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Endlich wieder Schule! So lief der erste Schultag in Nordschleswig

Endlich wieder Schule! So lief der erste Schultag in Nordschleswig

Endlich wieder Schule! So lief der erste Schultag

Brigitta Lassen, Ute Levisen, Jan Peters, Sara Wasmund, Cornelius v. Tiedemann
Nordschleswig
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Deutsche Schule Hadersleben
Da kommt Freude auf: Nach langen Wochen gab es für die 3. Klasse in der Schulküche der Deutschen Schule Hadersleben ein Wiedersehen mit den Freundinnen und Freunden. Foto: Ute Levisen

Wiedersehensfreude: Wie ist es, nach langen Wochen im Hausunterricht jede Menge Freundinnen und Freunde um sich zu haben? Der erste Tag war vor allem dazu da, sich wieder an die Schule zu gewöhnen, berichten uns Lehrerinnen und Lehrer in ganz Nordschleswig. Auch Eltern und Kinder haben wir gefragt, wie sich die neue, alte Normalität anfühlt.

In ganz Nordschleswig sind am Montag die Kinder der 0. bis 4. Klassen wieder in die deutschen Schulen zurückgekehrt. Es war der erste Schultag im nicht mehr ganz neuen Jahr 2021 für sie. Noch ist vieles nach den vielen Wochen im Homeschooling ungewohnt. Eines aber überwiegt: die Wiedersehensfreude.

Luna, Agnes und Olt
Luna, Agnes und Olt (von links) gehen am ersten Schultag ran an den Teig. Foto: Ute Levisen

Hadersleben: Von Bäckern und Bengalkatzen

80 Kinder der 0. bis 4. Klassen an der Deutschen Schule Hadersleben (DSH) sind zurück in der Schule. „Endlich wieder Schule!“, freuen sich die Kinder der 3. Klasse, die unter Anleitung von Klassenlehrerin Nele Krenz Kuchen, „Fastelavnsboller“, backen. Olt, Agnes und Luna sind gemeinsam mit ihren Klassenkameraden begeistert bei der Sache. Ihnen macht es sichtlich Spaß, die Hände tief in den Teig zu vergraben und diesen ordentlich durchzuwalken.

Deutsche Schule Hadersleben
Zurück in der Schule: Luna freut sich, ihrer Freundin Agnes Spanisch beizubringen. Foto: Ute Levisen

Groß ist die Freude bei allen, wieder zusammen sein zu dürfen. Entsprechend viel haben sich die Drittklässler zu erzählen.

Obwohl: Langweilig sei ihr zu Hause nicht gewesen, räumt Luna ein und verrät auch gleich, warum: „Ich habe eine Katze, eine Bengalkatze. Mit ihr hat man keine Minute Ruhe. Ständig fegt sie durch die Gegend.“

Geheimsprache

Dennoch freut sich die Neunjährige, endlich wieder mit ihrer Freundin Agnes vereint zu sein: „Sie bringt mir Spanisch bei“, verrät Agnes. Beiden nicken: „Genau“, sagt Luna, „dann haben wir unsere eigene Geheimsprache!“.

Deutsche Schule Hadersleben
Es wird fleißig geknetet an der Deutschen Schule Hadersleben – unter Aufsicht von Klassenlehrerin Nele Krenz. Foto: Ute Levisen

Freude über Präsenzunterricht

Ihre Klassenlehrerin Nele Krenz bewahrt unterdessen in der Schulküche den Überblick, gibt Backtipps, tröstet die kleine Anna, die ihr Pausenbrot verloren hat, und lauscht dem munteren Geplauder der kleinen Bäcker.

Die Lehrerin für Dänisch, Deutsch und Sport freut sich, ihren Schützlingen wieder leibhaftig gegenüberstehen zu dürfen, nach Wochen mit Online-Unterricht.

„Aber es hat erstaunlich gut geklappt“, erzählt sie. Online-Unterricht und Selbststudium haben sich abgewechselt. Und zur Belohnung gab es stets ein Quiz – mit selbst gebastelten Fragen, versteht sich, bei dem die Kleinen zeigen konnten, was sie gelernt haben.

Schneeballschlacht auf dem Hof

Unterdessen steppt draußen auf dem Schulhof der Bär: Dort liefern sich die Jungs eine Schneeballschlacht. Auch dort ist der Jubel am ersten Schultag groß.

Jede Klasse für sich

Schulleiterin Heike Henn-Winkels hat von ihrem lichten Büro den Schulhof gut im Blick. „Wir haben zum Glück viel Platz, sodass jede Klassengemeinschaft ihr eigenes Spielfeld hat“, sagt sie.

Sie ist auch während des Shutdowns täglich im Büro gewesen: Es gebe stets genug zu tun. Auch Heike Henn-Winkels hat online unterrichtet, Schüler der 8. Klassen.

Ihr falle ein Stein vom Herzen, sagt sie, dass die Prüfungen aufgrund der Situation erst einmal entfallen. Um einige Schüler mache sie sich dennoch Sorgen: Diese Form des Fern-Unterrichtens sei längst nicht für alle Schüler geeignet.

Deutsche Schule Lügumkloster
Toben im Schnee: An der Deutschen Schule Lügumkloster ist die Wiedersehensfreude groß. Foto: Deutsche Schule Lügumkloster

Lügumkloster: Die Freude überwiegt

Auch an der Deutschen Schule Lügumkloster herrscht am Montagmorgen nach fünf Wochen ohne Präsenzunterricht große Wiedersehensfreude. „Die Kinder freuen sich, wir Lehrer und Lehrerinnen freuen uns und die Eltern freuen sich für ihre Kinder, aber auch über einen geregelteren Alltag, als wenn die Mütter und Väter im Homeoffice auch den Unterricht der Kinder beaufsichtigen müssen. Das bringt Ruhe in die Familien“, erklärt Schulleiterin Connie Meyhoff Thaysen.

Es sei besonders für die Kinder schön, wieder in die Schule zu kommen. Für sie sei die Wiedereröffnung ein großer Tag „obwohl sie nur eine Woche Schule haben und dann wieder für eine Woche wegen der Ferien zu Hause sind. Den Zeitpunkt finde ich daher nicht ganz so gut gewählt, vielleicht hätte man genauso gut bis nach den Ferien warten können. Aber es ist wichtig für die Kinder und das ist die Hauptsache“, übt die Schulchefin leise Kritik.

Deutsche Schule Lügumkloster
Deutsche Schule Lügumkloster: Endlich wieder mit den Freundinnen toben. Foto: Deutsche Schule Lügumkloster

Kinder, Eltern und Schule freuen sich

Der Unterricht für die 37 Kinder der Klassen 0 bis 4 laufe in dieser Woche so ab, dass die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer nur ihre eigenen Klassen unterrichten, während sie von Kollegen Aufgaben und Unterrichtsmaterial für die Fächer bekommen, die diese eigentlich hätten unterrichten sollen. „So ist der Schulalltag zumindest für diese Woche geregelt. Nach den Ferien könnte es sein, dass die Lehrkräfte in zwei Klassen unterrichten“.

Wichtig sei in dieser Woche aber vor allem auch das soziale Miteinander, das die Kinder seit Weihnachten vermisst haben.

Während des ausgefallenen Präsenzunterrichts hätten die Kinder und Lehrkräfte wieder viel dazugelernt. „Das hat eigentlich richtig gut geklappt. Jetzt geht es so weiter für die Klassen 5 und 6.“ Wann diese zurückzukehren, wage sie nicht zu sagen. „Aber ich hoffe, es wird vor Ostern sein“, sagt Connie Meyhoff Thaysen.

Während der Schulschließung hätten die Eltern die Notbetreuung verhältnismäßig wenig in Anspruch genommen. An einem Tag sei gar kein Kind gekommen, an anderen wurde mit neun Kindern die Höchstmarke erreicht.

Apenrade: „Juhu für die Kinder!“

An der Deutschen Privatschule Apenrade (DPA) bringt Inge Blasi derweil ihren Sohn am Montag erstmals seit langen Wochen wieder zur Schule: „Juhu für die Kinder! Meinem Sohn fehlte das Zusammensein mit den anderen. Das konnten wir merken. Er hat es vermisst, mit den anderen zusammen zu sein. Und auch das Spielen mit den Klassenkameraden fehlte ihm. Zwar gab es Online-Treffen der Klasse, doch das ist nicht das Gleiche.“

Und Vater Nils Klöcker berichtet: „Für die jüngeren Kinder ist es gut, dass sie wieder in die Schule kommen können. Meinem Sohn fehlten die Aktivitäten.“

Zudem sei es besser mit der Arbeit zu vereinbaren, wenn die Kinder in der Schule sind. Trotz der Freude für den Sohn habe er aber auch Bedenken, dass die Schulöffnung die Infektionszahlen wieder nach oben treiben könnte.

Doch: „Alles hat ein Risiko. Und hier überwiegen meines Erachtens die Vorteile gegenüber den Nachteilen“, meint der Vater.

Gravenstein: Organisation in Windeseile

Auch an der Förde-Schule in Gravenstein hat am Montag ein Schulalltag begonnen, der zuvor in Windeseile organisiert werden musste. „Vergangenen Montag haben wir von der geplanten Schulöffnung erfahren, erst am Freitagmorgen haben wir die präzisen Richtlinien erhalten“, so Schulleiter Niels Westergaard.

So galt es beispielsweise, auf die Schnelle komplett neue Stundenpläne für die Klassen 0 bis 4 zu erstellen. „Die Klassen sollen pro Woche höchstens auf drei Lehrer treffen. Jede Klasse hat einen festen Lehrer pro Tag“, so der Schulleiter der Förde-Schule. 14 Lehrkräfte sind vor Ort in der Schule, die restlichen arbeiten von zu Hause aus im Online-Unterricht.

Sicher ist sicher: Lehrer wechseln sich ab

„Nicht alle Lehrer kommen jeden Tag an die Schule, das wechselt. Manche kommen nur einmal pro Woche vorbei und arbeiten den Rest von zu Hause aus“, erläutert Westergaard. Ein Ziel des derzeitigen Lehrplans ist es, im Falle einer möglichen Corona-Erkrankung an der Schule so wenig Lehrer wie möglich in Quarantäne schicken zu müssen. Außerdem liegt der Fokus auf den Hauptfächern Mathe, Dänisch und Deutsch. Die Nebenfächer werden nach Möglichkeiten ebenfalls unterrichtet.

Der Schulalltag verläuft so kontaktarm wie möglich. Die einzelnen Klassen kommen und gehen, ohne auf andere Mitschüler zu treffen. Die Pausen sind, ebenso wie Schulbeginn und Schulende, versetzt. Alle Kinder kommen und gehen durch die Schulküche, die mit 15 Waschbecken zur „Waschschleuse“ umfunktioniert worden ist. Alle Klassen bleiben in den ebenfalls zeitlich versetzten Pausen unter sich.

Die Eltern werden gebeten, im Auto zu bleiben und ihre Kinder oben an der Straße abzusetzen, wo sie von Schulleiter Niels Westergaard in Empfang genommen werden. „Auch so vermeiden wir unnötige Kontakte mit den Eltern und zwischen den Eltern“, so Westergaard.

Die Schultage sind für die kleinen Klassen etwas länger geworden, für die älteren Schüler etwas kürzer. „Wir haben mit unserem Fuhrunternehmer gesprochen und haben abgesprochen, wie und wann die Kinder am besten mit dem Bus abgeholt werden können“, so der Schulleiter.

Deutsche Schule Hadersleben
Die Kinder und die Lehrerinnen und Lehrer sammeln derzeit neue Erfahrungen. Foto: Ute Levisen

Hadersleben: Gut vorbereitet

Zurück in Hadersleben geht es an der Deutschen Schule erst einmal darum, die Kinder an das Miteinander zu gewöhnen. Die Lehrer sind darauf gut vorbereitet und haben auch den Fernunterricht gemeistert, obwohl es eine neue Erfahrung gewesen ist.

„Die Vorlese-App der deutschen Bücherei hat uns dabei gute Dienste geleistet und ist sehr gut angenommen worden“, sagt Schulleiterin Heike Henn-Winkels.

Apropos: neue Erfahrung. Eines möchte die Schulleiterin auf jeden Fall in den künftigen Schulalltag integrieren, auch nachdem sich der Alltag wieder normalisiert: „Einmal im Monat werden wir einen Online-Tag einlegen. Das haben wir uns fest vorgenommen. Es wird eine Art Probelauf sein, um letzte Probleme zu beseitigen.“


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