Rechenzentren-Strategie

Bundgaard hat nie einer Verschwiegenheit zugestimmt

Gesche Picolin
Gesche Picolin Journalistin
Apenrade/Aabenraa
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Die Bürger waren im April eingeladen, sich im Rathaus über die künftigen Rechenzentren zu informieren. Foto: Karin Riggelsen

In der letzten Stadtratssitzung des Jahres gab es eine Grundsatzdiskussion zum Thema Verschwiegenheitspflicht. Dennoch wurde die Datacenterstrategie angenommen.

Politiker mögen Rechenzentren. Und darum sollen den zwei geplanten Apple- und Google-Rechenzentren möglicherweise weitere folgen. Der Apenrader Stadtrat hat auf seiner letzten Sitzung des Jahres am Mittwoch, mit einer Stimmenthaltung der Einheitsliste, eine sogenannte Datacenterstrategie beschlossen. Sie soll die Grundlage dafür schaffen, weitere Rechenzentren anzuziehen, die wiederum Arbeitsplätze und Folgeindustrien mit sich bringen. Auch eine höhere Bevölkerungsdichte sieht die Strategie für die Kommune.

Eines der Teilziele im Strategiepapier ist es, dass in der Kommune im Jahr 2022 zwei Rechenzentren in Betrieb genommen und zwei weitere in Planung sind.

Überschüssige Wärme soll dem Bürger zugutekommen

Bürgermeister Thomas Andresen (Venstre) warb für die Strategie. Er wies auf die überschüssige Wärme hin, die die Zentren produzieren, und die in der Kommune genutzt werden soll.

Volkssozialist Michael Christensen monierte, dass solche Konzerne keine Körperschaftssteuer zahlen. Wenn die Wärme ins Fernwärmenetz gespeist wird, solle eine Anschlusspflicht gelten, damit sie auch genutzt werde.

Jens Bundgaard Nielsen von der Einheitsliste erwähnte bezüglich der grünen Energie, dass zunächst die Voraussetzungen geschaffen werden müssten, damit die überschüssige Wärme vom Bürger überhaupt genutzt werden kann.

Wie war das mit der Verschwiegenheit?

Andresen dankte seinen Stadtratskollegen: „Es war in letzter Konsequenz die Verschwiegenheit, die dazu führte, dass Apple und Google zugeschlagen und Grundstücke erworben haben.“

Bundgaard Nielsen kam auf eben diese zu sprechen. Aus dem Strategiepapier geht hervor, dass die Kommune soliden und verlässlichen Gewerbeservice leistet, „in Verschwiegenheit und mit voller Unterstützung des Stadtrats“.

Er selbst sei nie gefragt worden, ob er seine volle Unterstützung zu der Verschwiegenheit geben wolle, die die Zusammenarbeit mit den beiden Konzernen erfordert.

„Umfassende Zusammenarbeit“

Erst sei es um Rechenzentren gegangen, jetzt heiße es plötzlich „umfassende Zusammenarbeit“ mit Apple und Google, wenn es um die sogenannten Community-Outreach-Projekte der Rechenzentren gehe.

Er sehe, „dass es hier Verschwiegenheit um Projekte gab, denen ich, wäre ich gefragt worden, vermutlich nicht meine volle Unterstützung gegeben hätte, dass man die verschwiegen behandelt“.

Bundgaard bat darum, dass die volle Unterstützung des Stadtrats auf 30 von 31 Mitgliedern korrigiert werde. Hier liege ein Paradigmenwechsel in Rolle und Status der Rechenzentren vor.

Das Strategiepapier wurde – ohne Bundgaards Stimme – angenommen. Auch wurden 700.000 Kronen aus den vorhandenen Investitionsmitteln zur Wirtschaftsförderung im Bereich der Digitalisierung freigegeben.

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