Mobilität

Radfahrer klagen über schlechte Fahrradwege – auch in Nordschleswig

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Foto: Martin Castro/Unsplash

Dänemark ist ein Land der Radfahrer. Und auch jeder fünfte Urlauber kommt her, um zu radeln. Doch viele Strecken seien in schlechtem Zustand, bemängelt der Radfahr-Verband. „Wir würden gerne mehr tun“, räumt Stadtratsmitglied Kurt Andresen von der Schleswigschen Partei ein.

Große Schlaglöcher und schlechte Beschilderung: Die Kritik des Verbandes Dansk Cykelturisme und des Radfahr-Verbandes Cyklistforbundet in Danmarks Radio am Zustand der Radwege in Dänemark hat am Montag große Wellen im Lande geschlagen. Denn Dänemark brüstet sich damit, ein Radfahr-Land zu sein und vermarktet das auch touristisch. Im Vergangenen Jahr, berichtet DR, seien 1,7 Millionen Urlauber nach Dänemark gekommen, um Rad zu fahren – jeder fünfte Tourist also.

„Das macht es ja noch wichtiger, sich für die Radwege einzusetzen“, sagt Kurt Andresen, der für die Schleswigsche Partei (SP), die Partei der deutschen Minderheit in Dänemark, im Stadtrat und als Vize im Ausschuss für Umwelt und Technik von Apenrade sitzt. „Wir würden gerne mehr tun“, sagt er, auch im Namen des gesamten Ausschusses, der zum Thema ein Sondertreffen abgehalten hat – aber „es ließ sich einfach nicht noch mehr Geld dafür finden“.

Im Zuge der vergangenen Haushaltsverhandlungen in der Kommune habe besonders seine Partei sich dafür eingesetzt, dass neue Mittel für die Fahrrad-Infrastruktur bereitgestellt werden. Mit Erfolg. Doch die Liste der Baustellen ist länger, als die Mittel reichen.

Radfahr-Verband: Mehr Geld für Radwege muss her

Das bedauert auch Niels Dalsgaard, der Vorsitzender des Cyklistforbundet in Apenrade ist. Erst im vergangenen Jahr wurde die Abteilung Apenrade ins Leben gerufen. „Man kann sagen, dass wir sehr unzufrieden sind, und das ist ja auch der Grund gewesen, eine Lokalabteilung zu gründen. Wir würden es gerne sehen, dass die Kommune mehr Geld für Radwege, Fußgängerwege und die Instandhaltung gibt“, sagt er.

„Wir sind in Apenrade hinterher, was Radwege angeht. Darauf macht nur bisher niemand aufmerksam, und das wollen wir ändern“, so Dalsgaard. Schon die Instandhaltung der bestehenden Radwege sei schwierig, bedauert er, freut sich aber dennoch über neue Verbindungen wie den Lücken-Schluss der Nationalroute bei Bodum und den Austausch mit dem Stadtrat.

Bei Andresen und den Mitarbeitern in der Verwaltung stapeln sich unterdessen die Anträge auf Radweg-Ausbauten. „Hellewatt, Tingleff, Bollersleben, Krusau, Klipleff – das sind nur die, die mir jetzt auf die Schnelle einfallen“, sagt der SP-Politiker. Und weil es im kommunalen Haushalt kneift, könnte Geld vom Staat die Lösung sein. „Doch es ist sehr schwer, an Geld aus Cykelpuljen ranzukommen“, sagt er.

98 Kommunen ringen um Mittel aus dem Fahrrad-Topf

Cykelpuljen, dass ist der 100 Millionen Kronen schwere staatliche Topf für Investitionen in die Fahrrad-Infrastruktur. Aus dem Topf, der von der Straßenbaubehörde Vejdirektoratet verwaltet wird, können Vorhaben mit 40 Prozent mitfinanziert werden, bei kleineren Projekten sogar bis zu 100 Prozent, wenn diese einen landesweiten Effekt haben. Zuletzt hatte Apenrade 2015 Mittel für das Projekt „Padborg Skolecykelby“ aus dem Topf bekommen.

Erst im Mai hat der Umwelt- und Technikausschluss beschlossen, Rad- und Fußwege in der Kommune im Umfang von 5,65 Millionen Kronen auszubauen – Geld, das im Haushaltsvergleich 2018-2021 bereits vorgesehen war. Die größten Projekte: Am Ringvej in Rothenkrug soll eine sichere Verbindung zur neuen Hærvejsskole entstehen und ein neuer Radweg am Gl. Ribevej soll kommen, um eine Verbindung zu einem Pendlerplatz an der Autobahn zu schaffen.

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