben ein solches Exemplar in ihren Gärten beobachten können. Ob es jetzt dasselbe Tier war oder ein anderes, kann ich natürlich nicht sagen, aber ich habe gerade erst wieder einen an meiner Fuchsie beobachten können“, erzählt Bundesen. Das Taubenschwänzchen heißt übrigens „Duehale“ auf Dänisch.

Schmetterling-Experte Morten Top-Jensen ist ein wenig neidisch. Das Taubenschwänzchen gehört nämlich zu den selten Gästen in Dänemark. „Ich weiß, dass mit dem warmen Südwind in Süd- und Ostjütland ein ganzer Schwarm von Taubenschwänzchen angekommen ist, und da wir kaum Westwind hatten, sind sie auch hier geblieben. Es sollen auch einige Tiere nach Bornholm gekommen sein, aber mir war es bisher nicht vergönnt, selbst ein Taubenschwänzchen vor die Linse zu bekommen“, sagt der Wahlbornholmer. Seit 30 Jahren interessiert er sich für Schmetterlinge. Sein Spezialgebiet sind Nachtfalter, und dazu gehört das Taubenschwänzchen, auch wenn es tagsüber mit seinem langen Saugrüssel vornehmlich langkelchige Blüten ansteuert, um sich mit Nektar zu versorgen. Bei den derzeitigen Temperaturen meidet der Nachtfalter jedoch die Mittagshitze und ist meist am frühen Vormittag oder am späten Nachmittag auf der Jagd nach labendem Blütennektar zu beobachten.

„Anders als andere Schmetterlingsarten gleiten Taubenschwänzchen nicht in der Luft, sondern müssen kräftig mit den Flügeln schlagen. Das Tier hat deshalb einen extrem hohen Energiebedarf und ist eigentlich ständig auf Futtersuche“, erzählt Top-Jensen. Aufgrund der Dürre sind in der hiesigen Natur nicht genügend Blüten zu finden, weshalb sich das Taubenschwänzchen gerne in den Blumengärten von Herrn Petersen oder Frau Jensen aufhält. „Dort werden die Pflanzen nämlich fleißig gegossen“, stellt Morten Top-Jensen schmunzelnd fest, und deshalb können die Gartenbesitzer in dieser Zeit verstärkt dieses wunderbare Schauspiel beobachten.

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