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Wegen Corona: Fahrräder sind Mangelware

Wegen Corona: Fahrräder sind Mangelware

Wegen Corona: Fahrräder sind Mangelware

Apenrade/Aabenraa
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In der Corona-Zeit entschließen sich immer mehr Menschen für ein Rad als Transportmittel und Freizeitspaß. (Beispielfoto) Foto: kjt

Die Nachfrage nach Zweirädern ist gestiegen, das berichten mehrere Händler, doch die Kunden müssen sich mit einer kleineren Auswahl begnügen, denn die Produktion in Asien lässt auf sich warten. Der Liefer-Engpass wird aktuell noch durch das Containerschiff verschlimmert, das im Suez-Kanal festsaß.

Das Frühjahr vertreibt derzeit mit milden Temperaturen und Sonnenschein den Winter und lässt die kalten dunklen Monate vergessen. Viele Menschen holen nun auch ihren Drahtesel aus der Garage, um das schöne Wetter bei einer Radtour zu genießen. Doch es gibt so manche Überraschung: Die Luft ist aus dem Reifen entwichen, Rost hat sich auf der Kette breitgemacht, die Bremse quietscht.

Fahrrad-Mangel

Da heißt es, reparieren, oder ein neues Fahrrad muss her. Mit diesem Gedanken spielt sicher so mancher. Also auf zum Fahrradhändler. Doch dort gibt es derzeit eine Überraschung, denn die Auswahl an Rädern ist sehr klein, und dabei ist es egal, um welche Art Rad es sich handelt, Mountainbike, E-Bike, Rennrad oder Kinderrad.

„Wir bekommen kaum neue Fahrräder mehr geliefert“, erklärt Esben Lorenzen, Inhaber von „Danie Bike“ in Rothenkrug. Obwohl das dringend nötig sei, fährt er fort, denn „die Nachfrage nach Fahrrädern ist stark gestiegen“.

Dass sich mehr Menschen auf ein neues Rad setzen wollen, bestätigen auch andere Fahrradhändler im Landesteil auf Anfrage des „Nordschleswigers“.

Reparatur statt Neu-Bike

„Die ganze Welt will sich auf den Sattel schwingen“, sagt Thomas Hansen, der zusammen mit seiner Frau Pernille Trane den „Cykelservice Sønderborg“ in Sonderburg betreibt.

„Und weil wir nicht genügend neue Fahrräder liefern können, lassen die Leute ihre Räder reparieren“, ergänzt Frede Schøtt von „Schøtt Racing“ in Hadersleben (Haderslev). „Deshalb ist in der Werkstatt gut zu tun, und die Kunden müssen mit etwas Wartezeit rechnen, wenn sie die Räder zur Reparatur bringen“, sagt er.

Doch woher kommt der Engpass? Darauf hat Esben Lorenzen die Antwort: „Es spielen mehrere Faktoren dabei eine Rolle. Durch das Coronavirus wollen viele Leute nicht mehr mit öffentlichen Transportmitteln fahren. Sie weichen auf Fahrräder aus.“ Das habe die Nachfrage erhöht.

Die Produktion ist weltweit um 30 Prozent gesunken.

Esben Lorenzen, Inhaber „Danie Bikes“

„Zudem haben die Menschen kaum andere Möglichkeiten, um sich fit zu halten. Sport war und ist im Shutdown verboten, und deshalb kommt das Rad ins Spiel. Die Folge: Die Nachfrage ist gestiegen – um 300 Prozent“, berichtet der Fahrradspezialist aus Rothenkrug.

Außerdem können die Hersteller wegen der Corona-Maßnahmen nicht so viele Fahrräder produzieren. „Die Produktion ist weltweit um 30 Prozent gesunken“, weiß Lorenzen.

Lager deutlich geschrumpft

„In Deutschland sitzt unter anderem ein Lieferant, der sonst etwa 80.000 Räder auf Lager hatte. Eine Bestellung genügte, und das Rad war nach einigen Tagen bei uns. Jetzt hat der Händler noch gerade mal 14.000 Stück auf Lager – und das für ganz Europa”, berichtet der Tonderner Radhändler Peter Petersen von „Peter P Cykler”, der die derzeitigen Lieferschwierigkeiten ebenfalls bestätigt.

Aktueller Liefer-Engpass

Aktuell gebe es ein weiteres Problem, das auf dem ohnehin begrenzten Markt für noch mehr Fahrräder-Mangel sorgt. „Der Frachter, der den Suezkanal versperrt, sorgt auch für verzögerte Lieferungen von Rädern“, erklärt der Rothenkruger Händler. Die meisten Hersteller lassen ihre Produkte nämlich in Asien herstellen und in Containern nach Europa liefern. „Wir warten auf knapp 600 Räder“, sagt Esben Lorenzen.

Knappe Ersatzteile

„Und langsam werden sogar die Ersatzteile knapp“, berichtet Thomas Hansen aus Sonderburg. Denn auch die Nachfrage nach neuen Mänteln, Schläuchen, Bremsklötzen und vielem mehr ist durch die Reparaturen gestiegen und könne bei den Herstellern nicht in genügender Zahl nachgeordert werden. Die Gründe dafür seien dieselben wie bei den Rädern.

Eine Beruhigung der Lage sehen die Händler erst für das kommende Jahr voraus.

Corona-Vorteile

Doch dass das Coronavirus die Leute zum Radfahren gebracht hat und bringt, sei ja nicht nur schlecht, findet Thomas Hansen. „So bewegen sich die Menschen mehr, und das ist gut für die Gesundheit und die Umwelt“, erklärt er.

Frede Schøtt bestätigt das mit seiner Beobachtung: „Der Anteil der Motions-Räder ist gegenüber den Jahren zuvor größer geworden. Die Leute wollen sich mit dem Rad fit halten“, berichtet er.

Übrigens: Die Nachfrage nach Fahrrädern mit Elektromotoren ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Bei „Dania Bikes“ in Rothenkrug beträgt der Anteil der verkauften E-Bikes inzwischen 40 Prozent, wie Frede Lorenzen sagt.

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