Deutsche Minderheit

Rohwedder: „Eigentlich hätte der Groschen fallen müssen!“

Rohwedder: „Eigentlich hätte der Groschen fallen müssen!“

Rohwedder: „Eigentlich hätte der Groschen fallen müssen!“

Karin Friedrichsen
Karin Friedrichsen Journalistin
Hadersleben/Haderslev
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Claus Rohwedder (80) ist für seinen Einsatz auf lokaler Ebene in der Kommune Hadersleben und im Geschäftsausschuss des Gesamtverbandes des Sozialdienstes Nordschleswig geehrt worden. Foto: Karin Riggelsen

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Claus Rohwedder war einer der beiden ehrenamtlich Tätigen, die ausgezeichnet wurden, als der Sozialdienst Nordschleswig seine Generalversammlung durchführte. Der 80-Jährige bekam warme Worte des Dankes und eine Urkunde für seinen Einsatz. Sophie Matzen aus Lügumkloster erhielt die Ehrennadel des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.

Wir treffen Claus Rohwedder zum Interview in Hadersleben. Er ist in die Wohnung seiner Lebensgefährtin Yvonne Larsen gekommen, die seit 2018 in der Innenstadt lebt. Der Nordschleswiger rundete im Februar die acht Jahrzehnte und erwägt, sein Haus in Heisagger (Hejsager) zu verkaufen und permanent in die Domstadt zu ziehen. „Wenn Claus sein Haus verkauft, muss er sich nicht um den Garten in Heisagger kümmern. Dann bleibt uns mehr Zeit für Familie und Freunde, und wir können verreisen“, sagt Yvonne Larsen und lächelt.

Fünfköpfige Kinderschar

Elektroingenieur Claus Rohwedder sammelte viele Erfahrungen im Berufsleben. Mit seinen vier Geschwistern wuchs er auf einem Hof bei Stoltelund auf. „Der Hof war vom Seegaarder Gut parzelliert worden. Mit 128 Hektar war es der größte Betrieb, einen Namen hat er nicht bekommen“, erzählt Claus Rohwedder. Die Vorfahren seines Vaters Johannes Rohwedder stammten väterlicherseits aus Hanerau-Hademarschen.

Johannes Rohwedder und seine Frau Annemarie waren aktive Mitglieder der deutschen Minderheit. Claus Rohwedder, der im Februar 1941 auf die Welt kam, wurde in der dänischen Schule in Baistrup (Bajstrup) eingeschult. Als der Deutsche Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach seinen Schulbetrieb wieder aufnehmen konnte, wechselte Claus Rohwedder in die deutsche Schule in Tingleff (Tinglev).

Die gemeinsame Leidenschaft für Jazzmusik brachte Claus Rohwedder und Yvonne Larsen zusammen. Foto: Karin Riggelsen

Minderheiten-Engagement von klein auf

„Mein Vater war auch Vorsitzender des Schulvorstandes in Tingleff. Ich konnte nie mit Klagen kommen, was den Schulbetrieb anbelangte“, sagt Claus Rohwedder und lacht. Das Engagement für die Minderheit wurde in seiner Kindheit und Jugend geweckt.

Der 80-Jährige hat mehrere Ehrenämter auf sich genommen. Sein Einsatz für den Sozialdienst Nordschleswig wurde bei der Generalversammlung der Organisation am 1. Juli geehrt. Sozialdienstvorsitzende Elke Lorenzen dankte ihm für seinen Einsatz als Bezirksvertreter auf lokaler Ebene in der Kommune Hadersleben und im Geschäftsausschuss des Gesamtverbandes. „Ich habe mich gefreut. Aber es gibt viele andere, die auch eine Ehrung verdient hätten“, sagt er ganz bescheiden.

Landwirtschaftliche Ausbildung und Militärdienst

Als er 1958 sein Realexamen ablegte, wollte sein Vater, dass er auf Lehramt studierte. „Ich wollte nicht Lehrer werden, mit dem Pädagogischen hatte ich nicht so viel im Sinn“, erinnert sich Claus Rohwedder. Stattdessen machte er eine zweijährige landwirtschaftliche Ausbildung auf dem Familienhof. Danach wurde er zum Militärdienst eingezogen beim Schleswigschen Infanterieregiment in Hadersleben. Das Infanterieregiment habe versucht, ihn als Feldwebel zu rekrutieren, aber Claus Rohwedder hatte andere Pläne.

Ich habe von Spiegeleiern und Schwarzbrot gelebt. Die Eier konnte ich von zu Hause mitnehmen

Claus Rohwedder, Ehrenamtler beim Sozialdienst Nordschleswig

Spiegeleier und Schwarzbrot

Im Februar 1962 begann Rohwedder eine Lehre als Radio- und Fernsehtechniker im „Radiohaus Wendorff“ in der Flensburger Fußgängerzone. „In Dänemark musste man damals dreieinhalb Jahre auf einen Ausbildungsplatz warten“, erinnert sich Claus Rohwedder. Die Ausbildung dauerte vier Jahre, und mit einem Monatsgehalt von 50 DM und einer monatlichen Zimmermiete von 43,26 DM musste der junge Rohwedder sparen. „Ich habe von Spiegeleiern und Schwarzbrot gelebt. Die Eier konnte ich von zu Hause mitnehmen“, lacht Rohwedder.

Ingenieurstudium in Sonderburg

Mitte der 1960 Jahre kehrte er mit dem Gesellenbrief in der Tasche zurück in die Heimat, wo er seinen ersten Job als Radio- und Fernsehtechniker in Söllstedt (Sølsted) antrat. Ein Jahr später sattelte er um und absolvierte ein Ingenieurstudium in Sonderburg (Sønderborg).

Claus Rohwedder studierte bis 1971. Als er fertig war, fand er zunächst keine Arbeit. Stattdessen packte er an bei einem großen Umbau auf dem Familienhof, als sein Vater den Betrieb komplett auf Jungviehaufzucht und Milchvieh umstellte.

Vater zweier Söhne

1966 heiratete Claus Rohwedder die ausgebildete Kindergärtnerin Heidi Rohwedder. Im Herbst 1971 fand der Elektroingenieur Anstellung in Kiel. Das Ehepaar, das zwei Söhne bekommen hatte, ließ sich in Stoltenberg nieder. Der älteste Sohn Rolf wurde 1967 geboren, und Lennart kam 1968 auf die Welt.

„Wir sind 1976 nach Nordschleswig zurückgekommen. Damals mussten wir von Elternseite entscheiden, welche Schulrichtung unsere Söhne einschlagen sollten. Das konnten wir nicht entscheiden, deswegen sind wir zurückgekommen“, erinnert sich Claus Rohwedder. Die kleine Familie ließ sich in Hadersleben nieder, wo Rolf und Lennart zunächst die Deutsche Schule Hadersleben (DSH) besuchten und danach an das Deutsche Gymnasium für Nordschleswig in Apenrade (Aabenraa) wechselten.

Obwohl Claus Rohwedder in den Folgejahren unter anderem in Gravenstein (Gråsten), Seest bei Kolding, Sonderburg (Sønderborg) und Woyens (Vojens) in leitenden Positionen tätig war und dabei unter anderem als Produktionsleiter arbeitete, wohnte die Familie in Hadersleben. Heidi Rohwedder verstarb 1988, ein Jahr nachdem sich das Ehepaar getrennt hatte.

Hausmeister auf „dem Berg“ nach markantem Branchenwechsel

Nach einem Sabbatjahr 1991 wechselte der Elektroingenieur die Branche. Er arbeitete zunächst in einer Autobahntankstelle bei Fröslee (Frøslev). Als die Bildungsstätte Knivsberg einen neuen Hausmeister suchte, bewarb sich Rohwedder. Er war knapp zehn Jahre „auf dem Berg“, bevor er sich 2003 in den Vorruhestand verabschiedete.

Seeländerin fühlt sich gut aufgenommen

Als er den Posten als Hausmeister abgab, musste er auch die Dienstwohnung der Bildungsstätte verlassen. Das Haus in Heisagger, von dem sich Rohwedder wahrscheinlich in absehbarer Zeit trennt, um mit Yvonne Larsen in der Domstadt zusammenzuleben, kaufte er 2004.

Das Paar lernte sich vor 15 Jahren kennen. Die gemeinsame Leidenschaft für Jazzmusik brachte den heute 80-Jährigen und seine ein Jahr jüngere Partnerin zusammen. Yvonne Larsen ist Seeländerin. In Nordschleswig hat sie sich gut eingelebt, ob der sozialen Kontakte im Haderslebener „Jazzklub“ und dem „Haderslebener Frauenverein“. „Ich bin gut aufgenommen worden“, sagt Yvonne Larsen, die sich auch der „Maria Loge“ in Apenrade (Aabenraa) zugehörig fühlt.

„Ich stamme aus Kopenhagen, habe aber vor meinem Umzug nach Nordschleswig über 40 Jahre in Ølstykke gelebt“, erzählt Yvonne Larsen. Ihre beiden Töchter leben nach wie vor mit ihren Familien auf Seeland.

„Ich habe drei Enkelkinder und einen Urenkel. Meine Kinder und die Kinder von Claus verstehen sich sehr gut. Das ist eine große Freude für Claus und mich“, unterstreicht die 79-Jährige. Sie hofft, dass Claus Rohwedder sein Anwesen verkauft, damit sie ihren Ruhestand „ohne Verpflichtungen“ genießen können.

Ehemalige Vorsitzende brachte das Ehrenamt ins Spiel

Es war Ellen Sternkopf († 2014), die 2008 Claus Rohwedder, der einige zuvor Mitglied des Frauenvereins geworden war, aufforderte, sich ehrenamtlich im Sozialdienst zu betätigen. „Ellen konnte man keine Bitte ausschlagen“, denkt Rohwedder zurück an die ehemalige Vorsitzende des Haderslebener Frauenvereins.

Claus Rohwedder ist somit von der damaligen Vorsitzenden als Bezirksvertreter in den Vorstand des Sozialdienstes berufen worden. Er ist auch Mitglied des Geschäftsausschusses des Gesamtverbandes. „Da ich ernannt und nicht gewählt bin, stehe ich nie zur Wahl“, lacht der Haderslebener. Er war auch 36 Jahre beim Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) in der Domstadt als Kassierer tätig. Als er 2014 an Krebs erkrankte, gab er diesen Posten ab, um sich voll auf seine Genesung zu konzentrieren. „Gesundheitlich geht es mir wieder gut. Die Blutproben sagen, dass der Krebs weg ist“, freut sich Claus Rohwedder, der auch dem Vorstand von „Haderslev Jazzclub“ angehört.

Ellen konnte man keine Bitte ausschlagen

Claus Rohwedder, Ehrenamtler beim Sozialdienst Nordschleswig

Alarmglocken blieben still

Für ihn kam die Ehrung im Rahmen der Generalversammlung überraschend. „Eigentlich hätte der Groschen fallen müssen“, überlegt Rohwedder. Auf der Vorstandssitzung im Vorfeld der Generalversammlung sei nämlich nicht, wie sonst üblich, diskutiert worden, wer 2021 ob seines Engagements geehrt werden sollte.

„Es wurde nur gesagt, dass in diesem Jahr keine Vorschläge aus den Ortsvereinen vorlagen. Deswegen habe ich nicht weiter darüber nachgedacht“, verrät Claus Rohwedder. Auch als Abteilungsleiter Hans Grundt ihn aufforderte, sich für die Generalversammlung in der Deutschen Schule Tingleff anzumelden und er am Veranstaltungstag von zwei Familienberaterinnen mit einem „gut, dass du da bist, Claus“, begrüßt wurde, „schrillten die Alarmglocken“ noch immer nicht.

„Ich habe mich in den Saal gesetzt, und als Elke Lorenzen die Ehrung ankündigte und meinen Namen nannte, war ich vollkommen überrascht“, lacht Claus Rohwedder. Er freut sich über die Ehrung, hat aber ein wenig ein schlechtes Gewissen, denn es gibt, so Rohwedder, viele Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler, die einen großen Einsatz leisten.

Die Sozialdienstvorsitzende Elke Lorenzen ehrte Claus Rohwedder. (Archivfoto) Foto: Karin Riggelsen

Seniorenclub in Mölby ist auch ein Teil von Rohwedders Zuständigkeitsbereich

Der Haderslebener Frauenverein ist dem Sozialdienst angeschlossen. Claus Rohwedder vermittelt zwischen Frauenverein und Sozialdienst. In seinen Zuständigkeitsbereich gehört auch der „Seniorenclub Mölby“, wo Hanne Jensen und Karin Kley viele Jahre ein Vorstandsteam bildeten. „Hanne Jensen ist vor einigen Monaten verstorben. Wie es weitergeht mit dem Seniorenclub weiß ich nicht“, so Rohwedder, der umständehalber dringliche Aufgaben für den Klub mit Standort in der ehemaligen deutschen Schule in Mölby (Mølby) erledigt. Im Geschäftsausschuss befasse man sich unter anderem mit den Finanzen des Verbandes, dem Aufgabenbereich der Familienberaterinnen und des Familienberaters sowie der Tagungs- und Erholungsstätte Haus Quickborn in Kollund.

Einige Stationen aus dem Leben von Claus Rohwedder

Elektroingenieur Claus Rohwedder ist auf einem Hof in Stoltelund aufgewachsen. Nach dem Realexamen bildete er sich in der Landwirtschaft aus. Er wechselte nach dem Militärdienst die Branche und ging nach Flensburg, wo er Radio- und Fernsehtechniker wurde. Danach studierte er am Technikum in Sonderburg. Claus Rohwedder hat mehrere leitende Stellen innegehabt. Nach einem Sabbatjahr wechselte er erneut die Berufsrichtung, wurde Tankstellenmitarbeiter und Hausmeister in der Bildungsstätte Knivsberg.

Das Engagement für die deutsche Minderheit wurde ihm in die Wiege gelegt. Claus Rohwedders Söhne wohnen in Hadersleben und Mastrup (Marstrup). Er hat fünf Enkelkinder. Mit seiner Lebensgefährtin Yvonne Larsen unternimmt er gerne Reisen.

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