Behindertensport

Dänischer Meistertitel für dänisch-deutsches Team aus Apenrade

Dänischer Meistertitel für dänisch-deutsches Team aus Apenrade

Dänisch-deutsches Team holt dänischen Meistertitel

Apenrade/Aabenraa
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Das siegreiche Team (v. l.): Michael Johannsen, Spielertrainer Christian Thomsen, Tobias Kropf und Lukas Stöckhardt. Stehend dahinter die beiden Betreuer Thorsten Kropf und Stefan Stöckhardt. Auf dem Foto fehlt der dritte Betreuer Jørgen Johannsen. Foto: privat

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Die Entscheidung im Elektrorollstuhl-Hockey fiel bei den dänischen Finals erst im Penaltyschießen. Die Titelgewinner sprechen untereinander in der Regel Deutsch.

Nach einer äußerst packenden Entscheidung konnte am Sonntag im Lager des Apenrader Behindertensportvereins „ParaSport Aabenraa“ der erste dänische Meistertitel im Elektrorollstuhl-Hockey (kurz: El-Hockey) bejubelt werden. Die Entscheidung fiel im Rahmen der dänischen Finals, „DM-Ugen“ in Aalborg.

In einem spannenden Finale setzte sich das Team „Aabenraa Danfoss Lions 1“ gegen die hoch favorisierte Mannschaft vom El-Hockey Klub Kopenhagen im Penalty-Schießen durch. Die Hauptstädter haben die gesamte Saison hindurch souverän die 1. Division angeführt.

Nach der ordinären Spielzeit hatte es 1:1 Unentschieden gestanden. Da auch die anschließende Verlängerung von zweimal 5 Minuten keine Tore brachte, musste das Penalty-Schießen die Entscheidung bringen. Hier setzte sich das Team des Apenrader Behindertensportvereins dann mit 2:1 durch und drehte damit den Spieß um. Beide bisherigen Punktspiele der diesjährigen Ligasaison konnten die Kopenhagener nämlich gegen die Apenrader gewinnen.

Teamkapitän und Spielertrainer Christian Thomsen (r.) gibt in einer Pause die Anweisungen. Foto: privat

Spieler aus Schleswig-Holstein

Das Besondere an dem Team aus Apenrade: Die Spieler kommen aus Dänemark und aus Deutschland.

„Das ist für uns seit 13 Jahren Normalität“, sagt Thorsten Kropf aus Norderbrarup in Angeln, der als Mannschaftsbetreuer am Seitenrand steht. Er ist durch seinen Sohn Tobias zum Elektrorollstuhl-Hockey gekommen.

Vor 13 Jahren hatte Erhard Frederiksen, der den El-Hockey-Sport in Apenrade eingeführt hatte, gezielt Behindertensportvereine in Schleswig-Holstein zu einem Schnuppertraining eingeladen. Seitdem hat Tobias kaum ein Training in der Enstedthalle verpasst und sein Vater ist als Trainer und Betreuer engagiert dabei.

Das Spiel

Es wird in einer Sporthalle, auf einem mit einer Bande umrandeten Spielfeld (14 mal 20 m), gespielt. Jede Mannschaft besteht aus drei Spielern. Es werden zwei Halbzeiten à 15 Minuten gegeneinander gespielt, dabei wird der Ball so oft wie möglich mit dem am Stuhl befestigten Schläger ins Tor geschossen.

Entscheidende Unterschiede

In Deutschland wird zwar auch Elektrorollstuhl-Hockey gespielt. Dort wird aber der eigene Rollstuhl eingesetzt, während den Spielern beim El-Hockey, wie er in Dänemark und den anderen nordischen Ländern praktiziert wird, Rollstühle vom Verein zur Verfügung gestellt werden. Sie sind Sportgeräte wie das Reck für Turner oder der Ball für die Fußballerin. Dadurch können Menschen mit unterschiedlichen Behinderungsbildern zusammen Sport treiben. Sie müssen im Prinzip nur einen Joystick bedienen können.

Die Finals in Aalborg

Es sei ein besonderes Erlebnis gewesen, im Rahmen der dänischen Finals, noch dazu im Gigantium von Aalborg, die entscheidenden Matches vor Publikum spielen zu dürfen, stellt Thorsten Kropf fest. „Ja, es war sehr emotional. Das Team hat jahrelang daraufhin gearbeitet und wurde belohnt“, freut sich der Vater und Betreuer.

Im Apenrader Team haben die Spieler nicht nur unterschiedliche Behinderungen, sondern sprechen von Haus aus auch unterschiedliche Sprachen.

Neben Tobias Kropf bestand das erfolgreiche Team aus Lukas Stöckhardt aus Neumünster, Michael Johannsen aus Broacker (Broager) und Spielertrainer Christian Thomsen aus Feldstedt (Felsted). Normalerweise gehört auch Erdon Shala aus Rothenkrug (Rødekro) zum Team. Er war jedoch aufgrund einer Ferienreise nicht in Aalborg dabei.

Spielertrainer und Mannschaftskapitän Christian Thomsen mit dem Meisterpokal Foto: privat

Hauptsprache ist Deutsch

Durch die lange Zusammenarbeit weiß Thorsten Kropf nicht auf Anhieb, in welcher Sprache in der Mannschaft kommuniziert wird. „Vieles im Spiel passiert ja instinktiv – ohne Worte. Sie kennen und vertrauen sich. Aber wenn etwas gesagt oder gerufen wird, dann ist es meistens Deutsch – das verstehen eigentlich alle, aber auch Dänisch und Englisch – und ansonsten mit Händen und Füßen“, sagt der Teambetreuer schmunzelnd. Auf jeden Fall scheint die Kommunikation am Sonntag in Aalborg perfekt geklappt zu haben.

Der World Cup lockt

„Das Erlebnis macht natürlich Hunger auf mehr. Das Team will jetzt unbedingt im September auch zum World Cup im El-Hockey in Schweden. Dort nehmen auch Mannschaften aus Kanada teil“, sagt der Teambetreuer. Er hat über den Flensburger Verein „Mittelpunkt Mensch“, dem er vorsteht, zumindest schon den Bus bestellt. Allerdings bedarf es noch einiger Spenden, um das Projekt realisieren zu können.

„Es sind immerhin 1.200 Kilometer. Wir brauchen deshalb einen Zwischenstopp mit Übernachtung – auf dem Hin- und auf dem Rückweg. Wir würden natürlich gern auch noch ein paar Tage nach den Wettkämpfen bleiben, um etwas von Schweden zu sehen. Damit sich die lange Anreise auch lohnt“, betont Kropf. Er will nach Möglichkeit mit zwei Teams nach Schweden fahren.

Titelfeier in der Enstedthalle

Das nächste Training findet übrigens am kommenden Sonnabend in der Enstedthalle statt.

„Natürlich soll der Titel gebührend gefeiert werden. Was wir genau machen werden, haben wir noch nicht entschieden, aber ich denke, ein paar T-Shirts mit goldenem Aufdruck haben sich die Jungs verdient“, sagt Erhard Frederiksen, auf dessen Initiative einst der Elektrorollstuhl-Hockeyklub in Apenrade gegründet wurde, der heute ein Teil des Behindertensportvereins ist. Frederiksen ist heute Leiter der Sparte El-Hockey und darüber hinaus Kassierer von ParaSport Aabenraa.

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