Neue Zeiten fürs Folkehjem

Neues Konzept für „Nordschleswigs Versammlungshaus“

Neues Konzept für „Nordschleswigs Versammlungshaus“

Neues Konzept für „Nordschleswigs Versammlungshaus“

Anke Haagensen
Anke Haagensen Lokalredakteurin - Apenrade
Apenrade/Aabenraa
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Hanne Sennels und Thomas Andresen vor dem Apenrader Folkehjem.
Hanne Sennels und Vorstandsvorsitzender Thomas Andresen vor dem Balkon, von dem 1918 der dänische Politiker H. P. Hanssen seine historische Rede hielt, in der er forderte, dass die schleswigsche Frage durch eine Volksabstimmung geklärt werden müsse. Foto: Anke Haagensen

Ein Defizit in Höhe von einer halben Million Kronen hat den Vorstand des Apenrader Folkehjems bewogen, den Betrieb des Hauses zu verändern. Gesucht wird jetzt ein Pächter für das historische Gebäude.

Das Apenrader Folkehjem hat das Jahr 2018 mit einem Defizit in Höhe von einer halben Million Kronen abgeschlossen. Da das Haus auch in den Vorjahren nicht wirklich einen Überschuss hat erwirtschaften können, hat der Vorstand des Folkehjems unter dem Vorsitz von Apenrades Bürgermeister Thomas Andresen (Venstre) beschlossen, das Konzept zu ändern: Künftig soll der geschichtliche Vermittlungsauftrag vom Restaurant- und Konferenzbetrieb getrennt werden. Wunschszenario des Vorstandes wäre es gewesen, wenn die jetzige Leiterin des Hauses, Hanne Sennels, den Gastronomieteil als Pächterin übernimmt, da man mit ihrer Arbeit in den vergangenen sechs Jahren sehr zufrieden gewesen ist – trotz des Defizits. Das Angebot hat die 50-Jährige ausgeschlagen. Sie verlässt das Folkehjem mit Ausgang des Monats Juni.

„Das ist bedauerlich. Es ist vornehmlich Hanne Sennels und ihrer aktiven Familie zu verdanken, dass das Folkehjem wieder zu einer attraktiven Adresse in Nordschleswig geworden ist“, so der Vorstandsvorsitzende und Bürgermeister. Dazu hat sicherlich auch beigetragen, dass in den Tagungs- und Versammlungsräumen neue Konferenztechnik installiert werden konnte, die den heutigen Ansprüchen genügt. Auch hier war Hanne Sennels die treibende Kraft. In Zusammenarbeit mit dem Vorstand und engagierten Ehrenamtlern ist es gelungen, dem Haus entsprechende Mittel von außen zuzuführen, denn aus dem eigenen Haushalt waren diese Anschaffungen nicht zu tätigen.

Gut gefülltes Auftragsbuch

Das Auftragsbuch für die nächsten Monate und Jahre ist schon gut gefüllt. Hanne Sennels wird bis zum Ende ihrer Vertragslaufzeit auch weiter wie gewohnt fleißig Akquise betreiben. Das Buch wird dem künftigen Pächter selbstverständlich übertragen. Thomas Andresen garantiert, dass sämtliche eingegangenen Absprachen auch eingehalten werden.

Das Apenrader Folkehjem sieht sich selbst als Versammlungshaus Nordschleswigs. In jedem Winkel des Hauses weht der Hauch der Geschichte. So ist es, und so soll es auch künftig sein. Die Geschichtsvermittlung sieht der Vorstand des Folkehjems auch künftig als seine vornehmste Aufgabe. „Unsere Aufgabe ist es nicht, Kaffee auszuschenken. Das können gerne andere machen“, formuliert es der Vorstandsvorsitzende.

Auf dem heutigen Parkplatz vor dem Gebäude soll demnächst ein schöner Gedenkpark entstehen. Hier sollen 2020 auch zentrale Feiern zum sogenannten „Wiedervereinigungsjubiläum“ Bei der Gelegenheit soll auch ein gemeinsamer Eingangsbereich für Bibliothek und Folkehjem geschaffen werden. Davon erhoffen sich sowohl Bibliothek als auch Folkehjem einen Synergieeffekt. „Ich könnte mir einen gemeinsamen Empfang mit Personal vorstellen, das die Besucher dann auch gleich in die richtige Richtung weist“, so Andresen.

Kündigung als Chance

Ganz so zuversichtlich wie der Vorstand ist Hanne Sennels nicht, dass ein Pächter gefunden werden kann, der das Haus wirtschaftlich betreiben kann. Aus diesem Grund hat sie das Pachtangebot auch für sich abgelehnt. „Es ist eine harte Branche. Die Konkurrenz ist groß“, stellt sie fest. Sie sieht eine größere Chance darin, dass ein bestehender Gastronomiebetrieb das Catering und den Konferenzbetrieb übernimmt. Ein gemeinsamer Versuch von Røde Kro und Sønderjyllandshalle scheiterte vor Jahren. Allerdings sind die Voraussetzungen heute durch die Investitionen in den vergangenen Jahren ungleich besser. „Das Mobiliar im Restaurant müsste aber dringend mal ausgetauscht werden. Davon habe ich den Vorstand bislang noch nicht überzeugen können“, sagt Sennels mit einem Schmunzeln. Für sich persönlich sieht sie ihre Kündigung als Chance, ein neues berufliches Tätigkeitsfeld zu finden – gegebenenfalls auch in einer komplett anderen Branche. „Ich bin froh, dass die Sache jetzt publik ist. Denn jetzt kann ich auch mein großes Netzwerk anzapfen. Vorher war das ja nicht möglich“, sagt sie.

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