Mitlesen und Mitmachen

Kinder- und Jugendbuchwochen: Eröffnung in Apenrade

Kinder- und Jugendbuchwochen: Eröffnung in Apenrade

Kinder- und Jugendbuchwochen: Eröffnung in Apenrade

Apenrade/Aabenraa
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Der Kinderchor Nordschleswig unter Leitung von Susanne Heigold. Foto: Lana Riedel

Literatur zum Mitlesen und Mitmachen: Die 35. Kinder- und Jugendbuchwochen in Schleswig-Holstein und Nordschleswig sind am Montagabend in Apenrade eröffnet worden. Im Haus Nordschleswig gab es Leseproben der etwas anderen Art.

Jugendbuchwochen:

Jedes Jahr im November finden in rund 80 Büchereien und Schulen in Schleswig-Holstein und Nordschleswig die Kinder- und Jugendbuchwochen statt. Es gibt rund 300 Veranstaltungen, von Lesungen und Autorenbegegnungen bis hin zu Schreibwerkstätten und Theatervorstellungen.
Die Kinder- und Jugendbuchwochen werden von der Büchereizentrale Schleswig-Holstein koordiniert und vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein mit einem Grundbetrag gefördert. Schirmherr der Buchwochen ist der schleswig-holsteinische Landtagspräsident Klaus Schlie. Die Auftaktveranstaltung findet traditionell in einer Bücherei statt, die sich auf dem Gebiet der Leseförderung in besonderer Weise engagiert. 2018 wurde die Deutsche Zentralbücherei in Apenrade (DK) ausgewählt.

Kinder- und Jugendbuchwochen zum Mitmachen und Miterleben – das hat der Verband Deutscher Büchereien in Nordschleswig zusammen mit der Büchereizentrale Schleswig-Holstein auf die Beine gestellt. Am Montagabend ist die Veranstaltungsreihe im Haus Nordschleswig eröffnet worden.

„Weil ich lernen wollte, wie man Bücher schreibt.“ Birthe Andresen muss nicht lange überlegen, warum sie an der Schreibwerkstatt mit dem Hamburger Autor Silas Matthes teilgenommen hat. Drei Tage lang hatte die Fünftklässlerin zusammen mit 25 weiteren Schülern von Deutschen Schulen Nordschleswig auf dem Knivsberg gelernt, wie kreatives gutes Schreiben gelingt. Am Montagabend wurden Auszüge aus ihren Texten dem Publikum vorgestellt.

Schriftstellerei erfordert Disziplin

„Ich habe gerade angefangen, ein Buch zu schreiben. Es handelt von einem Mädchen, das gemobbt wird, und wie sie sich dagegen wehrt“, verrät Birthe, die die deutsche Schule Buhrkall besucht.

Ihr Mitschülerin Pia Hoeck aus Klasse 6, weiß seit dem Workshop, „dass man dranbleiben muss, auch wenn das Schreiben mal schwierig ist“. Dann, so die Schreibwerkstatt-Teilnehmerin, „man muss einfach alles aufschreiben, was einem durch den Kopf geht“. Darüber hinaus habe sie gelernt, „die Sachen genauer zu beobachten – und mit mehr Worten zu umschreiben.“

„Zu einem Baum kann man viel mehr schreiben als Blätter und grün. Man könnte sagen: Dieser Baum hat einen dicken, mysteriösen Stamm und Blätter, die verzaubert aussehen“, schöpft Birthe Andresen aus ihrer neu erlernten Kreativität.

Birthe Andresen und Pia Hoeck mit Schriftsteller Silas Matthes auf dem Knivsberg, wo die Schreibwerkstatt stattgefunden hat. Foto: Sara Wasmund

Kinder beeindrucken 26-jährigen Autor

Geleitet hat die Schreibwerkstatt Silas Matthes. Der 26-Jährige hat mit seinem Debütroman „Miese Opfer“ den Weg als Schriftsteller bereits erfolgreich beschritten. Nachdem er im vergangenen Jahr für Lesungen zu Gast in Nordschleswig war, konnte der Verband Deutscher Büchereien in Nordschleswig den Schriftsteller in diesem Jahr für die Schreibwerkstatt gewinnen.

Bei der Eröffnung der 35. Kinder und Jugendbuchwochen am Montagabend waren unter anderem Lasse Peter Rodewald, Leiter des Kultur- und Pressereferates der Deutschen Botschaft Kopenhagen, Apenrades Bürgermeister Thomas Andresen und Rasmus Andresen, Vizepräsident des Schleswig-Holsteinischen Landtages, anwesend.

Neben der Präsentation der Schülertexte sahen die Besucher den Stop-Motion-Film „Das ist unsere Bücherei“ von jungen Filmemachern, der Kinderchor Nordschleswig umrahmte die Veranstaltung unter der Leitung von Susanne Heigold. Das Instrumentalsolo gab Victoria Holm.

Die drei Tage auf dem Knivsberg haben Eindruck hinterlassen. „Ich war sehr, sehr überrascht von der Konzentration und Ernsthaftigkeit der Schülerinnen und Schüler“, sagt Matthes. „Normalerweise arbeite ich eher mit Achtklässlern, nicht so oft mit Sechstklässlern. Aber die Teilnehmer aus den deutschen Schulen waren sehr engagiert. Und haben zum Teil Bilder erzählt, auf die ich nie gekommen wäre“, lobt der Autor seine Schützlinge.

„Die Flagge weht auf dem Berg wie ein Besoffener“

Zusammen mit den Kindern hat er an Texten gearbeitet. Am Montagabend wurden Auszüge daraus bei der Eröffnung der 35. Kinder- und Jugendbuchwochen vorgelesen. Dabei kamen poetische Beobachtungen zu Papier: „Die Nüsse liegen so schön herum, als wären sie Muscheln aus dem tiefsten Grund“, „Die Flagge weht auf dem Berg wie ein Besoffener“ oder „Die Blätter liegen auf dem Boden wie Leichen nach einer Schlacht“.

„Ich wusste vorher nicht, was Notate sind“, gesteht Teilnehmerin Jennie Christiansen von der Deutschen Schule Tingleff. „Wir haben gemeinsam gelernt, wie man das, was man sieht, aufschreibt. Und zwar kreativ und voller Details.“

Die Schülerinnen und Schüler lernten das erzählerische Ich kennen. Erfuhren, was es mit einem Text macht, wenn der Autor als Kritiker oder Lobender auftritt. Sätze wie „Der Fussel liegt so dermaßen genial auf dem Boden, als hätte ihn ein Engel da hingelegt“ oder „Die Sofas haben ein so hässliches Braungrün, dass es aussieht, als hätte jemand raufgekotzt“ waren die Folge.

Ein Post oder eine Sms reichen fürs Üben nicht aus. Und auch beim Lesen gilt: Übung macht den Meister.

Claudia Knauer, Büchereidirektorin

Auch der Kamerablick, das Storytelling, Gegenstände beschreiben oder das Verfassen freier Geschichten – die Kinder lernten eine Menge von Silas Matthes. „Die Schülerinnen und Schüler haben mir eine große Fülle an Fantasie, Kreativität und ungeschliffener Sprachkraft gezeigt“, bedankte sich der Schriftsteller am Ende des Workshops.
 

„Wir sind froh und dankbar, dass wir an dieser Initiative des Büchereivereins Schleswig-Holstein partizipieren können, denn so kommen Bücher und ihre Autoren/innen zu den Schülerinnen und Schülern und wecken Leselust“, sagt Büchereidirektorin Claudia Knauer. „Und diese Leselust – für Bücher! – brauchen wir dringend, denn als Gesellschaft überleben wir nur, wenn wir unsere Kulturfertigkeiten nicht verlernen. Ein Post oder eine Sms reichen fürs Üben nicht aus. Und auch beim Lesen gilt: Übung macht den Meister.“

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