Radweg durch Gjenner

„Südliche Unterführung wäre sinnvoller gewesen“

Anke Haagensen
Anke Haagensen Lokalredakteurin
Gjenner/Genner
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Der Radweg ist seit einiger Zeit abgesteckt, und der Bagger hat in dieser Woche mit den Ausgrabungsarbeiten begonnen. Foto: Karin Riggelsen

Die Verlängerung des Radwegs durch Gjenner wird trotz Protesten durchgeführt.

Knud Strøm Nielsen, Gjenner, wundert sich, dass die Kommune Apenrade ein Radwegprojekt durchzieht, obwohl es seiner Ansicht nach nicht das richtige Projekt ist. „Ich bezweifle, dass dieses Stück des Radwegs großartig genutzt werden wird“, meint er.

Dabei hat er ganz und gar nichts dagegen, dass der Schulweg für die Kinder aus Gjenner zur Schule nach Loit Kirkeby sicherer wird. Im Gegenteil. Das ist ihm sogar ein großes Anliegen. Er ist nur der Meinung, dass die Kommune lieber eine andere Trasse hätte wählen sollen.

Die Apenrader Kommunalpolitiker haben sich für einen Zwei-Wege-Radweg entlang der Landstraße zwischen Hadersleben und Apenrade entschieden – und zwar auf der Ostseite. „Statt den Radweg zum Sønderballevej zu verlängern, wo es eine Unterführung gibt, hätte man den Radweg lieber auf der Westseite entlang bauen sollen. Eine südliche Unterführung – am Øster Løgumvej – wäre sinnvoller gewesen“, sagt Knud Strøm.

Radweg Gjenner-Loit

Die erste Etappe des Zwei-Wege-Radwegs entlang des Haderslevvej zwischen Nørbyvej und Øster Løgumvej wurde am 20. Mai 2016 eröffnet. Für die rund 1,2 Kilometer lange Strecke waren 4,1 Millionen Kronen abgesetzt.

Für die zweite, ca. 1.050 Meter lange Etappe des Radwegs (vom Øster Løgumvej im Süden Gjenners zur Genner Bygade im nördlichen Ortsende) hat die Kommune 3,25 Millionen Kronen zur
Verfügung gestellt. Im Preis enthalten sind auch kleinere Enteignungsverfahren.

„Verschwendete Steuergelder – auch meine“

„Ich habe das mal nachgemessen. Das bedeutet einen Umweg von 3,8 Kilometern – jeweils 1,9 Kilometer auf dem Hin- und auf dem Rückweg. Mir kann deshalb niemand weismachen, dass die Kinder künftig diesen Weg wählen werden“, sagt Hans Kristian Holm. Er blickt der Fertigstellung der zweiten Etappe des Radwegs von Gjenner nach Loit ähnlich skeptisch entgegen wie Knud Strøm Nielsen.

Eine Unterführung im Süden Gjenners, davon ist auch Holm überzeugt, wäre die beste Lösung gewesen, damit Kinder und Jugendliche sicher zur Schule und zum Sport nach Loit radeln können. Die existierende Unterführung im Norden des Ortes zum Sønderballevej sorgt schon seit Jahrzehnten im Sommer für einen sicheren Weg zum Strand. Diese Unterführung sollen die Einwohner von Gjenner auch künftig nutzen, wenn sie nach Loit radeln wollen, und laut den Berechnungen von Holm würde das den Weg nach Loit und zurück um 3,8 Kilometer verlängern.

Er befürchtet, dass die Radfahrer den kürzeren Weg wählen, und der beinhaltet die Überquerung des viel befahrenen Haderslevvej mit einer – nach seiner Ansicht – völlig falsch dimensionierten Verkehrsinsel in der Straßenmitte. „Die Radfahrer müssen sich quasi entscheiden, ob ihnen das Vorder- oder das Hinterrad abgefahren werden soll“, stellt er kopfschüttelnd fest.

Mangelnde Voraussicht

Holm wundert sich, dass die Kommune sich überhaupt für einen Zwei-Wege-Radweg entschieden hat, anstelle eines Radwegs auf beiden Seiten des Haderslevvej. „Hätte diese Radstraße allerdings auf der Westseite gelegen, wären weit weniger Anlieger betroffen. Jetzt waren doch einige Enteignungsverfahren nötig“, stellt Hans Kristian Holm fest. Außerdem hätte ein Radweg auf der Westseite dann auch eine Verknüpfung mit den existierenden Geh- und Radwegen im eigentlichen Ort gehabt.

Holm selbst ist nur peripher von den Enteignungen betroffen, wundert sich allerdings über die mangelnde Voraussicht der Verantwortlichen im Rathaus. Ein halbes Jahr vor Beginn der Bauarbeiten der ersten Etappe für den Radweg wurde ihm die Genehmigung erteilt, Erdwärmeleitungen zu seinem Anwesen zu verlegen. Diese Leitungen müssen nun ziemlich wahrscheinlich neu verlegt werden – auf Kosten der Kommune, damit die zweite Etappe durchgeführt werden kann.

Die Kosten schätzt Holm auf 70.000 Kronen. Das spielt bei einem Gesamtvolumen von über 3 Millionen Kronen vielleicht keine so große Rolle, aber es sind verschwendete Steuergelder – „auch meine“, so Holm. Ihm tun aber noch mehr die Nachbarn leid, die einen Großteil ihres Gartens abgeben mussten, weil der Radweg künftig hinter ihrem Haus vorbeiführt. „Sie sind künftig in ihren Gärten nicht mehr ungeniert“, stellt er fest. Für die Zukunft sieht er auch mehrere gefährliche Verkehrssituationen zwischen Fahrradfahrern und den Gästen des „Pandekagehuset“ und des Rastplatzes von Gjenner Hoel voraus, da die Radfahrer künftig über den Rastplatz geleitet werden.

„Unsere Einsprüche und Bedenken stießen leider bei den Politikern und verantwortlichen Verkehrsexperten der Kommune auf taube Ohren, und jetzt ist es zu spät. Geändert wird nichts“, so Hans Kristian Holm.

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Gwyn Nissen Chefredakteur