Gefährdete Meere

Ruf nach Verbot der Schleppnetzfischerei

Ruf nach Verbot der Schleppnetzfischerei

Ruf nach Verbot der Schleppnetzfischerei

Kopenhagen/Röm/Rømø
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Viele dänische Fischereifahrzeuge durchpflügen den Meeresboden so intensiv, dass nicht nur die dortigen Lebensgemeinschaften darunter leiden. Auch wird Kohlendioxid dabei freigesetzt. Foto: Henning Bagger / Ritzau Scanpix

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Naturschutzverbände und Forscher fordern mehr Schutz für den Meeresboden und die dortigen Lebensgemeinschaften. Das Durchpflügen des Grundes führt zur Freisetzung von Kohlendioxid.

Vor dem Hintergrund der von der dänischen Regierung geplanten Ausweisung von zusätzlichen Meeresschutzzonen unter anderem westlich der nordschleswigschen Insel Röm (Rømø) fordert der Umweltverband Danmarks Naturfredningsforening (DN) deutliche Begrenzungen des Einsatzes von Schleppnetzen in den dänischen Gewässern.

Am Meeresgrund werden von Grundnetzen nicht nur Plattfische wie die Scholle (2. Fisch v. unten), sondern auch andere Arten am Bode der See wie der Knurrhahn (Bildmitte) und die Sandgrunde (ganz unten) meist unbeabsichtigt „Beute“ der Fischer. Foto: Volker Heesch

Anlass für die Forderung sind neue Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass beim Durchpflügen des Meeresgrundes nicht nur dort heimische Tiere und Pflanzen geschädigt werden, sondern dabei auch große Mengen klimaschädigendes Kohlendioxid aus dem aufgewühlten Schlamm freigesetzt werden.

Bodenschlamm wird durchpflügt

Der Verband weist auf eine Studie unter dem Titel „Protecting the Global Ocean for Biodiversity, Food and Climate“ hin, in dem auf die Klimabelastung durch das Kohlendioxid hingewiesen wird, das aus dem Bodenschlamm entweicht, wenn das Fanggeschirr von Fischkuttern den Grund durchpflügt. Laut Studie erreicht die Belastung durch Kohlendioxid vom Meeresgrund den Umfang wie die Klimabelastung durch die Abgase des weltweiten Flugverkehrs. Dem Luftverkehr wird ein Anteil von fünf Prozent zugerechnet. Ein weiterer negativer Effekt der Kohlendioxidfreisetzung aus dem Bodenbereich sei eine Versauerung der Meeresumwelt, was Tieren mit Kalkskeletten wie Korallen schadet, so die Forscher, die die Studie veröffentlicht haben.

Radikale Politiker fordern Verbot

Das Mitglied der Radikalen Venstre im Europaparlament, Karen Melchior, und der radikale Folketingsabgeordnete und Umweltexperte Martin Lidegaard, fordern ein Verbot der den Meeresboden besonders belastenden Formen der Schleppnetzfischerei in Dänemark. Wie von einer Planierraupe werde der Boden mit seiner artenreichen Tierwelt von den Fanggeschirren der großen Kutter durchquert. Das deutsche Bundesamt für Naturschutz (BfN) hält auch ein kritisches Auge auf die Grundnetzfischerei, weil diese beispielsweise beim Fischen von bodenlebenden Plattfischen wie Schollen und Seezungen sehr viele Jungfische als Beifang erfasst.

Fischerei und Naturschützer vereint

Auch sehr viel wirbellose Bodentiere werden geschädigt. „Danmarks Naturfredningsforening“ weist auf Bericht des dänischen Umweltministeriums hin, der belegt, dass Fanggeschirre von Schleppnetzen mindestens einmal im Jahr 67 Prozent des dänischen Teils der Ostsee und der Belte sowie 85 Prozent der Nordsee durchstreifen.

Diese Karte der staatlichen dänischen Umweltbhörde zeigt blau und rot markiert Gebiete in der Nordsee, in denen die Regierung in Kopenhagen Schutzzonen einrichten möchte. Foto: Miljøstyrelsen

Im Frühjahr haben der Naturschutzverein und der dänische Fischereiverband, „Danmarks Fiskeriforening“, einen gemeinsamen Vorschlag präsentiert, der vorsieht, zehn Prozent der dänischen Seegebiete als „unberührtes Meer“ zu deklarieren, damit sich dort die Meeresnatur regenerieren kann, auch als ungestörte „Kinderstube“ der für die kommerzielle Fischerei wirtschaftlich interessanten Fischarten.

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