Apple kommt nach NORDSCHLESWIG

Nachbarn von Apples Rechenzentrum: Wir wurden nicht gefragt

cvt/Ritzau
Apenrade/Aabenraa
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So soll das Rechenzentrum in Kassö laut Apple aussehen. Foto: dpa/Apple

In Apenrade und ganz Dänemark wurde über das neue Apple-Rechenzentrum in Kassö gejubelt. Doch zwei Nachbarn finden die Angelegenheit gar nicht witzig: Sie seien nicht ausreichend informiert worden, sagen sie und machen der Kommune Apenrade Vorwürfe

In Apenrade und ganz Dänemark wurde über das neue Apple-Rechenzentrum in Kassö gejubelt. Doch zwei Nachbarn finden die Angelegenheit gar nicht witzig: Sie seien nicht ausreichend informiert worden, sagen sie und machen der Kommune Apenrade Vorwürfe.

Politik und Wirtschaft haben das neue Rechenzentrum des Weltkonzerns Apple bei Apenrade am Montag abgefeiert – und Steffen Bau, der 150 Meter von dem geplanten Großprojekt entfernt wohnt, fühlt sich übergangen. „Ich freue mich natürlich, dass hier was passiert. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass man an uns Anwohner gedacht hat“, sagt er.

Im Herbst hatte Steffen Bau erfahren, dass das große Gebiet am Umspannwerk verkauft wurde. Aber wofür das Grundstück, das an sein eigenes grenzt, genutzt werden soll, wurde ihm nicht gesagt. Eine Ungewissheit, die ihn und seine Familie belastet hat. „Uns wurde mitgeteilt, dass wegen der Bauarbeiten mehrere Hundert Lastwagen jeden Tag bei uns vorbeifahren würden“, sagt Bau. „Wenn wir unser Haus jetzt an eine Familie mit Kindern verkaufen wollen, wird das unmöglich. Ich würde auf jeden Fall nein sagen, wenn ich die wäre.“

Die erste Bauphase soll 2019 fertig sein und um die sechs Milliarden Kronen kosten. Rund 300 Jobs sollen auf der Baustelle entstehen, im laufenden Betrieb des Rechenzentrums sollen dann 50 bis 100 Angestellte beschäftigt sein.

„Es ist ja schön, dass Leute beschäftigt werden, aber viel mehr als die 100 werden es ja auch nicht. Man sollte die jubelnden Arme also vielleicht langsam wieder herunternehmen“, sagt Bau.

„Es wird ja nicht lustig werden, mit so einem Nachbarn im Garten zu grillen“

Auch sein Nachbar Claus Lorenzen fühlt sich schlecht informiert. Er wird etwa 200 bis 300 Meter entfernt von dem Zentrum leben. „Wir haben nie darüber gesprochen, umziehen zu wollen und haben darauf gewartet, dass uns gesagt wird, was gebaut wird. Jetzt überlegen wir umzuziehen, denn es wird ja nicht lustig werden, mit so einem Nachbarn im Garten zu grillen.“

Bau und Lorenzen hätten sich auf ein ökonomisches Zuckerbrot seitens der Kommune gefreut. Doch es gibt auch positive Stimmen aus der Nachbarschaft. „Kann doch sein, dass man bei ihnen Arbeit findet. Dann kann ich einfach über die Straße gehen“, sagt Jens Christian Clausen zu JydskeVestkysten.

Bürgermeister Thomas Andresen (Venstre) kann den Unmut nachvollziehen. „Ich verstehe die Frustrationen durchaus, aber wir werden kein ökonomisches Zuckerbrot verteilen. Der Bau hält sich an die Respektszone von 150 Metern, Enteignung steht also nicht zur Debatte“, sagt er.

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