Recycling:

Haufenweise Gebrauchtes

Haufenweise Gebrauchtes

Haufenweise Gebrauchtes

Apenrade/Aabenraa
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Am Tresen wird alles abgegeben und danach von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Recyclinghofes vorsortiert. Foto: Karin Riggelsen

Im zweiten Corona-Shutdown wird viel aufgeräumt und zur Wiederverwertung gebracht. So häufen sich auch beim Secondhand-Laden von Arwos gebrauchte Dinge und warten auf einen neuen Besitzer. Die Mengen führen bei dem Entsorgungsunternehmen jedoch nicht zum Haare raufen.

Arwos Recyclingplatz, Freitagmorgen, 9 Uhr: Ein Paar Schuhe werden auf den tresenartigen Tisch abgestellt, daneben häufen sich ein gebrauchter Mixer, ausrangierte Kleidung in einer Tüte und weitere Dinge, die nicht mehr benötigt werden. Sie sind auf dem Recyclinghof des kommunalen Entsorgungsunternehmens Arwos gelandet.

Halfdan Neumann schaut, ob die Schuhe noch tragbar sind. Foto: Karin Riggelsen

Zu dem Hof gehört auch ein eigener Secondhandladen, in dem all die Sachen verkauft werden, für die es, nach den kundigen Blicken der Mitarbeiter, zu schade wäre, in der Verbrennungsanlage oder in der Wiederverwertung zu landen. Dazu gehören unter anderem Kleidung, Möbel, Fahrräder und sogar Autofelgen mit Bereifung.

Mitarbeiter haben viel zu tun

Und es ist nicht wenig, was auf dem Recyclinghof abgegeben wird – im vergangenen Jahr sogar überdurchschnittlich viel. „Die Ursache ist das Coronavirus“, erklärt Arwos-Teamleiter Halfdan Neumann. Schon im ersten Shutdown kamen die Mitarbeiter kaum hinterher, die gebrauchten Sachen wegzupacken. „Die Leute haben zu Hause aufgeräumt und alles, was nicht mehr benötigt wurde, landete bei uns. Und so ist es auch jetzt, im zweiten Shutdown“, sagt Neumann.

Säckeweise gepackt stapelt sich die Kleidung zum Abtransport ins Lager nach Pattburg. Foto: Karin Riggelsen

„Positives Problem“

Ein Blick in den Secondhandladen zeigt: Er hat recht. Dort sind die Regale voll mit Deko-Elefanten, Tellern, Schüsseln, Spielzeug, Bildern, Anzügen, Krawatten und vielem mehr. Auch das Lager am Apenrader Standort ist gut gefüllt. Kleidung, abgepackt in Säcken, alte und weniger alte Elektronik und Möbel, vom kleinen Beistelltisch bis hin zum großen Schrank. Ein positives Problem, nennt Halfdan Neumann das.

Besonders kuriose Funde stellen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesondert heraus. Foto: Karin Riggelsen

Für ihn sind die Mengen kein Problem. „Wir haben in Pattburg ein mehrere Tausend Quadratmeter großes Lager, in dem wir die Dinge sammeln können“, erklärt er. Bei einigen Wohltätigkeitsorganisationen sehe das anders aus, habe er gehört. Dort seien die Lager inzwischen voll, weil die Secondhandläden wegen des Shutdowns ja nicht mehr geöffnet haben dürften.

Teamleiter Halfdan Neumann sammelt sich aus den abgegebenen Sachen gezielt seine „Lieblinge“ heraus. Dann gibt es Thementage, zu denen sie angeboten werden. So findet einmal im Jahr ein „Star-Wars-Tag“ statt, auf den über Facebook aufmerksam gemacht wird. Es gibt aber auch den „Designtag“ oder den „Weihnachtssachen-Tag“. Foto: Karin Riggelsen
Ein besonderes Schachspiel Foto: Karin Riggelsen

Und so sortieren Neumann und seine neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter. Im vergangenen Jahr waren es 700 Tonnen, die durch die Hände der Angestellten gingen. Fast die Hälfte davon war Kleidung.

Aussortiert und ab nach Afrika

Die Kleidung wird, wenn die besten Stücke aussortiert wurden, nach Pattburg (Padborg) gebracht. Von dort geht es per Lkw nach Leipzig, wo ein Unternehmen beheimatet ist, das diese Kleidungsstücke nach Afrika oder Asien versendet. Sind sie gar nicht mehr brauchbar, werden sie geschreddert und dienen dann unter anderem in Autos als Dämmmaterial. Das muss Arwos, denn die Gesetze sehen vor, dass ein möglichst großer Teil aller jemals produzierten Waren so nachhaltig wie möglich behandelt wird.

Halfdan Neumann (l.) und Sussanne Petersen besprechen die neue Ausstellung im Secondhandladen Foto: Karin Riggelsen

Laden wartet auf Kunden

Derzeit warten im Apenrader Secondhandladen jedoch die Sachen, die es dorthin geschafft haben, auf neue Besitzer. Mitarbeiterin Sussanne Petersen stellt die Waren dekorativ aus – nach Farben sortiert, wie sie verrät, denn „sonst säßen wir in einem bunten Bonbonladen“, lacht sie.

Sussanne Petersen hat ein Händchen fürs Dekorieren. Foto: Karin Riggelsen

Beide, Petersen und Neumann hoffen, bald wieder Kunden im Laden begrüßen zu können. Sie erwarten, wie nach dem ersten Shutdown, in den ersten Tagen eine Menge Kunden. Doch sie haben aus der „ersten Welle“ gelernt, sagen sie. „Wir werden die Leute gruppenweise hereinlassen, jeweils für eine halbe Stunde. Außerdem werden wir Personal abstellen, das für Ordnung sorgt“, berichtet der Teamleiter des Recyclinghofes.

Nach Farben sortiert werden die Artikel den Kunden präsentiert Foto: Karin Riggelsen
Auch Antikes wird angeboten. Foto: Karin Riggelsen

4 Millionen Kronen Umsatz hatte der Secondhandladen in Apenrade zusammen mit dem Laden in Pattburg. Damit werden neun Arbeitsplätze finanziert – und sogar ein kleiner Überschuss springt dabei raus. Damit gab es erneut eine Absatzsteigerung. „Die Menge der verkauften Waren und der Umsatz sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen“, so Neumann, der jedoch im Corona-Jahr eine deutliche Umsatzspitze erkennt.

Aufgereiht hängen Schals zum Verkauf und warten auf erneuten Gebrauch. Foto: Karin Riggelsen
Solche Einzelstücke sind im Secondhand-Laden zu finden. Foto: Karin Riggelsen

„Wir haben viele gute Sachen angenommen, was unser Angebot vergrößerte, und so konnten wir auch den Absatz steigern.“ Eine ähnliche Situation erwartet er auch nach dem Ende des zweiten Shutdowns, „der hoffentlich nicht mehr so lange auf sich warten lässt“, so Halfdann Neumann.

Hafldan Neumann in seinem selbst kreierten Büro in „Arwos-Grün“. Foto: Karin Riggelsen

Arwos Secondhandladen

Die beiden Secondhandläden des kommunalen Ver- und Entsorgungsunternehmens Arwos liegen direkt am Gelände des Recyclingplatzes in Apenrade und in Pattburg.

Dort werden gebrauchte Dinge angeboten, die jedoch noch voll gebrauchsfähig sind. Dazu gehören Haushaltsgegenstände und Elektronik – vom Fernseher, über Küchengeräte bis hin zu Lampen.

Die Produkte, die dort angeboten werden, kommen von fünf Arwos-eigenen Recyclinghöfen in Apenrade, Klipleff (Kliplev), Kobro, Tombüll (Tumbøl) und Pattburg kommen.

Im vergangenen Jahr wurden dort 700 Tonnen zur Wiederverwertung abgegeben. Etwa 300 Tonnen waren Kleidungsstücke. 150 Tonnen davon wurden aussortiert und in die deutsche Stadt Leipzig gebracht, wo sie nochmals sortiert und dann nach Afrika oder Asien verschickt werden, oder sie kommen in den Schredder und dienen als Dämmmaterial (beispielsweise in Autos zur Schallisolierung).

Neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um den reibungslosen Ablauf von der Annahme der Waren über die Sortierung bis hin zum Verkauf.

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