Eine Erfolgsgeschichte aus Apenrade

Auf dem Rennrad in die Zukunft

Anke Haagensen/Henrik Dürr, JV
Apenrade/Aabenraa
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2017 wurde die erste Gruppe radelnder Sozialhilfeempfänger am Apenrader Rathaus Richtung französische Alpen geschickt. Foto: Anke Haagensen

25 junge Sozialhilfeempfänger aus Apenrade sollen für eine Radtour zum legendären Alpenstädtchen Alpe d’Huez fit gemacht werden. Das Projekt soll sie nicht nur körperlich fit machen. Ein Job oder eine Ausbildung sind das eigentliche Ziel.

Ein erstes Infotreffen hat bereits stattgefunden. Im Februar soll die dritte Auflage des Apenrader Radprojekts „Unge på toppen“ beginnen. Gesucht werden 25 junge Menschen, die heute noch auf Transferleistungen von öffentlicher Hand angewiesen sind und einen kräftigen Schub in die richtige Richtung benötigen, um ihr Leben und damit ihre Zukunft in die richtigen Bahnen zu lenken.

Ein Rennrad spielt dabei eine wichtige Rolle. Am Ende des Projektverlaufs erwartet die Teilnehmer nämlich eine anstrengende Radtour in die französischen Alpen. In den kommenden Wochen werden die Teilnehmer aber nicht nur körperlich für die Anstrengungen fit gemacht. Sie verpflichten sich auch, an mehrmonatigen Praktika teilzunehmen.

Das Projekt ist eine Erfindung der Kommune Apenrade und wird ideell und finanziell von der hiesigen Wirtschaft unterstützt.

Die Erfolge aus den ersten beiden Auflagen haben die Verantwortlichen in anderen Kommunen des Landes aufhorchen lassen. Das Projekt hat bereits verschiedentlich Nachahmer gefunden.

Die Erfolgsrate von nahezu 100 Prozent hat allerdings auch positive Aufmerksamkeit verdient.

Filmteam verfolgt „Unge på toppen“

„Unge på toppen 2019“ wird zu einer Fernseh-Doku. Das Apenrader Projekt, das jungen Sozialhilfeempfängern den Weg in Ausbildung und Beruf ebnet durch die Teilnahme an einer (rad)sportlichen Herausforderung, hat landesweit aufhorchen lassen und jetzt auch das Interesse von Fernsehmachern auf sich gezogen.

Neun Programm geplant

Im ersten Jahr wurde eine Gruppe junger Sozialhilfeempfänger für die Erklimmung des berüchtigten Alpenanstiegs bei Alpe d’Huez fit gemacht. Im vergangenen Jahr radelte die nächste Gruppe nach Skagen. In diesem Jahr ist wieder der französische Alpenort das Ziel. Ein Kamerateam der Produktionsgesellschaft „Wasabi Film“ wird sich von Anfang an an die Fersen der jungen Teilnehmer heften. Geplant sind neun Sendungen, die im Herbst über TV Syd ausgestrahlt werden.

Fokus auf Apenrade

Die Tatsache, dass das Apenrader Projekt „Unge på toppen“ zu einer Fernseh-Doku werden soll, wird vom zuständigen Koordinator aufs Herzlichste begrüßt. „Das bedeutet, dass nicht nur wir der Meinung sind, dass dies das coolste Projekt der Welt ist“, sagt Thomas Sonne-Schmidt, der für die Kommune Apenrade das Projekt entwickelt hat und es begleitet. Es freut ihn auch, dass „Wasabi Film“ den Auftrag erhalten hat, für den Sender TV Syd das Projekt zu begleiten. „Es ist eine sehr fähige Produktionsfirma“, sagt er.

„Die Fernseh-Doku wird natürlich auch dazu beitragen, dass Apenrade auf die Dänemarkkarte gesetzt wird“, fügt Camilla Pedersen hinzu. Sie ist beim Apenrader Jobcenter die Ansprechpartnerin in Sachen „Unge på toppen“.

Die Erfolgsstatistik

Zweimal hat die Kommune schon jungen Sozialhilfeempfängern durch die Teilnahme an dem Radprojekt den Weg in ein selbstbestimmtes und selbstfinanziertes Leben geebnet.

Im ersten Jahr nahmen 19 junge Menschen teil. 17 von ihnen sind heute entweder in der Ausbildung oder haben eine Festanstellung. Die letzten beiden Kandidaten werden nicht etwa vergessen. Für sie gibt es einen (neuen) Plan. Sie sind auf dem richtigen Weg.

Im vergangenen Jahr wurden erneut 19 junge Menschen mit Rennrädern ausgerüstet. 14 von ihnen sind inzwischen nicht mehr auf Transferleistungen von öffentlicher Hand angewiesen. „Für die restlichen fünf sind Programme ausgearbeitet worden. Zwei beginnen im Februar eine Ausbildung, während sich die anderen drei mitten in einem Klärungsprozess befinden, um festzustellen, was für sie infrage kommt. – Ich finde, ,Unge på toppen‘ ist ein Riesenerfolg; wir haben fantastische Ergebnisse erzielt“, sagt Camilla Pedersen, Koordinatorin des Projekts im Apenrader Jobcenter. Auch der federführende Projektkoordinator Thomas Sonne-Schmidt ist äußerst zufrieden mit den Resultaten beider Projektgruppen. „Es war zudem ein fantastisches Erlebnis, mitzuerleben, dass es den jungen Menschen Erfolg gebracht hat. Viele von ihnen waren unter einem Haufen von Problemen und Herausforderungen begraben, und jetzt stehen sie auf eigenen Füßen“, freut sich der Koordinator.

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