Integration

Flüchtlinge nach Konkurs ohne Sprachunterricht

Flüchtlinge nach Konkurs ohne Sprachunterricht

Flüchtlinge nach AOF-Syd-Konkurs ohne Sprachunterricht

Dirk Thöming
Apenrade/Aabenraa
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Der Dänischunterricht für Flüchtlinge in der Kommune Apenrade fällt bis auf Weiteres aus – eine schnellstmögliche Lösung wird gesucht. Foto: Annelene Petersen/Scanpix

Die Kommune Apenrade sucht nach AOF-Syd-Konkurs schnellstmöglich einen neuen zentralen Anbieter von Dänischkursen für Flüchtlinge und Selbstversorger

Die AOF-Sprachschule in Apenrade war 25 Jahre lang der zentrale Anbieter von Dänisch-Kursen in der Kommune – sowohl für Flüchtlinge als auch für Selbstversorger, beispielsweise Grenzpendler aus Deutschland und neue Bürger in Dänemark, die ihre Dänischkenntnisse verbessern wollten.

Nach dem AOF-Syd-Konkurs am 29. August und der nachfolgenden Entscheidung des Insolvenzverwalters, den Betrieb abzuwickeln, ist jetzt die Kommune am Zug.

„Wir arbeiten daran, eine Nachfolgelösung für den Dänischunterricht zu finden“, sagt Christian Jørgensen, Büroleiter bei „Job und Integration“ in der Kommune Apenrade.

Das kommunale Jobcenter ist für die Integration und auch für die Sprachkurse von Flüchtlingen (in der Fachsprache „Integrationsbürger“ genannt) zuständig.

Von den laut AOF-Angaben zuletzt 165 erwachsenen Schülern der Sprachschule sind nach Angaben der Kommune 64 Flüchtlinge bzw. Integrationsbürger. Die restlichen gut 100 Teilnehmer, deren Unterricht vorläufig abgesagt ist, sind Selbstversorger.

„Wir wollen für beide Gruppen eine Lösung finden“, sagt Christian Jørgensen.

Dänischunterricht ist Pflicht

Per Gesetz ist die Kommune verpflichtet, Flüchtlingen eine Integrations-Beschäftigung von 37 Stunden wöchentlich zur Verfügung zu stellen, erläutert der Büroleiter.

Ebenso, wie die Kommune verpflichtet sei, den Flüchtlingen Unterricht in dänischer Sprache zur Verfügung zu stellen, sei für die Flüchtlinge die Teilnahme am Unterricht Pflicht.

„Der Sprachunterricht umfasst 15 bis 16 Stunden wöchentlich. Den Rest der Zeit gehen die Integrationsbürger ins Praktikum“, so Jørgensen. Dass es zurzeit keine Sprachkurse gibt, bedeutet, dass das Praktikum, das in der Regel in Betrieben stattfindet, jetzt auf die ganze Woche ausgedehnt wird.

Verhandlungen auf Grundlage der alten Verträge

Christian Jørgensen erläutert, dass es konkrete Verhandlungen darüber gibt, welche Organisation an einer Übernahme des Sprachunterrichtes interessiert ist.

An eine Ausschreibung sei dabei nicht gedacht. Die Kommune möchte zurzeit nichts darüber sagen, mit welchem Anbieter genau verhandelt wird.

„Aber ich stelle mir vor, dass wir eine Gesamtlösung finden, sodass es wieder eine zentrale Sprachschule in Apenrade mit Angeboten sowohl für Integrationsschüler als aus Selbstversorger gibt“, sagt der Büroleiter.

Grundlage der Verhandlungen seien die mit AOF Syd geschlossenen Verträge und Vertragsbedingungen.

„Es gibt keine eigentliche zeitliche Frist für die Wiederaufnahme des Dänischunterrichtes, aber wir hoffen, dass wir so schnell wie möglich eine Lösung finden“, so Christian Jørgensen.

Aus seinen Ausführungen geht hervor, dass die aktuellen Verhandlungen mit der Entlassung der 43 festangestellten AOF-Syd-Mitarbeiter, darunter viele Sprachlehrer, die jetzt arbeitslos sind, nichts zu tun haben.

AOF Syd bot umfassende Angebote in der Erwachsenenbildung auch in den Kommune Sonderburg, Tondern und Hadersleben an.

Dänisch-Sprachkurse bot AOF Syd zuletzt nur noch in Apenrade und bis 2017 in Tondern an, als diese Aufgabe von einem anderen Anbieter übernommen wurde.

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