Lokalpolitik

Klönschnack über Gott und die Welt

Anke Haagensen
Anke Haagensen Lokalredakteurin
Apenrade/Aabenraa
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In der Bibliothek Apenrade hielten Kandidatinnen (fast) aller Parteien gestern Nachmittag einen politischen Stammtisch – nach Frauenart ab: mit Kaffee und Kuchen. Foto: Anke Haagensen

Veranstalter freuen sich über gelungenes Experiment: Zwei Stunden lang wurden bei Kaffee und Kuchen jede Menge Themen diskutiert.

Als sie gemeinsam mit ihrem dreijährigen Sohn die Muffins anrührte, wusste die sozialdemokratische Kandidatin Signe Bekker Dhiman noch nicht, wie das politische Kaffeekränzchen beim Publikum (sprich: Wähler) ankommen würde, das sie gemeinsam mit Kandidatinnen anderer Parteien gestern Nachmittag in der Apenrader Bibliothek veranstaltete. Würden überhaupt Wähler kommen? Oder würde man mit Parteisoldaten herumstehen?
Um es vorwegzunehmen: Die Kandidatinnen mussten ihre Kuchen nicht alleine aufessen. Die zwei Stunden, die für die Veranstaltung abgesetzt waren, vergingen wie im Flug. „Ich kann nicht sagen, wie viele Leute hier gewesen sind, aber ich hatte 250 Kaffeebecher mit, und das ist der Rest“, sagt Bekker Dhiman und deutet auf zwei kleinere Stapel an den beiden Tischenden.Und auch vom Kuchenbüfett war fleißig genommen worden.

Ein wenig neidisch schaut Signe Bekker Dhiman auf die Kuchen anderer Kandidaten. Auch wenn Wahlplakate, Broschüren, Ballons sowie andere Werbegeschenke verpönt waren, so hatten sich einige der Bäckerinnen sehr kreativ gezeigt. Die Muffins der Einheitsliste waren in grünen Kokosraspeln wälzt worden und waren mit rotem und weißem Zuckerguss mit einem großen Ø (so das offizielle Parteienkürzel auf dem Wahlzettel) versehen; auch Anja Eggert hatte ihre Kekse mit einem S (für Schleswigsche Partei) in kräftigem Blau verziert. „Ganz schön kreativ – und schlau“, stellt Signe Bekker Dhiman fest.

Sichtlich wohl in der (vorwiegend weiblichen) Gesellschaft fühlte sich Cathrina Sørensen von den Radikalen. „Bei den herkömmlichen Podiumsdiskussionen bin ich meistens einzige Frau unter Männern“, sagt sie. Das habe zwar auch ihren Reiz, sie stellte aber auch Unterschiede fest. Die Frauen würden sich gegenseitig mehr Raum geben – auch für die jeweils andere Einstellung, war ihre Beobachtung.

Männer erwünscht

Auch wenn die Veranstaltung ausschließlich von Kandidatinnen durchgeführt wurde, so waren Männer nicht nur erlaubt, sondern direkt erwünscht.
Otto Nielsen war eher unverhofft in die Kaffeerunde gekommen. „Eigentlich wollte ich mir nur die heutigen Zeitungen ansehen“, gesteht der 68-Jährige. Das fröhliche Gelächter am anderen Ende der Bücherei hatte ihn jedoch neugierig gemacht, und die Einladung zu Kaffee und Kuchen nahm er gerne an. Und kurz darauf war er schon in einem Gespräch vertieft.

Genau dieses Unprätenziöse war auch von den Veranstaltern so gedacht und erhofft. Dass es so auch klappte, führte Signe Bekker Dhiman nicht zuletzt auf die Disziplin der teilnehmenden Frauen zurück. „Alle haben sich an die Spielregeln gehalten, die wir uns selbst auferlegt haben“, stellt die Sozialdemokratin fest. „Wenn eine DF’erin mit einer Frau von der Einheitsliste mit ein paar Wählern am selben Tisch sitzt und sie sich alle miteinander unterhalten, kann ich nur feststellen: Genau das war das Ziel“, lautet ihr Fazit.

Die Gäste standen oder saßen in immer wechselnden Konstellationen beisammen und „schnackten“. An einem Tisch fiel das Stichwort „Fjordskole“, am anderen ging es um Kindertagesstätten. Auch die Altenbetreuung und die Integration von Flüchtlingen wurden diskutiert. Es ging aber auch um Alltägliches. Wie kriegt man Familie und Politik unter einen Hut? Wie kann man noch mehr Frauen für Kommunalpolitik begeistern? „In den Vorständen von Kindergärten, Schulen und Vereinen sind sie ja vertreten. Vielleicht fehlt uns Frauen einfach dieses Killer-Gen, mit dem die Männer häufig ausgestattet sind“, vermutet Jo Christoffersen von der Einheitsliste. Die einzige Partei, die übrigens nicht teilnahm, war die Neue Bürgerliche.
Die Bibliothek erwies sich als geeigneter Ort für eine solche Veranstaltung. Einige Frauen hatten ihre Kinder mitgebracht. Die stöberten an den Büchertischen oder nutzten die Computerspiele.

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