Visionen für die Kommunehauptstadt

Schrebergärten und andere Ideen für den Hafen

Gesche Picolin
Gesche Picolin Journalistin
Apenrade/Aabenraa
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Drei der vier Initiativträger für die Zukunft des Hafens: (v.l.) Jens Jacob Levring Madsen, Kirsten Sønderby und Anne Lildholdt Jensen. Foto: Timo Battefeld/JV

Um keinem Großinvestor in die Hände zu fallen, haben sich vier städtische Feuerseelen in einem Brief an den Apenrader Stadtrat gewandt. Sie wollen verhindern, dass die Hafenmole wie in anderen Städten zugebaut wird.

Der Apenrader Stadtrat hat Post bekommen. In ihrem Schreiben fordern die vier Absender dazu auf, einen Plan anzufertigen, für den Fall, dass der in der Stadt befindliche Industriehafen eines Tages ans Enstedtwerk ziehen wird. Das schreibt Jydske Vestkysten. Unterzeichnende sind Pröpstin Kirsten Sønderby, Künstlerin Anne Lildholdt Jensen, Kirchengemeinderatsvorsitzende Sarah Arnkjær und der Leiter der Einrichtung Rønshoved Skolehjem in Randershof, Jens Jacob Levring Madsen.


Inspiriert vom Kulturpier Aurora

Gemeinsam ist den Vieren die Liebe zur Stadt, weshalb sie sich nun in die Debatte um die Zukunft des Hafens einmischen. Sie haben sich inspirieren lassen vom Vorschlag eines Kulturpiers, den Gunnar Pedersen, Eskild Beck und Ole Weile im Herbst 2017 einbrachten (s. Visualisierung).

So sieht die Vision des Kulturpiers Aurora aus, die im Herbst 2017 vorgestellt wurde. Foto: Ole Weile

In ihrem Brief denken sie weiter und meinen, dass sowohl Schifffahrtsmuseum, die maritime Gemäldesammlung des Kunstmuseums als auch die Bibliothek künftig in ein gemeinsames Haus im Hafen ziehen sollen.

„Ausschlaggebend für uns ist, dass für den Hafen ein klarer Plan vorliegt, wenn dieser einmal kein Industriehafen mehr ist. So vermeidet man auch, der Versuchung zu erliegen, an einen Investor zu verkaufen, der in Chrom und Stahl bauen will. Ich befürchte, dass man Häfen damit zupflastern will“, erläutert Sønderby, und fährt fort: „Wir sehen Potenzial im Hafen, um Gemeinschaften für die Bürger der Stadt zu schaffen.“



Viel Potenzial im Hafen

Die engagierten Feuerseelen glauben, dass nur die Fantasie Grenzen setzt. „Ein Hafenbad, Schrebergärten, in denen man Tang anbauen kann, Hausboote, vielleicht mit einem Bed & Breakfast, Angelplätze für Gehbehinderte, Naturvermittlung, Eisladen, Gewerbe, Ateliers, Läden. Es gibt viele Möglichkeiten“, so Anne Lildholdt Jensen. Sie fährt fort: „Das Wichtigste ist, davon zu erzählen, wie die Förde stets unsere Verbindung zur Welt gewesen ist.“

Wo heute Futtermittel produziert wird, könnten künftig Schrebergärten stehen, meinen (v.l.) Anne Lildholdt Jensen, Kirsten Sønderby und Jens Jacob Levring Madsen. Foto: Timo Battefeld/JV

Ein solches Projekt ist teuer, doch Ökonomie ist im Brief der vier Visionäre kein Thema. „Natürlich ist das eine Investition, aber die kann man in Etappen vornehmen, man kann sich um Fördermittel bemühen. Dass wir nur keinem Investor erliegen“, stellt Jens Jacob Levring Madsen heraus. Derzeit besteht kein Risiko, dass der Apenrader Hafen dies tut. Denn keiner stellt den Hafen als gewerblichen Hafen infrage.



Finanzierung in den Sternen

Hierzu der Vorstandsvorsitzende des Hafens, Erwin Andresen (Schleswigsche Partei): „Es ist in Ordnung, Visionen für die Zukunft zu haben, und die haben wir auch im Stadtrat, aber es nützt nichts, Zweifel an Apenrades Hafen als Industriehafen zu säen. Wir sollten keinen Zweifel um die Arbeitsplätze schaffen, die wichtig sind für die Stadt. Wir sollten an die Unternehmen im Hafen das wesentliche Signal senden, dass sie mit Hafen und Kommune sicher an der Weiterentwicklung ihrer Firmen zusammenarbeiten können.“


Umzug ans Enstedtwerk? Zukunftsmusik

Im vergangenen Jahr übernahm der Hafen den Block EV2 am Enstedtwerk, nachdem Rimeco fertig war mit dem Abriss. Und dieser Handel hat die Bürger möglicherweise verwirrt, sodass sie dachten, dass der gesamte Hafen nun ans Enstedtwerk zieht.

„Wir ziehen ja nicht morgen um. Ich wage keine Jahreszahl zu nennen. Wir stehen in engem Dialog mit den Unternehmen, aber die müssen auch mithalten, schließlich haben sie mehrere hundert Millionen Kronen in den Apenrader Hafen investiert“, erläutert Henrik Thykjær, der Direktor des Hafens.

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