LHN-Generalversammlung

Jørgen Popp: „Der politische Wandel ist eine harte Nuss“

Jørgen Popp: „Der politische Wandel ist eine harte Nuss“

Jørgen Popp: „Der politische Wandel ist eine harte Nuss“

Nordschleswig/Tingleff
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Jørgen Popp Petersen bei der virtuellen Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig Foto: Gwyn Nissen

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Auf seiner letzten Generalversammlung als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig ging Jørgen Popp Petersen auf die Herausforderungen der Landwirte ein.

Das Coronavirus hat 2020/21 auch die Arbeit der Landwirte im Landwirtschaftlichen Hauptverein für Nordschleswig (LHN) geprägt, aber dennoch ist die Pandemie von anderen Problemen überschattet worden. Das stellte der Vorsitzende, Jørgen Popp Petersen, auf der Generalversammlung am Montagabend in seinem Jahresbericht fest. Es war übrigens sein letzter Bericht, denn nach 20 Jahren an der Spitze des LHN trat Popp Montag zurück.

„Der Lockdown im Frühjahr hat durch das neue Verhalten der Verbraucher eine umgehende Wirkung gezeigt: Rindfleisch und andere Produkte, die überwiegend an Gastronomie und Catering gehen, wurden gleich in den Notierungen bestraft“, erklärte Popp – und auch die Schweinepreise sanken, durch Turbulenzen auf dem Weltmarkt und Schlachterei-Schließungen in Dänemark und Deutschland.

Erlöse müsse man heute als Landwirt fast über zehn Jahre sehen, so Popp, „denn immer wieder würden Naturkatastrophen, Veterinär-Verhältnisse und andere globale Krisen und Entwicklungen dafür sorgen, dass der normale Markt in Perioden außer Kraft tritt.“

Höfe in fremden Händen

Weil es für Jungbauern immer schwieriger werde, mit einem eigenen Hof in die Landwirtschaft einzusteigen, kommen auch in Dänemark immer mehr Investoren von außerhalb der Landwirtschaft dazu.

„Für mich ist das eine traurige Entwicklung. Als Bauer und Bauernverband vertrete ich die Haltung: Bauern-Land in Bauern-Hand“, sagte Jørgen Popp Petersen – für ihn sei dies ein Prinzip, auch wenn es positive Beispiele unter den Investoren gebe.

In Dänemark sei diese Entwicklung seit zehn Jahren durch eine Gesetzesänderung möglich. Popp Petersen zog Parallelen zu Afrika. Dort heiße es „Landgrabbing“ – Landgrabschen. In Deutschland habe man, laut Popp, bereits Handlungsbedarf gegen Agrarland als Spekulationsobjekt gesehen.

Jørgen Popp Petersens letzte Generalversammlung als LHN-Vorsitzender fand virtuell statt. Foto: Gwyn Nissen

Popp Petersen: Eine harte Nuss“

„Der politische Wandel ist für uns eine harte Nuss zu knacken“, sagte der LHN-Vorsitzende und sprach die Kluft zwischen Stadt und Land an – aber auch zwischen der Landwirtschaft und der höheren Bildungsschicht.

„Woher und warum entstehen die Bürokratie, Kontrollen, Regel und Vorschriften, die in der Praxis sehr schwer umsetzbar sind?“, fragte Popp. „Die Milch- und Fleisch-Veredelung wird scharf problematisiert, während pflanzliche Ernährung ein Schlagwort geworden ist. Schaut euch mal die neuesten offiziellen Empfehlungen zur Ernährung an: Milch und Fleisch existieren fast nicht mehr. Guten Appetit.“

Der LHN-Vorsitzende kritisierte dabei die Veganer-Partei, die bei der kommenden Folketingswahl kandidiert.

„Würden sie für ihre Ernährungsideale werben wollen, wäre es völlig in Ordnung, aber schon jetzt ist klar, dass sie für sich eine Akzeptanz einfordern, diese jedoch anderen gegenüber selbst nicht zeigen“, sagte Popp Petersen über den Kampf der Veganer gegen die konventionelle Landwirtschaft.

Die Landwirtschaft liefert

„Egal welche Forderungen der Verbraucher hat, werden wir dem in der Produktion nachkommen. Das heißt aber nicht, dass das Herkömmliche gleich schließen muss und wir den Agrarexport einfach aufgeben sollten“, meint Petersen.

Am wichtigsten sei es laut dem LHN-Vorsitzenden, massiv in Forschung zu investieren, „um Lösungen zu finden, die Produktion noch nachhaltiger zu gestalten.“

In Sachen Biodiversität wolle er aber den Kritikern recht geben: „Wir können und müssen viel mehr leisten, ohne dass es den Nettogewinn in den Betrieben beeinflusst.“

„Für die Natur, uns selbst, aber vor allem für Bürger und Naturfreunde müssen wir Biotope schaffen und so Landschaftsräume erschaffen, in denen sich Vögel und Insekten ernähren können“, sagte Jørgen Popp Petersen.

100 Jahre LHN

Ausgerechnet im 100. Jubiläumsjahr präsentierte der LHN am Montagabend einen Jahresabschluss mit einem Minus in Höhe von knapp einer Million Kronen. Das ist eine halbe Million Kronen schlechter als im Jahr zuvor. Der Umsatz stieg um eine Million Kronen auf über 20 Millionen Kronen, aber unter anderem stiegen die Personalkosten um 1,2 Millionen Kronen an.

Das Ergebnis bezeichnete Jørgen Popp Petersen als „unbefriedigend“. Allerdings zeigen laut LHN-Direktor Tage Hansen bereits die ersten beiden Monate des neuen Geschäftsjahres eine wesentliche Verbesserung der finanziellen Lage.

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