Handwerk

Ein Mann mit Scharfsinn

Ein Mann mit Scharfsinn

Ein Mann mit Scharfsinn

Feldstedtholz/Felstedskov
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Mads Schmidt hat in der ehemaligen Garage seines Hauses an der Strandgade in Feldstedtholz einen Schleifservice eingerichtet. Foto: Karin Riggelsen

„Mir ist eigentlich noch nie ein Messer untergekommen, bei dem sich das Schärfen nicht gelohnt hat“, sagt Mads Schmidt, der sich ein kleines Zubrot verdient, indem er stumpfe Messer wieder auf Zack bringt.

Mads Schmidt aus Feldstedtholz hat auf seine „alten Tage“ eine neue Berufung gefunden: Er schärft stumpfe Messer, Scheren und sonstige Klingen.

Der heute 72-Jährige ist auf einem Bauernhof in Perebüll (Perbøl) bei Behrendorf (Bjerndrup) aufgewachsen. Er hat ursprünglich das Tischlerhandwerk gelernt. Anschließend machte er eine Ausbildung als Baukonstrukteur. Nach vielen Jahren in diesem Beruf war er bis zu seiner Pensionierung im kommunalen Jobcenter tätig.

Seine weiter berufstätige Frau Hanne hatte damals die Vorstellung, dass ihr Gatte künftig den Haushalt schmeißen sollte. Er war auch gewillt und motiviert, doch die stumpfen Messer in der Küchenschublade machten ihm die Arbeit schwer. „Und mit dem Wetzstahl kam ich nicht richtig zurecht“, gesteht er.

„Sliberiet“

Der Messerschärferservice von Mads Schmidt, „Sliberiet“, befindet sich an der Strandgade 26 in Feldstedtholz (Postleitzahl 6200 Aabenraa), auf dem Weg zum Ausflugslokal „Krusmølle“ (rund 200 Meter entfernt).
Er ist unter der Telefonnummer +45 30346602 sowie unter der Mailadresse madsschmidt26@gmail.com erreichbar. Auch auf Facebook ist Mads Schmidt zu finden. Sein Account heißt Sliberiet Aabenraa.
Die komplette Preisliste ist der Homepage www.sliberiet.net zu entnehmen. Die Preise bewegen sich von 25 bis 60 Kronen. Gestaffelt nach Größe und Schwierigkeitsgrad. Bezahlt wird entweder in bar oder mit MobilePay.

Verpflichtende Investition

Schmidt kaufte sich deshalb eine professionelle Schleifmaschine – „für 6.500 Kronen“, stellt er augenzwinkernd fest. Er hatte aber schnell den Bogen raus und konnte sich alsbald rühmen, die schärfsten Messer in der Küchenschublade zu haben.

Damit sich der Anschaffungspreis zumindest ideell „amortisiert“, bot Schmidt zunächst den Nachbarn seine Dienste an – natürlich kostenlos – und nachdem auch die alle versorgt waren und seine Arbeit lobten, traute er sich, bei seiner Quasi-Nachbarin Nina Loff vom Ausflugslokal „Krusmølle“ anzufragen, ob er auch mal für sie ein paar Messer schärfen solle.

Dieses Bandschleifgerät wird nur für ganz schwere Fälle eingesetzt, nämlich dann, wenn richtig tiefe Kerben in die Klinge gekommen sind. Foto: Karin Riggelsen

Der Weg zur Geschäftsidee

Die Gastronomin zögerte keine Sekunde, und mit einem ganzen Arsenal von Küchenmessern schickte sie ihn nach Hause. „Es gab in der Nähe einfach keinen Scherenschleifer. Sie musste ihre Messer nach Kopenhagen schicken und erhielt sie dann erst nach mehreren Wochen wieder zurück“, erzählt Schmidt.

Bei ihm reifte eine Geschäftsidee. Er kaufte sich eine zweite Schleifmaschine, montierte sie in einem Transporter und fuhr damit über Land. Das war vor acht Jahren. Seine Fähigkeiten machten schnell die Runde. Namhafte Restaurants und Großküchen in der Umgebung zählten zu seinen Kunden. In Zusammenarbeit mit professionellen Köchen hat er eine Schleiftechnik entwickelt, die es ihm ermöglicht, Messer so zu schärfen, dass die Klinge bei richtiger Pflege bis zu zwei Jahre in Form bleibt.

Diese Vorrichtung ist eine Erfindung von Mads Schmidt. Die beiden Stahlstangen sind exakt im 20-Grad-Winkel angeordnet. Die Klingen kommen bei jedem Gebrauch etwas aus der Form – mit einigen festen Zügen gegen die Metallstangen wird die Klinge wieder gerade, wird aber nicht geschärft. Wenn das Messer geschärft werden soll, wird das Wetzstahl einfach im gleichen Winkel in die dazu vorgesehene Mulde gestellt, bevor das Messer mit festem Griff, aber ohne viel Druck, daran entlanggezogen wird. Schmidt hat praktischerweise einen starken Magneten in das Holzbrettchen eingearbeitet, so bleiben die Stahlstangen und das Holzstück beieinander, auch wenn es auseinandermontiert in der Küchenschublade aufbewahrt wird. Foto: Karin Riggelsen

Klingengeometrie

„Bei jeder Anwendung kommt die Klinge ein wenig aus der Form, deshalb habe ich eine kleine Anordnung entwickelt, wie man sie selbst wieder gerade bekommt“, sagt er und zeigt auf ein kleines Holzbrettchen, aus dem zwei schräg gesetzte Metallstangen ragen – im 20-Grad-Winkel.

Das ist laut Schmidt die ideale Klingengeometrie. 15-Grad-Winkel geben zwar die schärfere Klinge, machen das Messer allerdings auch anfälliger. Das sind Erfahrungswerte, die der 72-Jährige gerne teilt.

Erst macht Mads Schmidt die Klinge wieder gerade. Anschließend setzt er sich an die Schleifmaschine (links im Bild), die er vor acht Jahren kaufte. Es sei denn, das Messer muss – wie bei diesem Beispiel – einer intensiver behandelt werden. Für diese Fälle hat er ein Bandschleifgerät im hinteren Teil seiner Werkstatt. Foto: Karin Riggelsen

Inserieren nicht nötig

Seit einer Herz-Operation bietet er nicht mehr den fahrenden Sofort-Schleifservice an. Wer sein Messer oder seine Schere geschärft haben möchte, muss zu ihm nach Feldstedtholz an die Strandgade kommen.

„Ich habe auch eine Zeit lang nicht mehr inseriert, aber durch die Mundpropaganda und übers Netz finden mich die Leute noch immer“, freut sich Mads Schmidt.

Eigentlich hätte Mads Schmidt komplett den Haushalt schmeißen sollen, als er vor Jahren in Rente ging. Inzwischen verdient er sich ein kleines Zubrot als Scherenschleifer, und Ehefrau Hanne ist auch mit dieser Lösung mehr als zufrieden. Foto: Karin Riggelsen

Berufstipp: Scherenschleifer

Wenn er mal nicht zu Hause ist, weil er mit seinem E-Bike unterwegs ist, können Kunden ihre Messer und Scheren in eine Kiste vor der ehemaligen Garage des Hauses an der Strandgade legen, dann kümmert er sich drum, wenn er wieder zu Hause ist.

Schließlich ist es für ihn kein Vollzeiterwerb, sondern eher eine Art Hobby, mit dem er ein kleines Zubrot verdient.

Man könnte mit dem Schleifservice durchaus seinen Lebensunterhalt bestreiten, wenn die Qualität der Arbeit stimmt.

Mads Schmidt, Messerschärfer

„Allerdings könnte man mit dem Schleifservice durchaus seinen Lebensunterhalt bestreiten, wenn die Qualität der Arbeit stimmt“, sagt er. Dann kommen die Kunden wieder, ist er überzeugt.

Die Qualität der Küchenmesser hat in den vergangenen Jahren zugenommen, meint Mads Schmidt ganz klar festgestellt zu haben. Er führt das nicht zuletzt auf die gewachsene Zahl der Hobbyköche zurück.

„Ich hatte erst kürzlich einige Messer im Gesamtwert von mindestens 30.000 Kronen auf dem Tisch“, erzählt er.

Damit ihm die Messer nicht verrutschen und exakt im richtigen Winkel geschliffen werden, hat Mads Schmidt sich eine weitere Vorrichtung gebastelt, die er hier präsentiert. Etwas Ähnliches gibt es auch käuflich zu erwerben, aber das war ihm nicht gut genug. Foto: Karin Riggelsen

Guter Stahl wird nie zu alt

„Mir ist aber eigentlich noch nie ein Messer untergekommen, bei dem sich das Schärfen nicht gelohnt hat“, fügt Mads Schmidt hinzu. „Natürlich hat es Zeiten gegeben, in denen minderwertiger Stahl verwendet wurde. In den Fällen rate ich auch vom Schleifen ab, aber generell kann ich sagen, dass guter Stahl nicht schlechter wird, nur weil er alt ist“, unterstreicht er.

Guter Stahl wird nicht schlechter, nur weil er alt ist.

Mads Schmidt, Messerschärfer

Allerdings gibt es auch da eine kleine Einschränkung. „Wenn Stahl erst einmal ,blau’ geworden ist, dann ist das Messer für den Müll“, sagt der 72-Jährige. Das Tückische dabei ist, dass die vermeintliche Blaufärbung nicht wirklich sichtbar ist. Es ist vielmehr ein Ausdruck dafür, dass ein Messerschärfer seine Arbeit nicht sorgfältig genug gemacht hat. „Das Messer ist beim Schleifvorgang einfach zu heiß geworden“, erläutert Schmidt den Fachausdruck. Zu viel Hitze durch Reibung zerstört den Stahl – und zwar nachhaltig. Er kann das aber spüren und würde dem Besitzer reinen Wein einschenken.

Immer wieder beäugt Mads Schmidt fachmännisch das Messer, aber letztendlich entscheiden seine Finger, ob er zufrieden ist oder nicht. Foto: Karin Riggelsen

Ätznatron

Natriumhydroxid (chemische Formel NaOH) ist ein chemischer Grundstoff, der unter anderem in Maschinenspülmittel Verwendung findet. Es ist auch als Ätznatron und kaustisches Soda (dänisch: kaustisk soda) bekannt.

Apropos nachhaltig

Der Nachhaltigkeitsgedanke ist ein weiterer Aspekt, der dem Scherenschleiferberuf eine Renaissance beschert hat. Wegwerfgesellschaft war gestern: Bei den jüngeren Generationen genießt die Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert. Es wird lieber ein teures Messer gekauft, das anschließend gut gepflegt wird, statt alle paar Jahre ein neues Messerset für den gleichen Preis.

In unserem Maschinenspülmittel ist Ätznatron enthalten. Das greift die Klinge an und macht sie stumpf

Mads Schmidt, Messerschärfer

Apropos Pflege

„Steckt eure Messer nicht in die Spülmaschine“, lautet der fast flehende Rat des Fachmannes. „In unserem Maschinenspülmittel ist Ätznatron enthalten. Das greift die Klinge an und macht sie stumpf“, sagt Schmidt. Da in Industriespülmaschinen, wie sie meist in Restaurants oder Großküchen verwendet werden, kein Ätznatron enthalten ist, können Messer deshalb dort gerne mitgespült werden, zumindest nimmt die Klinge keinen Schaden. Eine andere Sache ist der Griff. „Es gibt einige Kunststoffe, die durch die Verätzung auf die Dauer fast schleimig werden. Ich habe selbst eine Bratengabel, die schon des Öfteren in der Spülmaschine landet. Die fasst sich inzwischen fast klebrig an“, gesteht Mads Schmidt.

Fotografin Karin Riggelsen präsentierte dem Scherenschleifer dieses „Sorgenkind“. Sie hatte aus Versehen ein Elektrokabel auf dem Küchentisch durchgeschnitten. Das Malheur hinterließ beim Messer diese Kerbe. Foto: Karin Riggelsen

Messerretter Schmidt

„Ist dieses Messer noch zu retten?“ Auf diese Frage von Fotografin Karin Riggelsen, die Mads Schmidt eines ihrer teuren Küchenmesser mit einer deutlichen Kerbe mitten in der Klinge hinhält, antwortet er mit einem vielsagenden Lächeln: „Ja, natürlich!“

Um diese Kerbe zu entfernen, muss das Klingenblatt allerdings um ungefähr fünf Millimeter gekürzt werden.

Meine Spülbürste hatte anschließend kaum noch Borsten.

Karin Riggelsen, Fotografin, „Der Nordschleswiger“

Mads Schmidt bewegt sich in den hinteren Bereich der ehemaligen Garage, wo er seine Schleifwerkstatt eingerichtet hat. Dort steht sein Bandschleifer. Nach wenigen Sekunden ist die Kerbe schon deutlich weniger geworden. Allerdings ist hier besonderes Fingerspitzengefühl gefragt, weil der Klingenstahl bei dieser Behandlung tatsächlich leicht überhitzen kann und dann für immer verdorben wäre. „Und das wäre ja schade um das gute Messer“, findet er. Tatsächlich schafft er es, das Messer wieder in Form zu bringen. Wie scharf es geworden ist, stellt die Fotografin zu Hause fest, als sie es nur kurz abspülen will. „Meine Spülbürste hatte anschließend kaum noch Borsten“, sagt sie lachend.

So sieht das Messer aus, nachdem Mads Schmidt es geschliffen hat. Die Klinge ist jetzt etwas schmaler, aber – im wahrsten Wortsinn – messerscharf, wie die Besitzerin beim anschließenden Abspülen bemerkte. Die Spülbürste wurde nahezu skalpiert. Foto: Karin Riggelsen

Nahezu alles, was eine Klinge hat, kann Mads Schmidt wieder in Form bringen und schärfen.

Das gilt für Jagdmesser ebenso wie für Garten- oder Friseur-Scheren.

Was letztgenannte Gattung angeht, hat Schmidt in enger Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Friseurmeister in Apenrade die richtige Technik entwickelt. „Das war ein spannender Prozess, bis er ganz zufrieden war“, erinnert sich Schmidt. Inzwischen lässt der Friseur nur ihn an seine Scheren.

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