Abschlussfeier

Schule ist nicht das Wichtigste im Leben

Anke Haagensen
Anke Haagensen Lokalredakteurin
Apenrade/Aabenraa
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Bewegende Abschlussfeier an der Deutschen Privatschule Apenrade. Stehender Beifall für Abgängerin Line.

Es war überwiegend eine fröhliche Abschlussfeier, die am Donnerstagabend in der Aula der Deutschen Privatschule Apenrade abgehalten wurde. Es gab allerdings auch einige bewegende Worte und Momente. Stehenden Beifall gab es für die Schulabgängerin Line, die sich bei ihren Klassenkameraden und der Schule dafür bedankte, dass sie trotz einer langen Krankheitsphase wegen einer Essstörung an der Abschiedsfeier teilnehmen konnte. „Vor zwei Wochen wäre das noch undenkbar gewesen“, sagte sie. Erst fünf Minuten bevor sie an das Rednerpult trat, hatte sie den Entschluss gefasst, ein paar Worte an die Versammlung zu richten. Ihr Mut wurde mit dem großen Beifall belohnt.

„Die Unterrichtspflicht ist jetzt für euch vorbei“, sagte Schulleiterin Catarina Bartling an die Schulabgänger gewandt. „Ihr werdet an andere Schulen gehen. Nach den Sommerferien habt ihr uns womöglich schon vergessen. Aber mit 30 werdet Ihr euch sicher an die Zeit an der DPA zurückerinnern. Ihr werden euch an alles erinnern, was Spaß gemacht hat, aber auch an das, worüber Ihr geweint habt. Denkt vor allem an das, was euch glücklich gemacht hat“, lautete ihr Rat. Auch wenn alle Schüler einen guten Durchschnitt erlangt hatten, so fokussiere man in der DPA nicht nur auf das Fachliche. „Ihr habt hoffentlich auch gelernt, dass Schule nicht das Wichtigste ist“, sagte sie nicht zuletzt in Anlehnung an die Krankheitsgeschichte von Line und dem schweren Genesungsprozess.

In das gleiche Horn stieß Schulvereinsvorsitzende Anne-Sofie Dideriksen. Es bekümmerte sie ein wenig, dass alle Signale in der Gesellschaft auf einen schnurgeraden Lebensweg gestellt seien. „Für viele verläuft der Lebensweg aber nicht so gerade. Das Leben ist eine Art Kabelsalat. Fragt mal eure Eltern und Großeltern, wie sich deren Lebensweg gestaltet hat. Ihr werdet überrascht sein: Die meisten sind Irr- und Umwege gegangen“, gab sie den Jugendlichen mit auf den Weg.

„Haltet Kontakt, passt auf euch auf und passt aufeinander auf“

„Haltet Kontakt, passt auf euch auf und passt aufeinander auf – nicht nur heute Abend. Und wisst: Wir Eltern sind immer für euch da, auch wenn es manchmal nervig ist: Eltern bleiben Eltern – ihr Leben lang“, sagte Peter Mathies stellvertretend für die Eltern. Wie nervig und vor allem „peinlich“ Eltern sein können, wollte anschließend Vater Hauke Bruhn seiner Tochter Didde, die zu den diesjährigen Schulabgängern zählte, unter Beweis stellen. Allerdings gab es für sie gar keinen Grund, sich für den Vater zu schämen. Locker und humorvoll erzählte er von seiner eigenen Schulzeit an der DPA. Er ist Abgangsschüler des Jahres 1990 – „eine Zeit, als Deutschland noch Weltmeister werden konnte“, sagte der eigens für die Abschlussfeier aus Stockholm angereiste Bruhn angesichts der Tatsache, dass die deutschen Fußballer wenige Stunden zuvor nach einer 0:2-Niederlage gegen Südkorea bei der aktuellen Weltmeisterschaft in Russland schon in der Vorrunde ausgeschieden waren.

„Auch meine Eltern haben sich damals Sorgen um mich gemacht. Genau wie wir uns Sorgen um euch machen“, sagte er und bekannte, dass er heute noch schmunzeln müsse, wenn er an eine Aussage seiner damaligen Englischlehrerin denke: „,Englisch wirst du nie lernen.’ – Heute produziere ich Filme in englischer Sprache und das gar nicht so schlecht“, so Bruhn schmunzelnd.

Seine Tochter Didde Binderup Bruhn betrat übrigens später auch noch mal das Rednerpult, um als Sprecherin der Abgangsklasse 9 zu sprechen. Sie bekannte, dass nicht alle es geschafft hatten, die anfängliche Begeisterung, die sie vor zehn Jahren als Vorschüler an den Tag gelegt hätten, über die gesamte Zeit zu bewahren. „Unsere Gehirne haben hier Nahrung bekommen, aber auch unsere Herzen. Was wir jetzt wissen, wird uns später nicht ausreichen. Wissen hält nicht länger als Fisch“, zitierte sie den britischen Mathematiker Alfred North Whitehead (1861-1947). Für die Klasse 9 a sprach Jonathan Krall Andersen. Er war anders als Didde erst in der 4. Klasse an die DPA gekommen. „Ich wurde aber schnell aufgenommen und habe hier schnell meine Familie gefunden. Ich muss zugeben, dass ich die Lehrer vermissen werden. Es sind ganz einmalige Persönlichkeiten“, sagte Jonathan, „die aus einer Sitcom stammen könnten“, fügte er nach einer kleinen Kunstpause hinzu. Er schloss seine kurze Ansprache aber mit dem dicken Lob: „Ihr seid fantastisch!“

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