Nach Facebook-Beitrag

Mitglieder im Hauptvorstand geben dem BDN-Vorsitzenden Rückendeckung

Mitglieder im Hauptvorstand geben dem BDN-Vorsitzenden Rückendeckung

Mitglieder im Hauptvorstand geben dem BDN-Vorsitzenden Rückendeckung

Apenrade/Aabenraa
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Foto: K. Riggelsen

DF-Politiker Ejler Schütt verlangt nach einem geteilten Nazi-Vergleich bei Facebook den Rückritt des BDN-Hauptvorsitzenden Hinrich Jürgensen. Sowohl die BDN-Vorstandsmitglieder als auch eigene Partei-Kollegen in Kopenhagen halten allerdings nichts von der Forderung.

„Hinrich Jürgensen sollte zurücktreten“: Mit dieser Forderung sorgte der Vorsitzende der Dänischen Volkspartei (DF) in Apenrade, Ejler Schütt, am Donnerstag sowohl bei Mitgliedern des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) als auch bei eigenen Partei-Kollegen für Irritation – und auch für Ablehnung.

„Das ist einzig und allein die Meinung von Ejler“, so Jan Rytkjær Callesen, DF-Parlamentsabgeordneter in Kopenhagen und Mitglied des Kontaktausschusses, zum „Nordschleswiger“.

Schütt verlangte im Interview mit der Zeitung „JydskeVestkysten“ Jürgensens Rücktritt, nachdem dieser vor zwei Wochen einen Facebook-Beitrag geteilt hatte, in dem Vergleiche in der Rhetorik zwischen der Dänischen Volkspartei und Aussagen Hermann Görings gezogen werden.

Unterstützung von Vorstandskollegen

Vom Hauptvorstand des BDN erhält der Hauptvorsitzende breite Unterstützung. „Sicherlich ist es nicht glücklich gewesen, den Post zu teilen, aber Hinrich hat sein Handeln erklärt und vor allem: Er hat sich entschuldigt. Ich finde es schade, dass in einer solchen Sache das Eingestehen und Bedauern eines Fehlers nicht genug sein kann und immer nach weitreichenden Konsequenzen geschrien wird. Hinrich leistet für die Minderheit unheimlich viel und ist immer bemüht, auch Dialog und Zusammenarbeit mit der Mehrheit zu suchen und zu fördern. Als Mitglied des Hauptvorstandes stehe ich voll hinter ihm“, sagt Jasper Andresen auf Anfrage des „Nordschleswigers“.

Scharfe Reaktionen

Er finde diesen Beitrag unglaublich widerwärtig. Auch wenn der Beitrag entfernt worden sei, sei der Geist aus der Flasche und die Luft verpestet, so die Aussage von Ejler Schütt.

Nicht nur die Forderung, auch die Wortwahl des DF-Politikers sorgt bei anderen BDN-Vorstandsmitgliedern für Unmut – und ruft scharfe Reaktionen hervor. Der Nordschleswiger hat Donnerstag eine Mailanfrage an alle Hauptvorstandsmitglieder geschickt, wie sie zu der Forderung von Schütt stehen. Acht von 21 Mitglieder hatten sich am Freitagmorgen gemeldet – alle stehen sie voll und ganz hinter ihrem Vorsitzenden:

„Auf keinen Fall wollen wir uns von Hinrich trennen. Ich denke, es wäre besser für DF, wenn sie sich von Ejler Schütt trennen. Genau diese Art von Hetze ist es, die unsere Bevölkerung spaltet“, sagt Pressevereinsvorsitzende und BDN-Hauptvorstandsmitglied Elin Marquardsen.

Ihr Kollege, der Vorsitzende des Sozialdienstes, Gösta Toft, meint: „Ich sehe überhaupt keinen Grund, auf die Forderung von Ejler Schütt einzugehen. DF vergreift sich in den Medien oft im Ton. Wenn ihre Politiker dann jedes Mal zurücktreten sollten, würden sich die Reihen erheblich lichten. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!“

"Natürlich bin ich dagegen, dass Hinrich zurücktreten muss", sagte die Kulturvorsitzende Marion Petersen, während Peter Asmussen, Vorsitzender der deutschen Büchereien, „100 prozentiges Vertrauen“ in den Hauptvorsitzenden hat. „Das Ding ist aufgebauscht im besten Trump-Stil. Das ist Fake News von Ejler Schütt. Ich kenne Hinrich Jürgensen und weiß wofür er steht“, sagt Asmussen.

Hans-Iver Kley aus Hadersleben bezeichnet die Rücktrittsforderungen als "unvorstellbar und unverständlich": "Hinrich ist und bleibt unser Vorsitzender." Der Vorsitzende des Ruderverbandes NRV, Günther Andersen, meint: "Die Forderung kann man doch nicht ernst nehmen."

In vielen Positionen uneins

Der Stellvertreter Jürgensens, Olav Hansen, meint, dass die Aussagen des DF-Mannes deutlich zu weit gehen. „Ich halte die Forderung für absolut überzogen. Wir sind als Personen und als Organisation mit vielen Positionen der Dänischen Volkspartei sehr uneins. Mehr als mit den Positionen anderer Parteien. Ich denke, hier wird gerade von einzelnen DF Vertretern eine Gelegenheit genutzt, uns in die Grenzen zu weisen.“

Auch wenn sich Hinrich Jürgensen medial entschuldigt und sein Handeln als „riesigen Fehler“ bezeichnet habe, hätte er sich erhofft, dass Jürgensen oder der BDN sich offiziell bei DF entschuldigt hätten, sagt Jan Rytkjær Callesen. „Dann wäre die Sache für mich auch endgültig vergessen.“

Ob der BDN tatsächlich eine offizielle Entschuldigung verfassen wird, ist noch unklar. „Hinrich hat sich mehrmals entschuldigt. Wir werden das Thema aber bei der kommenden Hauptvorstandssitzung noch mal aufgreifen“, so BDN-Kommunikationschef Harro Hallmann.

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