Burkina Faso

Nora Sina und die „Goldminen“

Gesche Picolin
Gesche Picolin Journalistin
Seegaard/Kopenhagen
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Burkina Faso Foto: DN

„Der Junge geht hin und wieder zur Schule. Wenn die Eltern es sich gerade leisten können“ – als Freiwillige war Nora Sina zwei Wochen lang bei arbeitenden Kindern in Burkina Faso.

Im täglichen Leben studiert sie Politikwissenschaften an der Universität Kopenhagen. Doch im Oktober hat Nora Fuglsang Damgaard Sina zwei Wochen in Burkina Faso verbracht.

Seit 2013 ist Burkina Faso für Dänemark eines von zwölf Prioritätsländern. Eine der Zielsetzungen ist, die dortige Schulbildung auszuweiten. Etliche Kinder gehen nämlich gar nicht zur Schule: Sie arbeiten stattdessen in Goldminen. Kinderarbeit in Minen? „Das sind keine richtigen Minen“, erklärt Nora, „das sind Löcher in der Erde, und die sind bis zu hundert Meter tief.“
Von den etwa 3.000 sogenannten Goldminen in Burkina Faso gehören nur etwa neun ausländischen Gesellschaften, erzählt Nora. „Und bei denen gibt es natürlich Regeln: Da arbeiten keine Kinder. Und Alkohol ist verboten. Da gibt es Gesetze.“

Nur bei den Löchern in der Erde nicht. Die Kinder werden mit Tauen runtergelassen und müssen graben. „Und in der Regenzeit drohen diese Minen zu kollabieren“, führt Nora aus. Die 23-jährige Seegaarderin, die nebenher als studentische Mitarbeiterin im Außenministerium arbeitet, zeigte sich überwältigt von ihren Erlebnissen. Und im Rahmen der Aktion „Julekaravane“ hat sie dann im November und Dezember dänische Volksschulen besucht, um Aufklärungsarbeit zu leisten.

Drei Kindern zwei Wochen lang geholfen

Das größte Problem mit den Minen, so Nora, sei deren Umfeld: „Denn mit den Minen folgt Missbrauch und Prostitution.“ Nora hat mit anderen Freiwilligen zusammen drei Kinder zwei Wochen lang begleitet. „Das eine Mädchen geht zur Schule. Das andere Mädchen nicht, es arbeitet in einer Mine. Und der Junge geht hin und wieder zur Schule.“ Hin und wieder? „Wenn die Eltern es sich gerade leisten können.“

Die Reise hat Nora gut gefallen. Die konkrete Hilfe, die sie durch die Aufklärungsarbeit leisten kann. Und sie weiß, für wen sie sie leistet. „Das ist was anderes, als etwa Fahrradwege anzulegen.“ Aus den Erlebnissen der Freiwilligen mit den drei „Fokuskindern“ ist Unterrichtsmaterial erstellt worden für Kinder bis zur vierten Klasse. Und mit dem Material, das unter anderem aus Fotos und Videomaterial besteht, ist Nora mit der Julekaravane (Weihnachtskarawane) an 17 Volksschulen gewesen, um den Kindern dort Gemeinsamkeiten und Unterschiede einer Kindheit hier und in Burkina Faso aufzuzeigen. Das hat geholfen, sich in diese so ganz andere Welt hineinzuversetzen.

Was möchte sie einmal mit ihrem Studium beruflich machen? „Jeden Tag etwas anderes“, lacht sie, „aber diese NGO-Welt (Nicht-Regierungs-Organisation, Anm.) interessiert mich schon sehr.“

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