Schützengilde

Knietief verwurzelt

gp/aha
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
Eingerahmt vom neuen Ältermann der Apenrader Schützengilde, Schlachtermeister Hans Henrik Johansen, und dessen Stellvertreter, Bankdirektor Lars Frank Jensen, nimmt Vorjahreskönig Jørn Andersen vor dem alten Rathaus die Parade ab, um dann dem traditionellen Umzug durch den Ort voranzuschreiten. Foto: Paul Sehstedt

Der Nordschleswiger Nis-Edwin List-Petersen hielt in seiner Rede zum Königsschießen der Apenrader Schützengilde eine Liebeserklärung an Apenrade. Es habe ihn überrascht, wie viel Liedgut es zur Stadt Apenrade und deren Schützengilde gebe.

Der Nordschleswiger Nis-Edwin List-Petersen hielt in seiner Rede zum Königsschießen der Apenrader Schützengilde eine Liebeserklärung an Apenrade. Es habe ihn überrascht, wie viel Liedgut es zur Stadt Apenrade und deren Schützengilde gebe.

„Ich freue mich schon darauf, euch im kommenden Jahr erneut hier empfangen zu können“, sagte Apenrades Bürgermeister Thomas Andresen (Venstre) beim traditionellen Empfang der Schützengilde im Bildersaal des alten Rathauses an die Mitglieder der Apenrader Schützengilde gewandt und erntete mit dieser Aussage sowohl Zustimmung als auch einiges Gelächter. Schließlich finden im November dieses Jahres Kommunalwahlen statt; wer die Schützen im nächsten Jahr in dem schön renovierten alten Rathaus empfangen darf, wird dort noch entschieden. Das weiß natürlich auch Thomas Andresen. Er gab sich jedoch selbstbewusst.

Der Bürgermeister hatte zudem in seiner kurzen Ansprache an die Schützen versucht, die Sanierung von Rathaus und Innenstadt auf seinem persönlichen Erfolgskonto zu verbuchen; der neue Ältermann der Schützengilde, Schlachtermeister Hans Henrik Johansen, reagierte jedoch schnell und meinte, dass das Lob für die Farbe an den Wänden, die schöne Eichenholztreppe und die sonstigen Maßnahmen wohl dann auf das Konto der anderen Parteien gehen müsste. Johansen betonte zudem, dass jedwede(r) Bürgermeister(in) sich stets auf die Schützengilde verlassen könnte. „Wir stehen zu 100 Prozent hinter der Stadt“, stellte Johansen die politische Ausgewogenheit wieder her. Darüber hinaus freute er sich, dass die Straßensperrungen zumindest im Bereich Storetorv und Søndertorv beendet sind. „Zum Glück – es ist aber sehr schön geworden“, so Johansen, dessen eigener Schlachterladen sich in der Søndergade befindet.

Nachdem Bürgermeister Andresen die Schützengilde hatte hochleben lassen, begaben sich die knapp Männer im Frack, mit Zylinder auf dem Kopf und Gewehr(attrappe) über der Schulter, angeführt vom Orchester der Apenrader Brass Band, auf ihren Weg zum Schützenhof an der Hjelmalle.
Bevor das Königsschießen dort aufgenommen wurde, gab es ein stärkendes Frokost. Die diesjährige Rede auf die Stadt Apenrade hielt das langjährige Schützengildenmitglied Nis-Edwin List-Petersen. Gleich zu Beginn lobte er die schöne Stadt, die der Schütze seit bald 40 Jahren bewohne. Seine Rede wurde zur wahren Liebeserklärung an seine Wahlheimat. Alsbald habe er feststellen können, dass Apenrades Bevölkerung, der Überlieferung entsprechend, weniger hochnäsig sei als in Hadersleben, sie habe eine weniger stark ausgeprägte Veranlagung zur Selbstdarstellung als die Sonderburger.

Er, der dank deutscher und dänischer Vorfahren „mit beiden Beinen knietief“ in nordschleswigscher Erde verwurzelt sei, nahm in seiner Rede vor allem Bezug auf musikalische und kulturelle Aspekte der Stadt. Es habe ihn völlig überrascht, wie viel Liedgut es zur Stadt Apenrade und deren Schützengilde gebe. „Es gibt mehr als zwölf Lieder zu Ehren der Stadt Apenrade“, erwähnte er. Dank Erik Skifter-Andersens Initiative sowie Mitteln aus dessen Stiftung habe der Apenrader Shantychor eine CD mit Liedern der Schützengilde und Lobeshymnen zu Apenrade eingespielt und somit der Nachwelt zugänglich gemacht. Als Beispiele nannte der Schütze in seiner Rede die Werke „Mein Apenrade“ von Adalbert Dreesen und „Når man rejser rundt i Verden“ von Frede Rudolph. Er forderte zum Kauf der CD auf, deren Kaufpreis von 50 Kronen der Schützengilde zugutekämen. List-Petersen erinnerte an das einzigartige Literaturfestival, das mehrere Jahre lang auf Schloss Brundlund veranstaltet wurde, und im Zuge dessen Siegfried Lenz seinerzeit eine Ehrenmitgliedschaft der hiesigen Bäcker- und Konditorgilde verliehen wurde.

List-Petersens Herz hänge jedoch auch am alten Haikutter „Ebba Aaen“, mit Liegeplatz neben der „Mik Pedersen“, etwas außerhalb der ehemaligen Apenrader Werft. Mit dem Kutter schrieben er und die Haifischkuttergilde mit an der maritimen Stadtgeschichte. Das Allereinzigartigste an Apenrade sei jedoch seine Schützengilde mit sowohl dänischen als auch deutschen Traditionen. Schließlich erzählte List-Petersen von dem Stolz, der ihn erfasste, als die Schützengilde ihn zu deren 275-jährigen Bestehen im Jahr 2009 gebeten hatte, die Hymne zum Anlass zu schreiben.

Mehr lesen

Leitartikel

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
„Die Polizei als Zechpreller“