Thema der Woche: Wildes Nordschleswig

Naturschutz mit Licht und Schatten

Naturschutz mit Licht und Schatten

Naturschutz mit Licht und Schatten

Tondern/Tønder
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Vor fünf Jahren freute sich der Vorsitzende des Vogelschutzbunds, Martin Iversen (Bildmitte), über die Einweihung des vergrößerten Schutzgebietes Söllstedter Moor. Foto: Archivfoto Elise Rahbek

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Der Vorsitzende der Vogelschutzstiftung „Fugleværnsfonden“, Martin Iversen aus Tondern, sieht große Erfolge für seltene Tiere und Pflanzen bei gezielter Naturpflege, aber weiter Artenschwund in intensiv genutzter Landschaft. Erfolg durch Naturmanagement im Margrethenkoog bei Hoyer.

In Nordschleswig sind in den vergangenen Jahren viele neue Naturschutzgebiete geschaffen, Wasserläufe renaturiert und Gehölze als Urwälder ausgewiesen worden.

Schutzgebiete und Flächenverbrauch

Doch nach Einschätzung des Vorsitzenden der vom Vogelschutzverein „Dansk Ornitologisk Forening“ gegründeten Vogelschutzstiftung „Fugleværnsfonden“, Marin Iversen, stehen nach wie vor Erfolgen auf dem Gebiet des Schutzes von seltenen Tier- und Pflanzenarten auch andauernde Verluste durch Flächenverbrauch und intensive landwirtschaftliche Nutzung großer Bereiche Nordschleswigs gegenüber.

Naturschutzbehörde vermeldet Erfolg im Margrethenkoog

Die staatliche Naturschutzbehörde im Bereich Wattenmeer, „Naturstyrelsen Vadehavet“, mit Sitz in Linnet (Lindet) bei Arrild hat am Dienstag einen Bericht über den Verlauf von zusätzlichen Schutzmaßnahmen im Südteil des Margrethenkoogs bei Hoyer (Højer) veröffentlicht, der belegt, dass gezielte Wiedervernässungen und Weidebetrieb im Dauergrünland der dortigen Marschenlandschaft elf Enten-, Wiesenvogel- und Seeschwalbenarten zu einem teilweise deutlich höherem Bruterfolg verholfen haben.

Erstmals seit der stärkeren Vernässung und Regulierung des Weidebetriebs sowie Maßnahmen gegen vierbeinige Nesträuber haben in diesem Jahr farbenprächtige Kampfläufer im Margrethenkoog bei Hoyer gebrütet, der erst vor 40 Jahren durch Eindeichung von Vorland und Wattflächen entstanden ist. Foto: Naturstyrelsen

Erstmals haben in diesem Jahr wieder Kampfläufer in dem Gebiet gebrütet, das an das deutsche Schutzgebiet Rickelsbüller Koog grenzt, wo die schleswig-holsteinische Stiftung Naturschutz durch Maßnahmen auch gegen Raubsäuger den in den einheimischen Marschen zuvor ausgestorbenen Vögeln wieder ein Brutgebiet schaffen konnte. „Wo die Natur die Chance erhält, sich zum Vorteil bestimmter Arten zu entwickeln, können wir große Erfolge verzeichnen“, so Martin Iversen, der sich seit Jahrzehnten als Vorsitzender des Vogelschutzverbandes in Nordschleswig und seit vielen Jahren als Vorsitzender des in ganz Dänemark aktiven Vogelschutzfonds für seltene Arten, aber auch für die Vermittlung von Naturerlebnissen an die breite Öffentlichkeit einsetzt.

Bekassinen im Söllstedter Moor

„In unseren Vogelschutzgebieten Söllstedter Moor, Seegaarder Moor oder Bremsbüller See können wir gute Ergebnisse verzeichnen“, so der Naturschützer, der selbst oft Interessierte zu dort vorkommenden Vogelarten wie Bekassinen, Kranichen oder Feldschwirlen führt. Auf dänisch heißen die Schutzgebiete Sølsted Mose, Søgård Mose und Bremsbøl Sø.

Bekassinen sind Brutvögel im Söllstedter Moor. Als Rastvögel sind sie auch in der Tonderner Marsch und an der Wattenmeerküste wie auf dem Foto an der Wiedauschleuse zu sehen. Foto: Volker Heesch

Neu Arten aufgrund des Klimawandels

„Es gibt aber auch Entwicklungen bei den Vogelarten in unseren Schutzgebieten, die sich durch Klimaveränderungen erklären lassen“, so Martin Iversen und nennt als Beispiel den starken Rückgang bei den Sprossern (Nordische Nachtigall) trotz des sonst erfolgreichen Naturschutzes im Söllstedter Moor. Zugleich sind neue Arten wie das Schwarzkehlchen oder das Blaukehlchen im Bereich der Westküste bei Hoyer im Aufwind.

Die Löffler sind in diesem Jahr kürzlich mit bis zu 60 Exemplaren im Bereich der Wiedauschleuse bei Hoyer zu sehen gewesen. Die Art breitet sich in Dänemark aus. Sie ist aber auch auf Brutplätze angewiesen, die vor Raubtieren wie Füchsen sicher sind. Foto: Volker Heesch

Zu den neuen Arten zählen ebenfalls die Silberreiher und die Löffler auch im Bereich der Tonderner Marsch und im Wattenmeer, die zu beobachten unter Naturfreundinnen und -freunden vor einigen Jahrzehnten dort noch als Sensation galt. Und während die Sichtung von Seeadlern in Nordschleswig inzwischen zu alltäglichen Naturerlebnissen zählt, „kämpfen“ Naturschützer weiter um den Erhalt des Brutbestandes der Wiesenweihen im westlichen Nordschleswig. Als eine Herausforderung sieht Martin Iversen auch Störungen der Natur durch steigende Zahlen von Touristen.

Lenkung von Touristen nötig

„Darauf ist bei der Planung beispielsweise der Wanderrouten in der Tonderner Marsch auf Hinweise von Vogelschützern hin Rücksicht genommen worden. So sind die Wanderwege in einigen Bereich am Margrethenkoog hinter den Deich verlegt worden“, berichtet der Naturschutzfachmann und verweist auf Probleme an Vogelgelegen, wenn in der Brutzeit mitgeführte Hunde die Tiere aufschrecken. „Auf Röm ist besonderer Einsatz in den Schutzgebieten für die Zwergseeschwalben und Seeregenpfeifer am Weststrand der Insel nötig“, berichtet Iversen, der den Eindruck hat, dass die meisten Strandurlauber Verständnis zeigen, dass abgesperrte Bereiche nicht betreten werden dürfen. „Mitunter wäre der Einsatz von Rangern wünschenswert“, so der Naturschutzexperte, dem die Verarmung der Natur in der wirtschaftlich stark genutzten Agrarlandschaft besondere Sorge bereitet.

Korridore und Trittsteine für die Natur wünschenswert

„Es wäre wünschenswert, wenn in solchen Bereichen Korridore und Trittsteine für die Natur geschaffen werden könnten“, so der Vogelschützer. So könnten Arten der Agrarlandschaft wie die Feldlerchen oder Grauammern überleben, die in vielen Gebieten kaum noch zu sehen und zu hören sind. Iversen begrüßt auch neue Initiativen zur Wiedervernässung von Niederungen wie im nördlichen Teil des Margrethenkoogs oder im Seiersbekkoog bei Hoyer, die als Projekte zur Schaffung von Überschwemmungsflächen angesichts steigender Niederschlagsmengen oder zur Bindung von Kohlendioxid als Klimaschutzmaßnahme mit Entschädigungen für betroffene Landwirte finanziert werden, aber gleichzeitig der Tier- und Pflanzenvielfalt dienen.

Die Flussseeschwalbe erlebt nach Jahren des Rückgangs einen Aufschwung im Bereich bei Hoyer. Sie erbeutet im Sturzflug kleine Fische in stehenden und fließenden Gewässern. Foto: Volker Heesch

Im südlichen Teil des Margrethenkoogs haben in der Brutsaison 2021 im Vergleich zum Vorjahr die Flussseeschwalben, einst typische Vögel der Tonderner Marsch, von 1 auf 12 Brutpaare zugelegt. Bei den Säbelschnäblern ist es von 80 auf 89 und bei den Austernfischern, die seit Jahren ein Minus erleben, von 12 auf 20 aufwärts gegangen. Bei den Kampfläufern wurden erstmals zwei bis drei Brutpaare registriert. Die Männchen dieser Watvogelart fallen während der Brutperiode durch ein farbiges Prachtgefieder und besondere „Tänze“ im Wettkampf um die Weibchen auf.

Im Söllstedter Moor, das die Stiftung „Fugleværnsfonden“ betreut, zählen Kraniche zu den Brutvögeln. Sie sind aktuell auch auf Feldern im Raum Tondern zu sehen. Foto: Fugleværnsfonden / Jan Skriver

Der Vogelschutzfonds finanziert sich zum größten Teil aus Spenden. Aktuell bemüht er sich, durch Zukauf von Flächen die bestehenden Schutzgebiete wie im Seegaarder Moor oder am Söllstedter Moor zu vergrößern.

Unterstützung willkommen

Dort gibt es teilweise noch zersplitterte Besitzverhältnisse. „Wir freuen uns auch, wenn Finanzmittel oder als Naturschutzgebiete geeignete Flächen an den Vogelschutzfonds vererbt werden“, so Martin Iversen. Informationen über die Stiftung gibt es unter fugleværnsfonden.dk, es werden auch Hinweise zur Lage der Schutzgebiete und dort regelmäßig veranstaltete Wanderungen mit Vogelexperten gegeben.

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Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
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