Thema der Woche: Digitalisierung

Digital, digitaler, DGN

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Apenrade/Aabenraa
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Beim Unterricht am DGN gehört der Laptop dazu. Foto: Karin Riggelsen

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Am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig werden Hausaufgaben längst nur noch als PDF abgegeben. Rektor Jens Mittag und seine Schülerin Julika Koehn berichten, welche Herausforderungen ein digitaler Unterricht mit sich bringt, und wie groß der Unterschied zum Schulalltag in Deutschland ist.

Laptops, Beamer, Smart-Boards: Am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig (DGN) hat wie in anderen Gesellschaftsbereichen in Dänemark die Digitalisierung Einzug gehalten – und ist mittlerweile aus dem Schulunterricht nicht mehr wegzudenken.

Nur mit Schreibblock und Kugelschreiber ist am DGN längst kein Abitur mehr zu bekommen.

„Jede Schülerin und jeder Schüler benötigt einen Laptop, um seine Aufgaben zu bearbeiten und am Ende auch das Examen zu machen“, erzählt Jens Mittag, Rektor des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig (DGN).

Vor- und Nachteile?

Die Zeiten, in denen der Lehrer von oben bis unten die Tafel vollschreibt oder am Projektor steht und etwas auf Folie aufzeichnet, sind vorbei. Lehren und Lernen haben sich verändert.

Doch welche Vor- und Nachteile bringt es mit sich, wenn Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts einen Laptop oder ein Tablet mit Internetzugang vor sich stehen haben? Was die Nachteile angeht, sind diese für Jens Mittag leicht zu benennen: „Sie bergen natürlich die Gefahr, eine Ablenkung vom Unterricht zu sein – und da kann man sich nur schwer gegen wehren. Ablenkung hat es im Unterricht früher schon gegeben, da hat man vielleicht Schiffe versenken gespielt, doch das wurde irgendwann auch wieder langweilig. Durch den digitalen Unterricht und das Internet haben wir es nun aber mit Ablenkung zu tun, die ein unendliches Potenzial hat“, so der DGN-Rektor.

Ganz sind Papierausdrucke aber dennoch nicht aus der Schule verschwunden. Foto: Karin Riggelsen

Die Frage nach den Vorteilen findet er hingegen falsch gestellt. „Heutzutage ist es im Alltag unabdingbar, digitale Kompetenzen zu haben. In der realen Welt braucht man diese, und unsere Aufgabe als Schule ist es, die Schülerinnen und Schüler auf dieses reale Leben vorzubereiten“, sagt Mittag.

Und wie sieht es mit den Lehrkräften aus? Macht die Digitalisierung den Unterricht schwerer oder leichter? „Weder noch“, sagt Jens Mittag, der Mathematik und Physik unterrichtet.

„Es bringt neue Methodenmöglichkeiten mit sich, die vielleicht auch dazu führen, die Schüler mehr motivieren zu können. Wenn man im Unterricht heute zum Beispiel die Rede von Martin Luther King behandelt und sich diese in Bild und Ton bei Youtube zusammen anschauen kann, ist das für alle schon interessanter, als die Rede auf einem Blatt Papier vor sich zu haben.“

Andere Welt in Deutschland

Für einige Schüler am DGN bedeutet der digitale Unterricht aber auch eine große Umstellung und auch Herausforderung. Diejenigen, die ihr bisheriges Schulleben südlich der Grenze verbracht haben, kennen diese Art des Unterrichts meist nicht. Zu ihnen gehört auch Julika Koehn. Die 18-Jährige besucht seit Sommer die 11. Klasse des DGN und ging vorher in Flensburg auf die Kurt-Tucholsky-Schule.

„Laptops haben wir im Unterricht wenig bis gar nicht genutzt. Es gab in der Schule einen Wagen, auf dem einige Laptops waren, die hin und wieder mal für Recherche genutzt wurden. Aber das war sehr selten und wenn, dann auch ein richtiges Highlight“, erzählt Julika, die bis zum Sommer Unterricht nur mit Whiteboard oder Kreidetafel kannte.

Zuhören, wenn der Lehrer etwas sagt, das muss man als Schüler auch in digitalen Zeiten noch. Foto: Karin Riggelsen

Corona, so berichtet sie, habe allerdings ein wenig Bewegung in die Sache gebracht. Während das Homeschooling im Lockdown vor allem bei den älteren Lehrkräften mehr schlecht als recht ablief, hatten nach der Wiedereröffnung der Schulen mehr Schülerinnen und Schüler einen Laptop oder ein Tablet zum Mitschreiben auf dem Tisch.

Probleme im Lockdown

„Der Lockdown war wirklich schwierig, weniger für uns Schüler, wir kamen mit der Umstellung auf Homeschooling recht schnell zurecht. Aber wir hatten einige ältere Lehrer, die sich das technische Wissen nicht aneignen wollten und bei denen wir quasi die ganze Zeit keinen Unterricht hatten. Unsere Französischlehrerin hat uns am Anfang ein Buch genannt, das wir uns kaufen sollten und welches wir dann die drei Monate im Lockdown lesen sollten, um es danach zu besprechen“, sagt Julika.

Nicht nur im Rückblick auf den Corona-Lockdown kann sie der für sie neuen, digitalen Art zu lernen mehr abgewinnen.

„Ich finde den Unterricht am DGN besser. Ich habe jetzt einen viel besseren Überblick über meine Unterlagen“, sagt die 18-Jährige.

Dass sie heute mehr abgelenkt ist als früher, glaubt sie nicht. „Ich denke, in der 11. Klasse sollte jeder selbst in der Lage sein, sich nicht zu leicht ablenken zu lassen. Ich glaube, der Nutzen von Unterricht mit Laptops ist größer als der Schaden.“

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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