„Det Kreative Hus“

Jetzt möchten die Kreativen sichtbarer werden

Gesche Picolin
Gesche Picolin Journalistin
Apenrade/Aabenraa
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Das gesamte Haus ist unterkellert. Hier ist die 25 Meter lange Schießbahn zu sehen (l.) Vibeke Erlang Christensen, Keramikerin, hat das kleine kreative Sparbüchsenhaus gemacht (m.). Die Küche im ersten Stock wurde auf Initiatixve der Mieter bereits 2015 erneuert (r.). Foto: Karin Riggelsen

Der Bau am Haderslevvej 1 ist renoviert. Jetzt soll die Fassade sichtbar werden.

Es hat viel gesehen, das große Gebäude „Det Kreative Hus“ am Haderslevvej 1, Ecke Løgumklostervej. 1907 aufgeführt unter Baurat Jablonowki im neugotischen Stil. Zunächst ein Gerichtsgebäude mit angeschlossenem Arrest (gleicher Stil) wurde es später Revierwache der Apenrader Polizei. Zu Kriegende erlitt es eine sogenannte Schalburgtage (Sabotage durch das SS-Regiment Schalburgkorps gegen die Mitglieder des dänischen Widerstands). Es wurde renoviert, und jedwedes neugotische Element wurde von der Fassade entfernt. So steht es bis heute unauffällig am Haderslevvej. Wenn man nicht weiß, dass sich darin eine Oase auftut, man ahnt es nicht von außen.

Seit sechs Jahren befindet sich im alten Gemäuer das kreative Haus , wo sich Menschen mit verschiedensten Ideen zu deren Umsetzung einmieten können. „Wir bieten perfekte Bedingungen für Kreative“, so Jane Elgård Petersen, Vorsitzende des Vereins der Mieter im Kreativen Haus. Sie betreibt Kulturdetektiven, eine Beraterfirma die sich mit interkulturellen Fragen, etwa bei Beschäftigung, auseinandersetzt. Hier arbeiten Schmuckdesigner, Fotografen, Übersetzer, Keramiker, die Firma Mut Mut und auch eine Firma die Recyclingstoffe wiederverkaufen will.

Eigenständig die Küche erneuert

Der Verein hat 2015 eigenständig die Küche im Obergeschoss erneuert. Hierzu hatte der A. P. Møller Fonds Gelder bereitgestellt. Die jüngste Sanierung hat die einzelnen Werkstätten original belassen. Es kam ein neues Dach aufs Gebäude und neue Farbe an Wände und Fußböden. Zudem wurde die Heizanlage erneuert. Doch in der letzten Zeit war die umfassende Sanierung das Wichtigste, und Überlegungen, was an der Fassade zu machen wäre, gerieten ins Hintertreffen.

Tatsächlich überlegt der Verein, wie Leute die Augen für das imposante Gebäude geöffnet bekommen können. Es gehört der Kommune, für wenig Geld kann man sich hier einmieten.
„Es gibt die „kleine Rasenfläche vor dem Gebäude, mit der Fahnenstange. Da könnte man was machen, vielleicht eine Sitzbank“, überlegt Elgård Petersen. Aber es gibt viele Vorschriften. Außerdem die „Verkehrssicherheit, an der Kreuzung zum Løgumklostervej, darf nicht zuviel Aufmerksamkeit anziehen“. Das heute existierende Schild, so die Vorsitzende, „haben wir ja angebracht“, es sei das höchste der Gefühle. Zum Haderslevvej aber dürfe gerne mehr geöffnet werden. Denn „heute wirkt das Gebäude verschlossen“.

Das Haus birgt noch immer Relikte vergangener Tage: Ein Guckloch in einer verschlossenen Tür auf dem Dachboden. Elgård Petersen: „Hier oben konnte man Menschen verstecken. Das ist sicher eine Zelle.“ Und im riesigen Keller findet sich neben diversen Kuriosa auch etwas, das durchaus eine Schießbahn gewesen sein kann. Niedriges Bogengewölbe, eine mutmaßliche 25-Meter-Bahn für Pistolen, so Elgård Petersen. Sie zeigt sich angetan von dem Ort: „Es wäre es toll, wenn wir hier unten eine Ausstellung machen könnten.“

„Was im täglichen Betrieb funktioniert, sind Aktivitäten, wie etwa Werkstätten. Wir wollen direkte Kreative, und kein Behandlerhaus sein, wir haben schon Behandler abgewiesen.“ Ein Dilemma ist, dass die Kommune natürlich trotzdem interessiert ist, alle Räume zu vermieten. Das Haus selbst hat viel gesehen, und in heutiger Zeit sollen es auch viele sehen.

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