Neue Organistin

Nicht nur Pastoren haben etwas anzubieten

Nicht nur Pastoren haben etwas anzubieten

Nicht nur Pastoren haben etwas anzubieten

Gesche Picolin/jv
Apenrade/Aabenraa
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Lise-Lotte Kristensen ist Organistin an der Nicolaikiriche. Foto: Karin Riggelsen

Lise-Lotte Kristensen ist neue Organistin an der Nikolaikirche. Sie will ganz Apenrade zum Singen bringen, denn: „Gesang macht glücklich“, sagt sie.

Es sind spannende Zeiten für die neue Organistin der Nikolaikirche in Apenrade. Lise-Lotte Kristensen hat viel zu tun. Das heißt aber nicht, dass sie sich den Rest der Zeit ausruht.

Denn die 57-Jährige sprudelt vor Ideen. So hat sie etwa die Markttags-Konzerte maßgeblich in Gang gesetzt. Sonnabend vormittags werden somit im Juli halbstündige Orgelkonzerte in der Nikolaikirche stattfinden.
Hier soll der Geist entspannen und auftanken. Anschließend kann man sich dann wieder ins Getümmel zu stürzen oder – so sie denn scheint – die Apenrader Sonne genießen.

Kristensen will aber auch andere Konzerte organisieren, die müssen weder Kirchen- noch Orgelmusik beinhalten. Die sollen einfach nur mit dem Respekt geschehen, „dass man den Altar im Rücken hat“, so Kristensen.

Wenn sie sich am Mittwoch, 9. Januar, mit ihrem Präsentations-Orgelkonzert vorstellt, möchte sie die ganze Bandbreite der Orgelmusik zeigen. Denn, so sagt sie: „Es muss nicht immer Bach sein oder Buxtehude.“ Es wird ihr ganz persönlicher Einstand. Mit „lustiger, ja, subtiler Orgelmusik“, können sich Interessierte auf einige Überraschungen freuen. Sie stellt sich ein Neujahrskonzert vor mit feuerwerkiger Musik. Los geht es um 19.30 Uhr.

Kristensen in Aktion: Die ersten Konzerte

18. Dezember, 19.30 Uhr, Nikolaikirche:
Weihnachtskonzert mit der Nicolai-Kantorei unter der Leitung von Lise-Lotte Kristensen

9. Januar, 19.30 Uhr, Nikolaikirche:
Präsentationskonzert mit Lise-Lotte Kristensen

Aber was macht Kristensen, wenn sie nicht die Orgel spielt? Gibt es Hobbys neben der Musik? „Ja. Unsere 16 Enkelkinder.“ Mit denen zu tun haben, das hält Kristensen auf Trab. Und so hat sie bisher auch hauptsächlich Kinderchöre dirigiert. Jetzt hat sie zwei Erwachsenenchöre. Den Højmessekor und die Kantorei der Nikolaikirche. Kristensen lacht: „Ich habe die Seite gewechselt.“

Die Stadt soll singen

Ihre Chöre sind ihr ein Anliegen. Sie wünscht sich, dass die Stadt zu singen anfängt. „Es ist richtig schwer, sauer zu sein, wenn man singt“, weiß sie und stellt fest: „Gesang macht dich glücklich.“

In der Begegnung mit der Musikerin kommt die Philanthropin zum Vorschein. Kristensen sagt: „Ich liebe es, auf unterschiedliche Menschen zu treffen. Und deren Geschichten anzuhören. Das empfinde ich als Geschenk.”
Lise-Lotte Kristensen kommt aus einer landwirtschaftlichen Familie aus Djursland. Durch den elterlichen Hof lernte sie die Natur lieben, lernte Wind und Wetter kennen. Die Finger in die Erde zu stecken und mit den dortigen Lebensbedingen zurechtzukommen.

So erinnert sich Kristensen etwa an Trockenzeiten. Als irgendwann, in einem Kindheitsfrühling mitten in der Nacht der Donner kam. Und mit dem kam der Regen.

Kristensen wollte Pianistin werden. Jetzt spielt sie die Orgel in Sankt Nikolai. Foto: Karin Riggelsen

Und wenn sie so erzählt, dann sieht man das Nesthäkchen Lise-Lotte, wie es mit seinen drei größeren Geschwistern in den Regen raus läuft auf den Hof. „Wir Kinder standen alle im Regen“, strahlt sie. „In der Gegend war überall Sandboden, und so versickerte der Regen ganz schnell.“

Übrigens war Kristensen dann schon als Teenager an der Orgel zu finden. Als sie 15 Jahre alt war, fehlte in der Kirche der Organist. Lise-Lotte konnte Klavier spielen. „Ich wollte eigentlich Pianistin werden, habe alle großen Werke gespielt, aber Orgelmusik hat mich immer fasziniert“, und so stieg sie von Klavier auf Orgel um.

„Toll aufgenommen worden“

Die neue Organistin der Nikolaikirche hat am 1. November angefangen. Über ihre Arbeit in Apenrade sagt sie: „Ich bin ganz toll aufgenommen worden. Aber es gibt auch noch richtig viel zu lernen.“

Eingezogen ist Kristensen in ein kleines Haus gegenüber der Kirche. Doch das ist eigentlich nur als Übergang gedacht. Denn Kristensens Mann, Tom Ahlmann, hat eine Pastorenstelle in Djursland inne. Beide hoffen, dass er sie bald mit einer Stellung in Nordschleswig tauschen kann. „Wir drücken die Daumen, denn wir wollen ja nicht jeder in seiner Ecke des Landes sitzen.“ Kristensen hat darum auch nur Tisch und zwei Stühle, ein Bett sowie ein Sofa dabei gehabt.

Und dann sind da natürlich die zehn Umzugskartons voller Noten. In denen sie demnächst aufräumen will. Doch das eilt nicht. Denn sie muss auch erstmal ihr neues Instrument, die Marcussenorgel in Sankt Nikolai, kennenlernen.

„Ich bin erstaunt, wie viele hereinkommen, eine Kerze anzünden und sich in Stille hinsetzen. Das ist aber auch ein wirklich toller Kirchenraum“, schwärmt die Organistin von ihrem neuen Arbeitsplatz.
Zu ihrem Beitrag zum Gottesdienst sagt sie: „Wo das Wort aufhört, fängt die Musik an. Nicht nur Pastoren haben etwas anzubieten.“

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