Arbeitsmarkt

Covid-19-Restriktionen verhindern praktischen Unterricht

Covid-19-Restriktionen verhindern praktischen Unterricht

Covid-19-Restriktionen verhindern praktischen Unterricht

Paul Sehstedt
Apenrade/Aabenraa
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Vor leeren Stühlen: Henrik Fink, Unterrichtsleiter der Berufsschule EUC-Syd auf Lundsberg (Lundsbjerg), darf wegen der Covid-19-Restriktionen keine Schüler in Berufszertifikatsfächern unterrichten lassen, während die Kursteilnehmer der Arbeitsmarktausbildung ihrem Unterricht folgen dürfen. Foto: Paul Sehstedt

Die Berufsschule EUC-Syd muss Kurse virtuell durchführen, während der Betrieb der Arbeitsmarktschulen unbehelligt bleibt. Der Apenrader Arbeitsmarktausschuss beobachtet die Lage genau.

In der vergangenen Woche entzog das Unterrichtsministerium plötzlich die Grundlage für die Ausbildungskurse am EUC Syd, indem mitgeteilt wurde, dass auch der Unterricht in Berufszertifikatsfächern und ähnlich eingestuften Fächern nicht von den Covid-19 bedingten Schließungen befreit ist.

„Die Auszubildenden erhalten jetzt nicht den praktischen Unterricht, und das ist für uns eine sehr große Herausforderung, da wir zum Beispiel Lastsicherung oder das korrekte Verpacken nicht virtuell vorführen können“, erklärt Søren Priisholm, Abteilungschef bei EUC Syd gegenüber dem „Nordschleswiger“.

Wird die Lehrzeit verlängert, entsteht ein Personalengpass, den wir vor uns herschieben werden. Und das ist nicht sinnvoll.

Søren Priisholm, Abteilungschef EUC, Apenrade

„Der Hauptanteil des praktischen, kompetenzschaffenden Unterrichts findet in der Schule statt, und wenn die Lehrlinge nicht rechtzeitig ausgebildet werden, stehen die Logistikunternehmen ohne Fachkräfte da. Wird die Lehrzeit verlängert, entsteht ein Personalengpass, den wir vor uns herschieben werden. Und das ist nicht sinnvoll.“

Verlängerte Lehrzeit

Das Ministerium erlaubt jedoch, dass die Arbeitsmarktschulen (AMU) ihren Betrieb unbehelligt fortsetzen können, obwohl sie inhaltlich dieselben Kurse anbieten. „Ja, das hört sich ein wenig eigenartig an, dass Arbeitssuchende und Fahrer, die ihre Zertifikate erneuert haben sollen, bei AMU Kurse vor Ort durchführen können, aber wir stehen still“, fährt Priisholm fort. „Während der Schulperiode dürfen die Lehrlinge sich nicht in den Betrieben aufhalten, und verlängert sich die Lehrzeit, muss der Arbeitgeber den Auszubildenden dementsprechend länger entlohnen. Aber so sind die Gesetze.“

Wir beobachten die Lage laufend, und ich werde dieses Problem bei der nächsten Ausschusssitzung am kommenden Montag ansprechen.

Ejler Schütt, parteiloses Stadtratsmitglied und Vorsitzender des Arbeitsmarktausschusses

Keine kommunale Unterstützung

Auf die unerwarteten finanziellen Arbeitgeberprobleme angesprochen, erläutert Ejler Schütt, Vorsitzender vom kommunalen Arbeitsmarktausschuss, in einem Gespräch mit dieser Zeitung: „Da können wir leider nicht unterstützend eingreifen, weil uns die rechtliche Grundlage fehlt. Wir beobachten die Lage laufend, und ich werde dieses Problem bei der nächsten Ausschusssitzung am kommenden Montag ansprechen. Sollte sich die Situation zuspitzen, werden wir uns natürlich an das Ministerium wenden. Aber im Augenblick können wir nichts anderes tun als abwarten. Ganz wichtig jedoch ist, dass alle ihre Ausbildung abschließen können.“

Der Arbeitsmarktausschuss hat schon seit Jahren eine Strategie verfolgt, dass arbeitsmarkttaugliche Bürger sich soweit wie möglich selbst versorgen sollen. Die Resultate des kommunalen Einsatzes ernteten landesweite Anerkennung und lösten sogar einen Ministerbesuch aus.

Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass Ausbildungsverträge gekündigt werden.

Anders Jessen, Chefberater bei der Branchenorganisation ITD

Mangel an Arbeitskräften möglich

Anders Jessen, Chefberater des Transportgewerbeverbandes ITD, der Branchenorganisation für das dänische Straßentransportwesen in Pattburg (Padborg), wundert sich auch über die paradoxe Situation, die das Unterrichtsministerium geschaffen hat, aber von akuten Problemen seiner Mitglieder hat er bisher nichts gehört. „Kein Betrieb ist an uns herangetreten“, sagt Jessen zum „Nordschleswiger“. „Sollte sich das Verbot jedoch in die Länge ziehen, dann werden der Branche junge Arbeitskräfte fehlen. Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass Ausbildungsverträge gekündigt werden.“

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