Kultur

Neue interessante Beiträge zur Geschichte Nordschleswigs

Neue interessante Beiträge zur Geschichte Nordschleswigs

Neue interessante Beiträge zur Geschichte Nordschleswigs

Tondern/Tønder
Zuletzt aktualisiert um:
Am 100. Geburtstag des 1888 verstorbenen Kaisers Wilhelm I. wurde in Tondern auf dem Kirchplatz das Denkmal für das deutsche Staatsoberhaupt mit Gedenktafel für Gefallene des Krieges 1870/1871 feierlich eingeweiht. Foto: Johannes Timm / Lokalshistorisk Arkiv gl. Tønder Kommune

Das erste Heft im Jahrgang 2021 von „Sønderjysk Månedsskrift“ ist erschienen: Themen reichen von verbanntem Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Tondern bis zu Glockenstapeln an Kirchen in Nordschleswig.

Das erste Heft des neuen Jahrgangs der Geschichtszeitschrift „Sønderjysk Månedsskrift“ ist gerade erschienen. Es enthält wieder eine Reihe interessanter Beiträge aus der deutsch-dänischen Geschichte Nordschleswigs, beispielsweise über das 1897 vor der Tonderner Christkirche aufgestellte Denkmal zu Ehren Kaiser Wilhelms I., das 1945 aus dem Stadtzentrum verbannt wurde, über Glockenhäuser an Kirchen in Nordschleswig oder Sabotage an den Stellwerken auf dem Tingleffer Bahnhof im April 1945.

Kaiserliches Tondern

Der erste Beitrag im Heft 2021/1, das den Mitgliedern des historischen Vereins „Historisk Samfund for Sønderjylland“ bereits zugestellt worden ist, handelt vom Denkmal zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. (1797-1888), das am 100. Geburtstag des ersten Staatsoberhauptes des 1871 gegründeten Deutschen Reiches am 22. März 1897 in Tondern eingeweiht wurde. Die frühere Leiterin des Lokalhistorischen Archivs in Tondern, Britta Bargfeldt, berichtet, dass in der seinerzeit deutsch geprägten Wiedaustadt die Platzierung des Denkmals einige Zeit in Anspruch genommen hatte.

Die Bevölkerung der Stadt war mit der Ehrung des verstorbenen Kaisers einverstanden, doch wollten die Geschäftsleute nicht die Kundschaft aus den dänisch geprägten Dörfern im Umland mit dem Monument provozieren. Schließlich war es mit einem „preußischen“ Adler und einem Relief mit den Gesichtszügen des zum Kaiser aufgestiegenen preußischen Königs verziert.

Bis 1945 Standort an der Kirche

So wurde der knapp fünf Meter hohe Obelisk vor der Christkirche aufgestellt und nicht, wie zunächst vorgeschlagen, auf dem Marktplatz. Über drei Tage erstreckten sich die Feierlichkeiten um die Enthüllung des Denkmals, auf dessen Sockel die Namen der 89 Gefallenen aus dem Kreis Tondern verzeichnet sind, die im deutsch-französischen Krieg 1870/1871 ihr Leben lassen mussten. „Dieses Denkmal soll der Nachwelt künden von der tapferen Mitarbeit der Söhne des Kreises Tondern an der Einigung Deutschlands“, heißt es auf dem Denkmal. Wurden damals doch der dänisch-preußisch/österreichische Krieg 1864, der preußisch-österreichische Krieg 1866 und der mit dem Sieg über Frankreich endende Krieg 1870/71 auch als Einigungskriege verklärt, in denen es Bismarck gelungen war, Deutschland mit „Blut und Eisen“ zu einigen.

Britta Bargfeldt berichtet, dass das Kaiserdenkmal in Tondern im Gegensatz zum „Kollegen“ in Hadersleben den Wechsel Nordschleswigs ins dänische Königreich nach der Abstimmung am 10. Februar 1920 zunächst unverrückt überstand. Erst nach dem Ende der Besetzung Dänemarks durch Nazideutschland wurde das Denkmal aus dem Stadtzentrum Tonderns verbannt. Nach Einlagerung bei einem Steinmetz fand es einen Platz hinter der „Schweizerhalle“ beim Tonderer Schützenhaus. Nachdem 1994 die Kommune Tondern das Gelände hinter der Schweizerhalle übernahm, stand dem Denkmal ein weiterer Umzug bevor. Auf den Tonderner Kirchhof kam das Denkmal, und nicht wie vom Kommunalparlament beschlossen, in die Anlage der Stadt. Denn 1994 gab es überraschend Leserbriefe gegen das angeblich imperalistische steinerne Denkmal, dessen Standort allerdings unter anderem der kürzlich verstorbene SP-Politiker Christian Kier als Vorsitzender des Technischen Ausschusses verteidigte, der sich daraufhin plötzlich als Betonnationalist tituliert sah.

Sabotage in Tingleff mit langer Wirkung

Ein weiterer Beitrag von Ove Edvard Mogensen handelt von der Sprengung von zwei mechanischen Stellwerken auf dem Tingleffer Bahnhof durch die dänische Widerstandsbewegung am 30. April 1945. Mogensen berichtet, dass die Aktion den Verkehr auf der wichtigen Nord-Süd-Strecke während der letzten Tage der deutschen Besetzung Dänemarks nur wenige Stunden blockierte. Allerdings mussten auf dem Bahnhof Tingleff, von wo die Strecken nach Sonderburg und Tondern abzweigen, bis 1960 die Weichen per Hand gestellt werden statt vom Stellwerk aus über Drahtseile. Am 16. Mai 1960 ging ein neues elektrisches Stellwerk in Betrieb, nachdem bereits 1957 anstelle des alten Bahnhofsgebäudes aus dem Jahr 1862 ein Neubau fertig war. Der vor der Bahneröffnung 1864 errichtete Altbau war bei einem britischen Bombenangriff schwer beschädigt worden.

In Eken auf der Insel Alsen steht der Glockenstapel auf einem frühgeschichtlichen Grabhügel, an dem Gedenktafeln für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs aufgestellt worden sind. Foto: Volker Heesch

Weitere Themen im Heft sind die in Nordschleswig ebenso wie im Bundesland Schleswig-Holstein verbreiteten Glockenstapel, Holzkonstruktionen für die Kirchenglocken an meist turmlosen Kirchen. Architekt Jørgen Toft Jessen liefert viele Informationen über die Glockentürme, deren Geschichte teilweise bis in Mittelalter reicht.

Die roten Rinder in Nordschleswig sind Thema im neuen Heft von Sønderjysk Måndesskrift Foto: Historisk Samfund for Sønderjylland

Interessanten Lesestoff bieten weitere Beiträge über die roten Milchkühe in Nordschleswig, eine „Abstimmung“ in Düppel über die Einverleibung Südschleswigs nach Dänemark auf Initiative eines dänischen Aktivisten, die Rettung einer Kupferwanne vor der Einschmelzung während des Ersten Weltkriegs zur Unterstützung der deutschen Armee und Infos zu einem Stück Porzellan mit preußischem Kreuz. Die 40 Seiten umfassenden Hefte sind erhältlich über Historisk Samfund for Sønderjylland, hssdj@hssdj.dk, oder Tel. 74 62 46 38.

Mehr lesen